Kultur | 07.12.2009

Rock in Omas Schlafzimmer

Am Samstag gastierte In Extremo im Solothurner Kofmehl. In der restlos ausverkauften Kulturfabrik überraschten die Mittelalter-Rocker mit einem gemächlichen, jedoch musikalisch überzeugenden Auftritt.
Ein ungewohnter Anblick: In Extremo in Leinenhosen und Smoking. Für einmal liessen sie es ruhig angehen. Fotos: Julian Perrenoud

Eine spektakuläre Bühnenshow, zum Tanzen animierender Mittelalter-Rock, vor Energie strotzende Musiker. Wer In Extremo kennt, dem sind schweisstreibende Live-Konzerte ein Begriff. Doch ganz anders trat die siebenköpfige Band aus Deutschland am vergangenen Samstag im Solothurner Kofmehl auf. Im Rahmen ihrer Akustik-Tour „Tranquilo“ zeigten sich die Mittelalter-Rocker von einer ruhigen, bislang unbekannten Seite.

Bereits vor dem ersten Ton liess die Bühnendekoration einen speziellen Auftritt erahnen. Anstelle von Verstärkern und Flutlichtanlagen weckten altertümliche Sessel, Laternen und Nachttischlampen eher Erinnerungen an Ur-Omas Schlafzimmer als an einen Platz, der gleich richtig gerockt wird. Als die Band die Bühne betrat, war auch sogleich klar, dass sich die Musiker von In Extremo zumindest äusserlich lückenlos in die nostalgische Umgebung einfügten: Smoking und Leinenhemde bedeckten die sonst meist nackten Oberkörper. Wenn auch von In Extremo bisher so nicht gesehen, die Bühnenaufmachung war in sich stimmig und vermittelte eine stilvolle Atmosphäre.

Das Kofmehl raucht wieder

In Extremo legte pünktlich los – dies obwohl ihr Schlagzeuger krankheitshalber nicht mittun konnte und im kurzfristig einspringenden „Herr Otto“ seinen Ersatz fand. Klassische Gitarren übernahmen den Part der elektrischen Gitarren. Aber auch sonst verzichteten die Berliner fast gänzlich auf elektronische Hilfsmittel. Ihre Musik war dadurch viel ruhiger als gewohnt, die ursprünglich rockigen Lieder wurden zu Balladen umgepolt. Obwohl die Lieder damit an Ausdruckskraft verloren, tat dies der musikalischen Qualität keinen Abbruch. Nicht nur die imponierende Stimme von Frontmann Michael Rhein kam gut zum tragen, auch ihre instrumentale Vielfalt konnte In Extremo voll und ganz ausspielen. Passend zum gemässigten Auftritt blieben auch die gewaltigen Pyroeinlagen auf der Strecke, die an Konzerten von In Extremo für gewöhnlich ein fester Bestandteil des Programms sind.

Für ein bisschen Rauch sorgte Michael Rhein alias „das letzte Einhorn“ dennoch: Mit Hinweis auf das im vergangenen Herbst eingeführte Rauchverbot im Kofmehl zündete er sich auf der Bühne provokativ eine Zigarette an. In Folge einer grossen Anzahl an Nachahmern im Publikum wurde die Kofmehl-Halle kurzerhand wieder zum Fumoir umfunktioniert – zumindest für den einen Abend.

Am 3. März in Zürich

Der Auftritt von In Extremo in der Solothurner Kulturfabrik war bereits seit über einem Monat ausverkauft. Dies beweist das grosse Interesse, das die Band momentan geniesst. Die Akustik-Tour sollte ursprünglich einzig im Dezember 2009 stattfinden. Aufgrund der grossen Nachfrage entschied man sich nun trotzdem für eine Fortsetzung im kommenden Frühjahr. Nicht zuletzt besuchen In Extremo dabei auch erneut die Schweiz. Am 3. März zeigen sie sich im Zürcher X-tra ein weiteres Mal von ihrer sanften Seite.