Kultur | 25.01.2010

Überbordende Kreativität

Eine Stunde Musikclips auf Grossleinwand, einer nach dem anderen: das fordert Auge und Ohr bis an die Grenzen des Erträglichen und bietet ein Spektakel verrückter Schnitte und Spezialeffekte. Tink.ch suchte an den Solothurner Filmtagen im Wettbewerbsprogramm "Sound & Stories" nach den Perlen.
Schrill und stark: Das Video zu Big Zis' "Suure Räge".
Bild: Bringolf Production Design, www.georgbrindolf.com

Der Anfang und der Schluss sind, wie bei so manchem, selten gelungen, entweder brutal abrupt oder langweilig an- beziehungsweise auslaufend. Die Rede ist von Musikclips. Was sie dazwischen zu bieten haben, kann sich jedoch sehen lassen: Minuten geballter Kreativität. Das haben alle gemeinsam in diesem Genre, alle jedenfalls, die an den Solothurner Filmtagen im Wettbewerb „Sound & Stories“ gezeigt wurden. Schliesslich hatte man sie ausgewählt. Und das Publikum sowie eine Jury sollten nun also den Besten erküren. Der Wahlmodus: 18 Clips en bloc anschauen und danach auf dem Stimmzettel ein Kreuzchen machen. Das ist einfacher gesagt als getan. 18 Clips querbeet durch alle Musikstile, von Hiphop über Techno, Pop und Rock bis Heavy Metal sind für die Sinne nämlich eine ziemliche Tortur. Bei allem Spass, das Aufnahmevermögen hat Grenzen. Gut so. In der Erinnerung hängen, bleibt damit letztlich nur, was wirklich originell ist. Hier ein paar herausgefischte Perlen:

„Suure Räge“

Total abgefahren, mitreissend und verwirrend. Ein Clip in schwarz-weiss von Benjamin Weiss und Georg Bringolf, der den verrückten Text der Zürcher Rapperin Big Zis auf die Spitze treibt.

„verblödig.fm“

Sehr authentisch und genial an den Text angepasst. Ein kleines Meisterwerk der Musikvideokunst in dem Lukas Moor und Katja Schiendorfer die Message von Rapper Oli Second mit gezielten Specialeffekts verbildlichen.

„One Up Down Left Right“

Völlig absurd. Mike Raths und Jonas Meiers Hubstaplertanz zu Jazz-Musik des Zürcher Trios Rusconi ist die wohl abgefahrendste Idee, die man haben kann.

„Goodron Dance“

Wild und witzig. Eine Frau tanzt, mehr nicht. Aber wie sie tanzt. Simon Eltz macht mit seinen animierten Zeichnungen den Song der Schweizer Rockband Godroon zu einem höchst amüsanten Erlebnis.

„MyMobile“

Spielerisch und perfekt im Rhythmus. Dabu Fantastic wettern in ihrem Elektro-Hiphop-Song gnadenlos gegen das Handy. Michel Kiwic hat sich dazu bildlich Einiges einfallen lassen, insbesondere einen Mund auf tanzendem Körper.

And The Winner Is


Die Winterthurer Regisseure Jonas Meier und Mike Raths gewannen mit ihrem Clip "One Up Down Left Right" sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis.