Gesellschaft | 14.12.2009

Schmutzli – im Schatten des Samichlauses?

Text von Lea Karrer | Bilder von Bettina Brauchli
Kalt, dunkel und anstrengend. Schmutzli hat es nicht leicht, er muss den schweren Sack tragen, aufpassen, dass das Eseli nicht wegläuft, und zudem haben die Kinder Angst vor ihm. Ein Portrait über dieses harte Leben.
Eigentlich sei er ja der Wichtigere, meint Schmutzli.
Bild: Bettina Brauchli

Heute treffe ich den Samichlaus samt ganzer Begleitung – Schmutzli und Eseli – am Weihnachtsmarkt. Es ist schon relativ dunkel und auch wahnsinnig kalt. Ich schaue den freudigen Kindern zu, wie sie um den Samichlaus herumtollen. Schmutzli steht in dieser Zeit mit dem grauen Eseli eher passiv daneben, ab und zu kommt ein Kind und streichelt das Eseli, nicht aber bevor es einen vorsichtigen Blick auf den Schmutzli geworfen hat.

 

Schmutzli als Erziehungsmethode?

Da kommt mir die Idee, Schmutzli zu fragen, wie es ihm denn gehe, als schwarz bekleideter Kapuzenmensch neben dem leuchtend roten, fröhlichen Samichlaus. Er meint, eigentlich müssten doch alle um ihn herum stehen, denn er sei der Wichtigere von beiden, da er den Sack und die Rute trage, das Eseli führe und ab und zu dem Samichlaus den Stab abnehme. Ein wenig gemein fände er es schon, wenn die Erwachsenen den Kindern Schauermärchen erzählen über Schmutzlis, die Kinder in ihren Säcken entführen oder mit der Rute kommen, wenn sie nicht brav waren. „Meistens ist das eine Erziehungsmethode, die aus Verzweiflung stattfindet. Man will die Kinder ruhig stellen, vor allem in der stressigen Adventszeit, in der die Nerven der Eltern schon sonst am Boden sind.“

 

Sprüchli, Stottern, nichts

Doch nicht alle Kinder seien so erzogen, es gäbe auch welche, die mehr Freude am Schmutzli haben als am Samichlaus, erzählt der grosse, bärtige Mann weiter. „Es gibt sowieso die unterschiedlichsten Reaktionen. Die einen Kinder sagen voller Stolz ihr Sprüchlein auf, andere bringen ’nur‘ ein aufgeregtes Stottern über die Lippen, wiederum andere haben gar keines mehr gelernt. Bei Letzteren sind wir dann ein wenig sparsamer mit den Mandarinen und Guetzli, da wir dieses Profitverhalten nicht unterstützen wollen.“

 

Bis zum nächsten Jahr!

Nun müssen sie weiter, wie mich ein etwas verzweifelter Blick des Samichlauses und der Stau in den engen Gässchen der Wiler Altstadt wissen lässt. Ein letzter, etwas empörender Satz des Schmutzlis: „Kein Wunder, gibt es so viele Rassisten in der Schweiz, die Kinder werden regelrecht erzogen durch den patriotischen rot-weissen Samichlaus und die bösen schwarzen Schäfchen mit ihren Ruten…“ Hoppla, das war wohl ein linker Schmutzli. Und ehe ich den beiden wirklich tschau sagen kann, sind sie schon um die nächste Ecke verschwunden, um ihre Jutesäcke fürs nächste Jahr wieder zu füllen.