Gesellschaft | 25.01.2010

Du verführst mich nicht mehr

Text von David Naef | Bilder von Claudo Herger
Überall und fast jeden Tag begegnet sie uns: die Gratiszeitung. Ein Versuch, ihr zu widerstehen.
In den öffentlichen Verkehrsmitteln lauert die Verlockung Gratiszeitung.
Bild: Claudo Herger

Eigentlich hatte ich mir hoch und heilig versprochen, dieses Blatt nie mehr in die Finger zu nehmen.

Doch die bunten Bilder, eine Kriegsstory zwischen Walfängern und Umweltschützern auf der Frontseite und die immer langweilige Zugfahrt verleiten mich, das Blatt an mich zu nehmen. Ich kann dem Bündel aus zusammengeheftetem Papier nicht widerstehen. Zu gross das Mitleid, zu klein die Selbstdisziplin.

Nach eingehender Betrachtung der zerstörten Ady Gil, die durch den Zusammenstoss mit einem Walfänger in Brüche ging, lächelt mir auf Seite zwei ein Postbote entgegen. Was gibt es bei der Post zu lachen? Bundesrat Moritz Leuenberger und Verwaltungsratspräsident Claude Béglé sind für die Medien zurzeit ein gefundenes Fressen und stehen unter Dauerkritik.  

Ich überfliege eine Schlagzeile nach der anderen: „Bombenalarm in der US-Botschaft“, „Das durchgeplante Papst-Attentat“, „Kein Gemüse in Bümpliz“, „Das Superboot“, „12775 Frauen und ein Mann“, „Die besten Hollywood-Diäten“.

Die letzte Seite lässt mich aufschrecken: Einmal mehr lese ich eine Zeitung mit Beiträgen, die kaum von grosser Wichtigkeit sind. Kurz gesagt: Klatsch und Tratsch.

Ab heute werde ich nie mehr eine Gratiszeitung in die Hand nehmen, versprochen!

Ein täglich wiederkehrendes Versprechen.  

Tipp


Wofür du eine Gratiszeitung sonst verwenden kannst:

1.     Basteln (Segelschiffchen, Papierflieger)

2.     Spicker

3.     Anfeuern im Kamin

4.     Schuhe stopfen

5.     Pflanzen trocknen und pressen

6.     Sitzunterlage an nassen Haltestellen