Kultur | 25.01.2010

Das Jenseits ganz nah

Text von Janosch Szabo
Der Luzerner Student Kevin Graber hat mit "Die andere Seite" einen Kurzfilm geschaffen, der aufrüttelt und zum Weiterdenken anregt. Drei Männer erzählen darin von ihrer Überzeugung, dass das Leben nach dem Tod weitergeht. Sie haben Beweise dafür: Bilder, Töne, Stimmen, Schwingungen. Esoterisches Geschwafel? Ganz und gar nicht.
Flimmernder Fernsehen oder Zeichen aus dem Jenseits? Willi Schnetzler spaltet die Meinungen. Fotos: Kevin Graber Eine andere Art von Frühlingsputz. Hinter 19 Minuten Film steckt eine Menge Arbeit. Kevin Graber will den Zuschauer dazu bringen, sich selbst Fragen zu stellen.

Was ist hinter den Grenzen? Was ist nach dem Tod? Fragen, die den Luzerner Kevin Graber seit seiner Kinderheit beschäftigen. Der Blick ins endlose Weltall habe ihn schon immer fasziniert. Jetzt hat der 27-Jährige einen Film geschaffen, der das Jenseits ganz nah heranholt, durch Menschen, die sich damit auseinandersetzen: Willi Schnetzer, Davor Baggio und Wolfgang Eisenbeiss. Der erste, ein älterer Herr, macht Ton- und Videoaufnahmen, über die er Zeichen von Verstorbenen empfängt, Stimmen und schemenhafte Bilder. Manchmal. Manchmal auch nichts. Der Zweite, ein Psychologe, macht Raumreinigungen. Und der Dritte organisierte ein Schachspiel zwischen einem lebenden Grossmeister und einem Verstorbenen. Das Medium Robert Rollans, selbst ohne Ahnung vom Schachspiel, führte die Anweisungen des Jenseitigen aus. Das Experiment dauerte acht Jahre.

Die Überzeugung im Fokus

„Alles Verrückte“, könnte man jetzt sagen. Gerade eine solche Pauschalisierung entfährt einem nach diesem Film aber kaum. Die porträtierten Herren wirken weder abgehoben noch sonderlich esoterisch. Sie erzählen bloss von ihren Erfahrungen und Einsichten. Kevin Graber erreicht damit genau das, was er wollte: zum weiterdenken anregen. Der Film, sagt er, liefere schliesslich keine Antworten: „Ich hoffe, dass sich die Zuschauer selbst Fragen stellen.« Ihm sei es vor allem um die Überzeugung dieser Menschen gegangen und darum, diese ohne jegliche Wertung zu übermitteln. Dass er gerne zuhöre, sei ihm dabei sicher zu Gute gekommen: „Ich habe mich gefreut, diese Leute zu treffen. Das haben sie gemerkt und Vertrauen gefasst.“ Kein unwichtiger Aspekt, sind Aussagen, wie sie die drei Protagonisten machen, doch einfach zu verdrehen, ins Lächerliche wie auch ins Missionarische. Beides ist nicht passiert. 

1 Jahr Arbeit für 19 Minuten

„Die andere Seite« heisst das 19-minütige Werk und ist Kevin Grabers Abschlussarbeit an der Hochschule für Design & Kunst in Luzern. Gut zwei Semester hat der Student daran gearbeitet, von der Recherche übers Exposé, die Budgetaufstellung, Dossierentwicklung, bis hin zu den Aufnahmen mit Kameramann David Röthlisberger und Tontechniker Marco Theus, und schliesslich die Montage im Studio. „Das hat Spass gemacht«, sagt er zum letzten Schritt, „und uns sehr gefordert«. Von Vorteil sei gewesen, dass Kollege Timothy Studer, der ihm beim Schnitt zur Seite stand, das gefilmte Material unvoreingenommen sichten konnte. So habe es beispielsweise nicht passieren können, dass eine Szene nur deshalb aufgenommen worden wäre, weil sie aufwändig zu filmen gewesen war. 

Premiere hatte der mit 9000 Franken realisierte Film im letzten Juli, lief dann am Shift Festival der elektronischen Künste in Basel, am Filmfestival Thurnersee und wurde nun an den Solothurner Filmtagen im Rahmen anderer Kurzfilme von Filmschulen gezeigt.

Info


Als nächstes geht der Film auf eine von der Schule organisierte Tour.

 

– Bourbaki Kino Luzern: 21. Februar, 11.30 Uhr

– Kellerkino Bern: 26. Februar 20.30 Uhr

– Riffraff Kino Zürich: 28. Februar 11.30 Uhr

– Neues Kino Basel 4. und 5. März, 21 Uhr

– Cinematte Bern 12. März

– Ab Ende Februar wird der Film zudem online auf Kevin Grabers Filmwebsite zu sehen sein.

Links