Kultur | 21.12.2009

Wir wohnen alle oberhalb einer Dönerbude

Expatriate setzten ihren Bandnamen in die Realität um: Sie sind aus Australien ausgewandert und geniessen nun das Kennenlernen von neuen Kulturen. Im Gespräch verraten sie mehr.
Expatriate fühlen sich wohl im kalten Europa. Fotos: Yvonne Schäpper Bei ihrem Auftritt im Mascotte überzeugten Expatriate. Sänger Ben King machte seinem Namen alle Ehre.

Am vergangenen Dienstag spielte Expatriate im Mascotte ein begeisterndes Konzert. Die in unseren Gefilden eher unbekannten vier Australier lieferten  eingehende Texte und packende Refrains. Zuvor traf Tink.ch den Schlagzeuger Chris Kollias und den Bassisten Dave Molland zum Interview. Die beiden Wahlberliner zeigten, dass sie ihren australischen Charme auch in der eisig-kalten Schweiz nicht so schnell verlieren.

Wie stark spürt ihr den Unterschied zwischen dem Touren in Australien, wo ihr bereits eine grosse Fanbase habt, und dem im für euch weniger erschlossenem Europa?

Chris Kollias: Es ist ein enormer Unterschied. Allein die Geografie, in Australien hatten wir nicht jeden Abend einen Auftritt, weil die Distanzen zwischen den Destinationen so gross sind, dass wir fast immer mit dem Flugzeug hinfliegen mussten, was immer eine gewissen Zeit in Anspruch nimmt. Hier in Europa sind wir nahezu jeden Abend am Spielen, da die Städte so nah beieinander liegen. Die verschiedenen Kulturen in Europa sind auch faszinierend und wir erleben sie bei den Auftritten immer wieder aufs neue. Das macht das Ganze erst richtig interessant.

Gibt es ein Land in Europa, das euch besonders gut gefällt um aufzutreten?

Dave Molland: In Frankreich hatten wir bisher die besten Erfahrungen gesammelt. Unsere Musik wurde super aufgenommen und es entstand eine tolle Verbindung zwischen uns und dem Publikum. Aber wer weiss, wir haben ja noch nie in Zürich gespielt, vielleicht werden wir uns heute noch für Zürich umentscheiden. (lacht)

Habt ihr schon mal in der Schweiz gespielt?

Chris: Ja, wir haben am Festival „Moon and Stars“ gespielt, das war aber das einzige Mal.

Dave: Ich war neben dem Festival noch wegen einer Werbeveranstaltung in der Schweiz, danach gingen wir in ein australisches Restaurant und ich ass zum ersten mal Krokodil und Känguruh – und das in der Schweiz. (lacht)

Wieso nennt ihr euch Expatriate (Auswanderer)?

Chris: Ben suchte nach einem Bandnamen, der seine Erlebnisse am besten verkörpert. Da er als Kind immer zwischen Indonesien und Australien hin und her pendelte, sprich sich immer zwischen zwei Kulturen befand, schien ihm der Name passend. Da in meinen Adern griechisches Blut fliesst und ich auch immer zwischen der griechischen Kultur, die mir meine Eltern mit auf den Weg gaben, und der australischen stand, kann ich mich gut mit dem Namen identifizieren.

Nun lebt ihr seit 2008 alle in Berlin und seid echte „Expatriates“, wie geht ihr damit um?

Chris: Lange war es nur unser Bandname und nun leben wir ihn wirklich. Es ist sehr interessant und etwas Neues, Spannendes. Wir kamen gerade aus dem heissen Australien in den bitterkalten Winter Berlins – ein ziemlicher Schock. Auch die Kulturen sind verschieden, wir mussten uns zuerst dran gewöhnen, aber jetzt fühlen wir uns schon wie Zuhause. Das ganze Jahr in Berlin war einfach fantastisch, wir haben soviel Neues kennengelernt und konnten uns als Band weiterentwickeln. Wir wohnen alle gemeinsam in einer grossen Wohnung oberhalb einer Dönerbude, das ist sehr praktisch (lacht).

Habt ihr es je bereut, nach Berlin zu ziehen?

Dave: Nein, man sollte nie etwas bereuen, wenn man sich entschieden hat, muss man es auch durchziehen. Bei uns hat es auch super geklappt und als wir vor die Wahl gestellt wurden, entweder in Australien zu bleiben oder raus in die grosse weite Welt, war schnell klar, für was wir uns entscheiden werden.

Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Chris: Das war in Sydney, jeder von uns spielte in verschiedenen Bands und versuchte sich als Musiker durchs Leben zu bringen. Die Musikszene in Sydney war zu dieser Zeit noch nicht so weit und es war schwer, gute Auftritte zu bekommen. Ben und ich spielten zusammen in einer Band und ich hatte eine WG mit Damian. Ben wollte einige Songs aufnehmen und Damian hatte ein Studio zur Verfügung und so fügte sich alles zusammen. Wir brauchten jedoch noch einen Bassspieler. Wir veranstalteten also einen kleinen Wettbewerb in unserem Studio und als Dave reinkam und anfing zu spielen waren wir begeistert. So entstand „Expatriate“.

In Seattle habt ihr euer erstes Album „In the mist of this“ aufgenommen, wo schon Grössen wie Nirvana gearbeitet haben, wie war das für euch?

Dave: Das war eine tolle Erfahrung. Wir dachten jedesmal wenn wir das Studio betraten: „Wow, hier spielten schon Nirvana und die Foo Fighters“. Echt beeindruckend. Zudem war das Studio in einer bilderbuchartigen Umgebung, die sehr inspirierend war. Wir wohnten zudem oberhalb des Studios und konnten uns voll und ganz auf das Aufnehmen des Albums konzentrieren.

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