Gesellschaft | 14.12.2009

Weihnachtseinkauf mit Whiskey im Blut

Text von Audrey Djouadi | Bilder von Keystone
Zürich spielt verrückt in diesen Tagen - der Weihnachtseinkauf steht an. Hat man sich erst einmal ins Getümmel gestürzt, hilft nur noch eines: Viel Whiskey-Sour zur Beruhigung.
Zur Weihnachtszeit ist die Zürcher Bahnhofstrasse das Epizentrum der Geschenksuchenden.
Bild: Keystone

Im Renntiertempo rasen wir auf den dritten Advent zu. Schweissausbrüche, nervöse Zuckungen und Angstzustände – was schenk ich wem und wie bezahl ich das überhaupt? Wagemutig stürzt sich unser Team Christkind (aka Anina und ich) in den Kampf. Erster Halt: Zara. Während sich meine liebe Freundin mit dem Geschenk ihrer Schwester abmüht, beschenk ich mich lieber selbst. Und zwar in Form von Reiterhosen-Leggins und Leoparden-Ankleboots. Der erste Versuch, ein Geschenk zu kaufen, scheitert also auf niedrigem Niveau.

Hässliche Ugg-Boots

Apropos niedriges Niveau: Wer bitteschön tritt ausserhalb des Countryclubs noch im Partnerlook auf? Richtig, das Pärchen vor uns an der Kasse. Und dies äusserst prägnant, mit Ugg-Boots (auch der Mann!) und einer blauen Moncler-Jacke. An dieser Stelle würde ich gerne meine Meinung über Ugg-Boots bekannt geben. Also, liebe Leute, der Name ist ja bekanntlich Programm – kauft euch also keine UGG ( aka ugly aka hässlich) – Boots. Man kann seine Füsse im Winter auch anders wärmen. Dafür muss also nicht ein Stiefel geschlachtet werden, indem das Innenfutter nach aussen getragen wird. Für diese Modesünde blättert man erst noch eine Unsumme von Geld hin.

Also, weiter im Text. Keine Weihnachtsgeschenke-Shoppingtour ohne den obligatorischen Besuch beim Buchhändler des Vertrauens. Und nun tausch auch ich die Reiter – gegen die Spendierhose ein und beginne mit dem Kauf diverser Bücher. Nächster Halt: der tolle Schallplattenladen „Katalog Record Warehouse“ an der Weinbergstrasse. Mit unseren Fragen durchlöchern wir den Verkäufer: „Hender irgendöppis vo Neu! ?“- „Ehm ja, also kei Vinyl, aber e CD.“- „Ja CD isch au super! Wo denn?“ – „Ah, oh, neii, das isch eini vo Nektar woni meine“ – „Was? Nektar? Wo!?“ – „Grad det hine“. Auch diese Entdeckung werten wir als vollen Erfolg.

Rülpsen und Whiskey

Inspiriert von den 1000 Platten, verschlägt es uns in einen Heavy Metal Shop, um T-Shirts zu kaufen. Natürlich springt auch eins für mich raus. Ein T-Shirt, das mein eigentliches Wesen – ein Altrocker, der rülpst und pausenlos Whiskey-Sour trink – perfekt untermalt. Mit geschundenen Ellenbogen (ihr wisst schon, vom drängeln), stolpern wir unverhofft ins ultimative Geschenk-Paradies: Stände mit zahlreichen Geschenken für Grosseltern und Eltern, Glühwein und fröhliche Kinder – wir befinden uns mitten im Niederdorf.

Dort werden wir von einem Schaufenster aufgehalten. Ein Schaufenster in dem die ultimativen Schuhe ausgestellt werden. Diese Entdekckung beschäftigt uns gefühlte zwei Stunden. Wir überlegen uns, wie wir schnell zu 580 Franken kommen. Wir entscheiden uns gegen einen Banküberfall und gegen eine Organspende – andererseits: Wer braucht eine Lunge, wenn er die ultimativen Schuhe hat?! Zum Schluss proklamiere ich noch das Einführen eines obligatorischen Fussmasseurs in jedem Geschäft, denn so langsam schreien auch die Füsse von Team Christkind, die eigentlich erprobte Langeinkäufer sind. Also verstauen wir die Beute, widmen uns den wirklich wichtigen Dingen im Leben: Alkohol und Musik. Livemusik und richtig viel Whiskey-Sour.