Kultur | 05.01.2010

Grosser Schrecken an Silvester

Text von Jessica Nirkko | Bilder von PD
Der 14-jährige Junge Krabat wird bei einer geheimnisvollen Mühle Lehrjunge. Doch schon bald merkt er, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht. Eine wahrlich packende Geschichte hat Otfried Preussler da vor rund 40 Jahren geschrieben.
Buchcover mit der unheimlichen Mühle. Preusslers Klassiker der Jugendliteratur wurde 1977 und jüngst 2008 verfilmt.
Bild: PD

Seit Silvester hat der 14-jährige Krabat immer wieder denselben Traum: Elf Raben sitzen auf einer Stange und eine Stimme ruft dreimal seinen Namen. Dann sagt sie: „Komm nach Schwarzkollm in die Mühle, es wird nicht zu deinem Schaden sein!“ Darauf erheben sich die Raben und krächzen: „Gehorche der Stimme des Meisters, gehorche ihr!“

Nachdem Krabat dies dreimal geträumt hat, packt ihn die Neugier und er reist nach Schwarzkollm, wo er die Mühle im Koselbruch beim schwarzen Wasser findet. Dort wird er von einem geheimnisvollen Müller mit einer Augenklappe aufgenommen. Er ist es, der Krabat im Traum immer gerufen hat.

Geheimnis um eine Mühle

Der ans Armsein gewohnte Krabat freut sich: Er bekommt Kleider, die ihm wie angegossen passen, eine bequeme Schlafstelle, gutes Essen und auch die elf anderen Mühlknappen sind stets freundlich zu ihm, vor allem Tonda. Doch bald kommt er mit der Arbeit nicht mehr klar. Die Aufgaben sind schier unmöglich und anstrengend und er hasst die Mühle mehr und mehr. Wenn ihm nicht Tonda, der Altgesell, immer wieder zu Energie verhelfen würde, wäre Krabat längst zusammengebrochen.

Doch genau das verwirrt Krabat allmählich. Wie kann Tonda ihm immer neue Kraft geben? Und auch der Rest der Mühle gibt Krabat zu denken: Wieso liegen in der Schütte des siebten Mahlganges Knochen? Wieso kommt jede Neumondnacht ein unheimlicher Mann mit einer roten Hahnenfeder vorbei? Und wieso versuchen alle, Krabat dies zu verheimlichen?

Schüler der schwarzen Magie

Die Antwort erhält er am Karfreitag: Der Müller ist ein Lehrer der schwarzen Kunst und alle Mühlknappen seine Schüler. Nun wird auch Krabat  in den Schülerkreis aufgenommen und sitzt von da an jeden Freitag Abend als Rabe neben den anderen und lernt Zauberformeln. An Ostern, bei einem Ritual der schwarzen Magie, verliebt sich Krabat in ein Mädchen, oder vielmehr in ihren Gesang. Er kann von da an nicht aufhören an sie zu denken, vor allem weil die Arbeit dank der Magie viel leichter wird. Krabat mag von da an die Mühle wieder, bis plötzlich etwas Schreckliches in der Silvesternacht geschieht. Erst da merkt Krabat, was ihm in der Mühle Schreckliches passieren könnte und in welcher Gefahr alle stets leben. 

Aber er kann das Geschehen nicht stoppen. Oder doch? Als wieder ein ahnungsloser neuer Lehrjunge eintrifft, nimmt ein neues Jahr seinen Lauf mit denselben Ritualen, Neumondnächten, der wunderschönen Stimme von Krabats grosser Liebe und dem grossen Schrecken zum Jahresende. Nun beschliesst Krabat, dem Treiben in der schwarzen Mühle ein Ende zu setzen. Die Mühlknappen sollen endlich in Freiheit leben können. Ohne schwarze Magie und den schrecklichen Müller. Mit seinem Plan geht er jedoch ein Risiko ein: Nicht nur sein eigenes Leben steht auf dem Spiel, sondern auch das seiner Liebsten.  

Eine wahrlich packende Geschichte 

Krabat ist ein Mix aus Fantasie und Realität und spielt in einer früheren Zeit. Wann genau, erfahren wir nicht. Das Buch ist packend geschrieben, wenn auch in einer etwas altmodischen Sprache, aber es ist ja auch ein älteres Buch.

Die Geschichte ist in drei Hauptteile aufgeteilt: Das erste Jahr, das zweite Jahr und das dritte Jahr. Sie stehen für Krabats Lehrjahre und basieren immer auf seinen jeweiligen Kenntnissen. So hat er im ersten Jahr vom Grossteil des Geschehens in der Mühle keine Ahnung. Im zweiten Jahr ist er sich darüber immer noch nicht ganz im Klaren und im dritten Jahr kämpft er für seine Freiheit. Diese Aufteilung ist spannend und auch, dass der Schein bei einigen Figuren trügt und man später erst merkt wie sie wirklich sind.


Otfried Preussler, Krabat, Thienemann Verlag 1971.

Links

  • Diese Buchkritik erschien erstmals bei Leporello , dem Kulturmagazin für Kinder und Jugendliche.