Gesellschaft | 18.01.2010

Alltagshelden mit Brevet I

Text von Diana Berdnik | Bilder von PD
Die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) bildet regelmässig Menschen zu kleinen Nothelfern aus. Somit können Unfälle im und am Wasser vorgebeugt werden. Im Ernstfall greift jener kompetent ein, der sich sicher fühlt und auskennt.
Man braucht nicht bei Baywatch zu sein, um Leben retten zu können.
Bild: PD

Lili ist neun Jahre alt und schwimmt gekonnt in der Sitter hin und her. Während die Mutter die Würste auf den Grill legt, erzählt sie ihrem Nachbarn, dass Lili gerade das "Seepferdchen" erhalten hat. In diesem Moment passiert es. Lili gerät in einen Strudel, wird ins Wasser gedrückt und bleibt eingeklemmt hängen. Eine Horrorvorstellung für alle Eltern.

Für alle Fälle ausgebildet

Unzählige Menschen schwimmen täglich in Hallenbädern, Flüssen, Seen und anderen Gewässern. Meistens ist der Ausflug ins Freibad für die Kinder ein lustiges Erlebnis und Ältere geniessen das Langstreckenschwimmen im offenen Meer. Doch manchmal geschehen Dinge, an die man lieber nicht denkt. In diesen Situationen sind Retter gefragt. Solche werden von der SLRG ausgebildet. In der ganzen Schweiz gibt es dafür Kursangebote. Teenager erhalten das Jugendbrevet, Erwachsene machen das Brevet I im Rettungsschwimmen. Dem Opfer ist es zwar egal, ob sein Retter einen dieser Ausweise besitzt, doch die physische und kognitive Sicherheit, die mit Erlangen des Ausweises aufgebaut wird, dient der Rettung in grossem Mass.

„Schwimmt nicht von vorne an einen um sich schlagenden Patienten heran“, warnt der Kursleiter, „neulich hat ein zweijähriges Mädchen einem Bademeister in der Panik zweimal den Unterarm gebrochen!“ Interessiert hören die Teilnehmerinnen, allesamt Lehrerinnen, die ihren Schülern auch Schwimmen unterrichten, dem erfahrenen Bademeister zu. Danach werden sie selbst aufgefordert, den Parcours zu schwimmen: 96 Meter Freistil, 4 Meter abtauchen, den Patienten 50Meter abschleppen und anschliessend bergen –  und das innerhalb der vorgegebenen Zeit. Hinzu kommen viel Theorie zur Nothilfe, Übungsbeispiele, Befreiungsgriffe und Schwimmübungen.

Weniger Todesfälle dank Ausbildung

Selten besteht ein Teilnehmer den Kurs nicht. Die Anforderungen sind umfangreich und anspruchsvoll, doch für den Durchschnittsmenschen gut machbar. Schlussendlich macht der Aufwand auch Sinn. In den Ertrinkungsstatistiken der SLRG zeigt sich eine klar Tendenz: Noch vor 30 Jahren starben über hundert Schweizer jährlich im Wasser, weil ihnen nicht geholfen werden konnte. Im Jahr 2008 waren es noch 28 Opfer in der Schweiz.

Geistesgegenwärtig springt der Nachbar in den Fluss, greift die kleine Lili unter den Achseln und zieht sie hoch. Im Fesselgriff wird sie ans Ufer transportiert und dort beatmet. Währenddessen alarmiert ihre Mutter die Ambulanz, welche kurze Zeit später vor Ort ist und Lili rettet.

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