Gesellschaft | 31.01.2010

Elternabend als Medienkurs

Text von Julian Stiefel | Bilder von Julian Stiefel
Die Arbeitsgruppe Oberland beschäftigte sich mit der Suchtproblematik. Sucht ist durchaus kein neues Thema, sondern ein Generationenproblem. Einzig die Medien unterlaufen einem Wandel. Zusammen suchten Jugendliche und Grossräte nach möglichen Lösungen.
Am Jugend-Grossrat-Tag treffen zwei Generationen aufeinander und merken: Mediensucht gabs schon vor dem Internet.
Bild: Julian Stiefel

Jugendliche verbringen heute ihre gesamte Freizeit mit elektronischen Medien. Dabei kommen sie mit ungeeigneten Inhalten in Kontakt. Die Eltern wissen oft zu wenig über Computer. Sie sind sich nicht über die möglichen Gefahren bewusst, oft unterschätzen sie diese schlicht. Insbesondere gilt das für die heute extrem realistischen Computergames.  

Kinder und Jugendliche total von den neuen Medien zu trennen, kann nicht erfolgreich funktionieren. Denn gerade das, was verboten ist, soll ja besonders interessant sein. Die Jugendlichen sind aber klar für eine Einschränkung in den Bereichen, wo Suchtgefahr besteht.  

Lösungsansätze

Gemeinsam mit Mitgliedern des Grossen Rats erarbeiteten die Jugendlichen Lösungsansätze. Ihrer Ansicht nach sollen vor allem die Eltern konsequent miteinbezogen und sensibilisiert werden. Dafür gibt es heute schon Kurse, die Eltern über die neuen Medien informieren. Sie sind aber schlecht besucht. Eine Möglichkeit sind auch obligatorische Informationsveranstaltungen. Denn gerade die mit Mediensucht konfrontierten Eltern erscheinen nicht an Kursen, die freiwillig sind.

Die Diskutierenden fragten sich, wieso bis heute wenig erreicht wurde, trotz der Lösungsansätze. Die Schwierigkeit liegt vor allem in der flächendeckenden Durchführung von obligatorischen Kursen. Die dafür zuständigen Dienste sind überlastet. Theoretisch könnte sich das Problem früher oder später auch selbst lösen: Die heutige Jugend, welche die nächste Generation erziehen wird, kennt sich allgemein besser aus mit neuen Medien.  

Früher Radiosucht, heute Computersucht

Grossrat Christoph Grimm von den Grünen fragte, ob eine Diskussion über dieses Thema wirklich wichtig für unsere Gesellschaft sei. Er erzählte von den verschiedenen Suchtformen, die durch den technischen Fortschritt entstanden sind. Vor langer Zeit gab es gar die Radiosucht. Dann kamen Fernsehsucht, Handysucht und Computersucht auf. Das Beispiel der Radiosucht verstanden viele der Jugendlichen nicht. Heute würde schliesslich niemand mehr einen „Radiokompetenzkurs“ besuchen. Es sei praktisch unabsehbar, ob immer wieder eine andere Sucht entsteht, sagte der Grossrat. Ob man von Mediensucht betroffen sei und Hilfe benötige, hänge massgeblich von der eigenen Ansicht ab.  

Um Kurse und Informationsveranstaltungen erfolgreich durchzuführen, müssen verschiedene Parteien mithelfen. Grimm sieht die Aufgabe bei den Elternräten. Diese versäumen die Aufgabe aber. Mediensucht und -kompetenz sollte an Elternabenden thematisiert werden. So könnten viele Eltern angesprochen werden. Das wird heute zwar bereits gemacht, offenbar aber zu wenig konsequent.