Gesellschaft | 25.01.2010

Von Kathmandu nach St. Gallen

Text von Luzia Tschirky | Bilder von Luzia Tschirky
Zwischen China und Indien, mitten im Himalaygebirge, zieht sich ein Land in die Länge. Nepal, mit der Hauptstadt Kathmandu auf mehr als 1300 Metern über dem Meeresspiegel. Marius Arniko Arter aus St. Gallen hat während acht Monaten im letzten Jahr dort gelebt. Nicht um Ferien zu machen, sondern aus geschäftlichen Gründen.
Marius Arniko Arter... ...und eines seiner Skateboards.
Bild: Luzia Tschirky

In Kathmandu produziert Marius Arniko Arter Skateboards. Diese verkauft er unter dem Label „Arniko Skateboards“ in der Schweiz und in Nepal. Mit dem Label werden der 24-Jährige und sein zwölfköpfiges Team nicht reich, denn der ganze Gewinn wird wieder investiert. In erster Linie soll das Projekt Arbeitsplätze in Kathmandu schaffen. Vor Ort sind fast vierzig Prozent der Bevölkerung arbeitslos.

Enge Beziehung

Mit Nepal verbindet Marius eine lange Geschichte. Sein Vater arbeitete in diesem Land für die Hilfsorganisation Helvetas. Bis sein älterer Bruder schulpflichtig wurde, lebte Marius mit seiner Familie in Nepal. Nach der eigenen Schulzeit in der Schweiz lernte Marius Schreiner. Damals begann er Skateboards zu produzieren. Immer wieder reiste er nach Nepal. Im Jahr 2006 war Marius wieder einmal im Land unterwegs. Damals bemerkte er, dass es in ganz Kathmandu nicht ein einziges Skateboard gab. So kam er dann mit der Idee zurück, in Nepal Skateboards herzustellen.

Faire Produktion

„Die grossen Skateboardlabels produzieren ihre Bretter in China, unter chinesischen Bedingungen.“ – Ganz anders werden die Skateboards von Arniko produziert. Von Hand schnitzen Nepali traditionelle Muster in die fertigen Bretter. Die Angestellten bekommen einen fairen Lohn und altes Handwerk bleibt erhalten. Die Produktion in Nepal ist nicht immer einfach. Manchmal gibt es während Stunden keinen Strom und fliessend Wasser. Auch der Kontakt mit Händlern ist ganz anders als in der Schweiz. „In der Schweiz interessiert man sich als Lieferant für seine guten Kunden. In Nepal sagt man auch zu guten Kunden, sie sollen in drei Monaten wieder kommen“, meint Marius kopfschüttelnd.

Grosse Gegensätze

Auch wenn Nepal als die Schweiz von Asien bezeichnet wird, gibt es zwischen den Ländern spürbare Unterschiede. „In der Schweiz muss man sich keine Gedanken machen, ob etwas funktioniert, es funktioniert eigentlich immer. Beim Essen muss man sich nicht fragen, ob es verdreckt ist oder nicht.“ Dennoch kann sich Marius nicht vorstellen, das ganze Jahr in der Schweiz zu leben. „Irgendwie würde mir die Abwechslung fehlen.“ Nepal ist in der Schweiz nicht sehr bekannt, Kathmandu noch weniger. Anders ist es umgekehrt, wie Marius erzählt. „Die Nepali kennen die Schweiz aus Bollywoodfilmen. Deswegen gilt die Schweiz als Traumziel für den ‚Honeymoon‘, die Flitterwochen.“ Heiraten ist in Nepal aber grundsätzlich schwieriger als in der Schweiz. Wie in Indien gibt es in Nepal das Kastensystem. Von Geburt an bewegt man sich nur unter Leuten der eigenen Kaste. „Als Ausländer kommt man gar nicht mit allen Kasten in Kontakt.“ Erzählt Marius. Was uns veraltet erscheint, wird in Nepal voraussichtlich noch lange bestehen. „Bis jetzt zeichnet sich kein Wandel ab“, sagt Marius auf die Frage nach der Zukunft dieses alten Systems.

Zukunftspläne

In naher Zukunft möchte das Arniko Team einiges anpacken. Das ganze Projekt soll richtig ins Laufen gebracht werden. In Zürich würde man gerne einen Shop eröffnen, um mehr Skateboards, Modeartikel und Accessoires verkaufen zu können. Auch die Modeprodukte von Arniko werden in Nepal hergestellt. In Kathmandu soll eine eigene Schreinerei entstehen. „Schweizer Schreiner könnten die Nepali in die Arbeit einführen. Gutes Handwerk ist sehr gefragt.“

Man spürt den Tatendrang von Marius Arter, wenn er von der Zukunft von Arniko Skateboards spricht. Dass das Projekt Zukunft hat, hat sich im letzten Dezember gezeigt, als es am internationalen Jugendprojektwettbewerb der Bodenseeregion ausgezeichnet worden ist.

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