Kultur | 22.12.2009

Stiller Has in Hochform

Text von André Müller | Bilder von Diana Berdnik
Alte Hasen verlernen ihr Handwerk nicht so schnell. Oder ihr Mundwerk, im Falle von Endo Anaconda. Stiller Has brachten die Eintracht in Kirchberg SG richtig auf Touren. Die Berner begannen zwar mit 20 Minuten Verspätung, hatten aber genug Puste für zweieinhalb Stunden Mundartblues.
Keiner singt den Blues wie er: Endo Anaconda Schifer Schafer überzeugt auch mit Banjo.
Bild: Diana Berdnik

Das Konzert war eine Geographiestunde der angenehmeren Art: Gestartet wurde „a de schöne Aare, immer der Aare na“, es folgten Abstecher ins österreichische Skigebiet hinter Klagenfurt oder nach Venedig. Und schliesslich gings doch noch nach Wallisellen, obwohl die Band sich vornehmlich auf Songs aus ihren neuesten zwei Alben beschränkte. Zum „Znüni näh“ blieb denn auch keine Zeit. Reiseleiter Anaconda war jedoch in ausgezeichneter Stimmung, ruderte mit dem Mikrophonständer durch venezianische Grachten, schnitt Grimassen und sinnierte über die Freilassungen von Carli Hirschmann und Bär Finn.

Wie in Trance

Bei Berichten über den Stillen Hasen geht zu oft unter, dass die Band keine Ein-Mann-Show ist. Doch ohne Drummer Markus Fürst und Bassistin Salome Buser wäre da kein musikalisches Grundgerüst, auf dem Anaconda herumturnen könnte. Ihr präzises Spiel gefiel, ebenso wie Schifer Schafers Gitarreneinwürfe. Dieser selbst ging auch voll auf in seiner Musik: Während dem ganzen Konzert sah man ihn kaum mit offenen Augen. Die Trance befiel auch das Publikum, insbesondere bei Liedern wie „Chlyne Tod“ oder „Venedig“. Es ist diese Mischung aus Witz, Blues und der Sehnsucht nach irgendwas, was irgendwie nicht da ist, die ein Hasenkonzert so unverkennbar macht.

Im Ohr bis nach Wil

Doch auch Endo hatte mal ein Ende, zumindest an diesem Abend, was gar nicht so schlecht war. Denn die Zugabe war etwas lange geraten, nach 150 Minuten fuhr die Musik eben nicht mehr so ein wie nach einer halben Stunde. Der laute Applaus war dennoch verdient. Die Band bewies einmal mehr ihre einzigartige Stellung in der Schweizer Musikszene. Der Blues der Band und der Singsang von Anaconda verstanden sich blendend und schwirrten noch lange im Ohr, auf der kurvigen Abfahrt von Kirchberg nach Wil.

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