Sport | 11.01.2010

Mit Menschen aus 14 Zeitzonen

Text von Pascal Gähler
Im Skicamp des ICYE wurden Zeitzonen überschritten, Sprachbarrieren überwunden und Skipisten im Stemmbogen bezwungen. Ein Erlebnisbericht.
Fotos: Pascal Gähler

26. Dezember, Samstagmorgen um Viertel nach Zehn: Meine Reise nach La Fouly begann. Sechseinhalb Stunden Zug- und Busfahrt lagen vor mir und ich wusste nicht, was oder wer mich am Ziel erwartete.

Der Grund, weshalb ich diese Strapazen auf mich nahm, war das Skicamp, welches jedes Jahr vom Internationalen Jugend- und Kulturaustausch (ICYE) organisiert wird. Ich erfuhr über den Tink.ch-Newsletter davon und meldete mich sofort an – mit der Hoffnung, einige erholsame Ferientage im Schnee zu verbringen.

Am Ziel angekommen traf ich circa 50 Jugendliche. So wie es aussah, sahen und spürten einige von ihnen zum ersten Mal Schnee. Wie sich später herausstellte, kamen sie aus Südkorea, Afrika, Brasilien und diversen anderen Ländern. Zum Glück sprachen und verstanden alle Deutsch oder Englisch, andernfalls wäre ich mit meinen Sprachkenntnissen gescheitert.

Ein Job für den Techniker

Nachdem wir unser Willkommensgeschenk, eine Tasse Glühwein (hot tea), genossen hatten und unsere Zimmer bezogen waren, begann die Arbeit. Die Organisatoren hatten wohl bemerkt, dass ich Technikbegabt bin, denn während die anderen in der Küche und beim Auspacken halfen, war ich für den Aufbau der Sound- und Lichtanlage im Partyraum zuständig. Bei dieser professionellen Technik wären lange Nächte vorprogrammiert. Doch an diesem Abend waren alle erschöpft von der langen Reise und auch ich versuchte, früh zu schlafen, was bei der Matratze leider nicht so einfach war.

Ein Job für den Skilehrer

Am ersten Tag auf der Skipiste durfte ich schnell feststellen, dass dies keine Erholungsferien wurden. Denn der Job als Skilehrer hatte es in sich. Fast alle der Exchanger waren noch nie auf den Skier gestanden. So hiess es für mich: Den Jungs und Mädels beim Ski tragen helfen, den Berg hinauf laufen, beim Ski anziehen helfen, im Stemmbogen und im Schlepptau von einer Skischülerin oder einem Skischüler langsam den Berg hinabfahren – und dann das ganze wieder von vorne. Die Belohnung für die Mühe waren riesengrosse Smiles, welche die Gesichter der Skischüler und Skischülerinnen zierten.

Und nach der Arbeit?

Wie ich es mir gedacht hatte, waren die Abende beziehungsweise Nächte von Partys geprägt. Bis in die Morgenstunden wurde gefeiert, getanzt und getrunken. Aber auch mit einer Partie Poker oder anderen Spielen konnte man sich die Abende vertreiben. Après-Ski kennt dieses kleine Kaff nicht. Und auch die Teilnehmenden aus dem Ausland schauten nicht schlecht, als wir Schweizer den Cowboy- und Indianertanz aufführten. Doch schnell konnten wir sie zum Mitmachen überreden.

Über die Zeitzonen hinweg

Silvester war das Highlight des Skicamps. Jedesmal, wenn in der Zeitzone eines Teilnehmers null Uhr war, stiessen wir an. Das waren ungefähr 14 Mal. Am Abend genossen wir bei Vollmond- und Kerzenschein die herrliche Kulisse, welche die Berge rund um unser Haus bildeten. Und um Punkt null Uhr Schweizerzeit stiessen wir mit unseren Champagner-Gläsern an und wünschten uns „Ä Guets Neus“ oder „happy new year“. Später machten wir es uns vor dem Lagerfeuer oder in der Sauna gemütlich oder feierten das neue Jahr in unserem Discoraum.

Schwerer Abschied

2. Januar: Wieder stand eine grosse Reise bevor – die Heimreise. Doch zuvor mussten sich alle noch voneinander verabschieden, was auch mir dieses Mal nicht ganz leicht fiel. Denn die meisten werde ich wohl nie wieder sehen – aber zum Glück gibt’s noch Facebook.

Wenn ich auf die sieben Tage in La Fouly zurückblicke, so stelle ich fest, dass einiges anders verlief, als ich es mir vorgestellt hatte. Aus den erholsamen Winterferien wurde nichts, dafür hatte ich eine Woche lang viel Spass auf und neben der Skipiste. Ich lernte viele Leute aus der ganzen Welt kennen und hatte einen Einblick in verschiedenste Kulturen und Sitten.

Nächstes Jahr wird der ICYE wieder ein Skicamp veranstalten. Ich kann nur allen Jugendlichen die Teilnahme empfehlen. So viel Spass und Erlebnisse für die paar Franken bekommt ihr sonst nicht so schnell.

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