Kultur | 04.01.2010

Hast du den Winter satt?

Text von Seraina Manser | Bilder von Seraina Manser
Genug vom kalten, tristen, grauen St.Galler Winter? Entfliehe mit mir auf die zweitgrösste Mittelmeerinsel, Sardinien. Das Beste dabei: du umgehst eine lange Anreise, gibst keinen einzigen Cent aus und bringst deine Haut nicht durch schädliche UV-Strahlen in Hautkrebsgefahr. Auf was wartest du noch, andiamo!
Der Sardische Sommer lädt zum Träumen ein, gerade im St.Galler Winter. Türkisblaues Wasser statt abgasgrauer Schneematsch.
Bild: Seraina Manser

Juli, nachmittags um 3 Uhr, Sandstrand des sardischen Dörfchens Santa Maria Navarrese an der Ostküste

Du liegst auf einem flauschigen Badetuch im feinen Sand. Unaufhörlich hörst du die Wellen des Mare Mediterraneo ans Ufer schlagen, ab und zu kreischt eine Seemöwe oder weist eine Mamma ihr Bambino zurecht. („Non bere acqua salata!“) Die Sonne strahlt dir auf die Haut, allerdings nicht zu heiss, sondern gerade angenehm wärmend. Es riecht nach Salzwasser, Sonnencreme und Luftmatratzenplastik. Du greifst nach deinem Schnorchel und der Taucherbrille, rennst über die heissen Sandkörner zum verlockenden Türkis hin.

Die Wassertemperatur überrascht dich; erfrischend, aber nicht zu kalt. Du ziehst dir deine Taucherbrille über den Kopf, steckst den Schnorchel in den Mund und tauchst mit kräftigen Armzügen unter. Ausser des eigenen Atems und dem Geräusch der Bläschen, die durch die Schwimmzüge entstehen, hörst du gar nichts. Du siehst die vielen schwarzen Seeigel, die in den Felsspalten klemmen, farbige Fische kreuzen deinen Weg. Erstaunlich, wie schnell du vorwärts kommst.

Abends um 21.15 Uhr, Terrasse eines kleinen Ferienhäuschens, leicht erhöht mit Sicht aufs dunkelblaue Meer

Du sitzt auf dem Korbstuhl, die braungebrannten Füsse auf dem Geländer abgestellt, in der Hand ein Glas sardischen Wein (wahlweise auch Lemon Soda oder Chinotto), die blutrote Sonne versinkt langsam im Meer. Vom Nachbargarten weht der Duft des Zitronenbaums, vermischt mit dem von Pizza herüber. Die Grillen zirpen, eine davon besonders laut. Wenn du dich anstrengst, hörst du irgendeinen italienischen Moderator auf Rai Uno Witze reissen, und die gezwungenen  Lacher, die darauf folgen. Du nimmst einen Schluck deines kühlenden Getränks (denn obwohl es bereits Abend ist, kann man im Shirt und Shorts draussen sitzen), dabei schmeckst du das Meersalz auf deinen Lippen und freust dich auf den nächsten Tag am Meer.

Konnte ich dich für einen kurzen Moment aus dem St.Galler Winter entführen?