Kultur | 15.12.2009

Von der Monarchie zur Demokratie

Text von Uwe Bieri
One Day Remains scheinen Senkrechtstarter zu sein. Der Tink.ch-Reporter schaute genauer hin und sprach mit ihnen über ihre Musik und bandinterne Hierarchien.
Fotos: PD

In einer Woche haben sich über 1300 Personen ihren ersten Song, den sie auf MySpace gepostet haben, angehört. Kaum richtig losgelegt, kriegen sie schon Anfragen von Konzertveranstaltern und Medien. Bei dem internationalen Band Contest von T-Mobile belegten sie den zweiten Platz. Was macht diese Band bloss richtig oder vielmehr: Was und wer sind sie? Nach oberflächlichen Berichten und Interviews in verschiedenen Gratis-Zeitungen hat nun ein Tink.ch Reporter sich mit drei Viertel von One Day Remains in ihrem Studio in Luzern getroffen. Der Schlagzeuger hatte einen Unfall gehabt und konnte nicht zum Interview erscheinen – ganz Rock’n’Roll halt.

 

Vor ein paar Monaten seid ihr im Internet geboren, auf eigenen Beinen zu stehen habt ihr ganz schnell gelernt und schreien tut ihr auch immer lauter. Wie lange gibt es euch aber jetzt tatsächlich schon in der aktuellen Besetzung?

Claudio (zupft an seiner akustischen Gitarre rum): Dieses Line-up besteht seit letztem Sommer. Ich und Sämi (Drummer) machten den Anfang an. Wir gingen beide an die Jazzschule und lernten uns dort kennen. Dann entdeckten wir Pedro (Vocals) im Internet auf einem Musikerforum. Mirco (Bass) kam später hinzu, ich kannte ihn schon länger und wussste, dass er einen coolen Charakter hat. Er legte sich dann auch mächtig ins Zeug und überzeugte und, dass er in die Band gehört. Nachdem das Line-up stand, musste auch ein Name her.

 

Wie seid ihr auf „One Day Remains“ gekommen?

Pedro: „one day remains“ ist eine Lebenseinstellung – Wir leben und spielen, als wenn es unser letzter Tag wäre. Denn wenn dir nur noch ein Tag bleibt, fokussierst du dich auf diejenigen Dinge, die im Leben wirklich wichtig sind, die zählen. Dieser Ansatz lässt sich auch in unsere Musik wiederfinden, die Melodie-Linien drängen sich an die Oberfläche – mit einer bedingungslosen Dringlichkeit.

Mirco: Wenn ein Termin ansteht, liegen wir immer sehr knapp in der Zeit und gegen Ende heisst es dann halt meistens „one day remains“ – „ein Tag bleibt uns noch“ (alle lachen).

 

Wie entstehen bei euch neue Lieder? Sind da alle im gleichen Mass beteiligt?

Pedro: Also, meine Jungs denken sich zuerst die Musik aus und ich schreibe dann den Text dazu. Ich lasse mich von der Musik inspirieren. Anhand der Assoziationen, die dabei entsthehen, verfasse ich die Lyrics.

Claudio: Genau, Sämi und ich kümmern uns um den Sound. Wenn wir uns zusammensetzen, habe ich aber meistens schon eine Melodie im Kopf, die wir dann gemeinsam weiter entwickeln, obwohl ich schlussendlich schon bestimmen möchte, in welche Richtung es gehen soll. In gewissem Sinn, bin ich ein ziemliches Ego (lacht).

Pedro: Nein, für uns ist klar, das Claudio der Boss ist (ironisch), gegen aussen hin sind wir aber eine Demokratie, also: Psst!

Mirco: Eigentlich sind wir eine Monarchie.

Claudio: Ok, früher war ich wirklich schlimm, aber wir haben uns seit Bestehen der Band kontinuierlich und stark verändert oder besser gesagt weiterentwickelt. am Anfang musste wirklich alles so sein, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber nun versuchen wir, uns gegenseitig besser zu unterstützen. Wir sind jetzt auch näher zusammengerückt und bilden eine stabile Einheit und fällen alle Entscheidungen gemeinsam und gleichberechtigt. Ich glaube wirklich, dass wir in dieser Formation – als Demokratie (lacht in Richtung Mirco) – lange bestehen können.

 

Wenn ihr eure Musik mit einer Autofahrt beschreiben müsstet, wie würde das aussehen?

Mirco: Also stell dir vor, du würdest mit einer verdammten Geschwindigkeit unterwegs sein, aber dennoch jedes Detail erkennen, jede Feinheit und Abstufung.

Claudio: Eine Fahrt durch alle vier Jahreszeiten. Es könnte die letzte Fahrt sein, bevor du stirbst.

Pedro: Wie wenn die ganze Welt still stehen würde, eingefroren wäre, und du würdest losfahren und könntest alles betrachten.

 

Zum Schluss noch ein paar entweder-oder-Fragen. Ihr habt nur eine Antwort, also könnt ihr gleich ein wenig eure Band-Demokratie trainieren.

 

Bier oder Wein?

Whisky. (lachen)

 

Marshall oder Orange?

Mesa Boogie. (lachen)

 

Quentin Tarantino oder Tim Burton?

Tarantino, ganz klar!

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