Kultur | 06.12.2009

Populäres Lauchgewächs

Zürich hat den Böögg, Basel hat die Fastnacht und Bern hat den Zibelemärit. An einem Montag im Herbst dreht sich in Bern alles um das Lauchgemüse. Ob dieses Jahr wohl wegen der Schweinegrippe weniger Zwiebeln verkauft wurden? Ein frühmorgendlicher Besuch im Ständelabyrinth.
Zwiebeln werden zu regelrechten Kunstwerken geflochten. Früh morgens herrscht auf dem Bärenplatz Ruhe vor dem Konfettisturm. Das beliebte Lauchgewächs hat diesen Morgen weniger Scharen nach Bern gezogen.
Bild: Yves Maurer/www.yvesmaurer.ch/blog

Montagmorgen, 05:10 Uhr. Der Geruch von Knoblauchbrot und Glühwein steigt mir in die Nase. Es ist der vierte Montag im November, Bern feiert Zibelemärit. Auf dem Bundes- und Waisenhausplatz sowie in Haupt- und Nebengassen der oberen Altstadt versuchen Marktfrauen und -männer, ihre Zwiebeln zu verkaufen. Sei es in der klassischen Zopfform oder zu Figuren gebastelt, alles dreht sich um das Lauchgewächs.

Als Bern brannte

Um Entstehung und Geschichte des Zibelemärits ranken sich zwei Theorien: Die eine führt auf den Stadtbrand anno 1405 zurück, bei welchem die Freiburger Bauern den Bernern beim Löschen halfen, und dafür an einem Tag im November ihr Gemüse verkaufen durften. Die andere Theorie besagt, dass es seit dem Mittelalter jeden Dienstag einen kleinen Gemüsemarkt in Bern gab, an je einem Datum im Frühling und im Herbst sogar einen grossen. Durch die Verbreitung von Lebensmittelgeschäften rentierten die Märkte immer weniger und die kleinen Gemüsemärkte verschwanden. Einer blieb jedoch bestehen: der Zibelemärit im Herbst.

Konfetti gehören dazu

Jugendliche verbinden mit dem Zibelemärit vor allem eines: Konfetti! Wer kennt sie nicht, die kleinen bunten Papierschnipsel, die für eine Ewigkeit an Haut und Haar hängen bleiben. Während sich die Anwohner über das Gekreische am Märit nerven und die Eltern danach tagelang Konfettis aus den Teppichen klopfen müssen, können sich die Jugendlichen ein Zibelemärit ohne Konfetti nicht vorstellen. „Ich gehe nach dem Zibelemärit direkt zur Schule. Wäre ich da nicht voller Konfetti, würde mir ja niemand glaube, dass ich da war“, erklärt eine junge Besucherin.

Auch ihre Freundinnen besitzen alle einen Plastiksack voller Papierschnipsel. „Wir trafen uns kurz vor Fünf beim Loeb. Das erste, was wir kauften, waren Konfetti“, sagen sie. Zum Glück stünden die Stände meistens am selben Ort, da hätten sie nicht lange suchen müssen. Der Besuch des Marktes am Morgen sei sie für schon fast eine Tradition. Der Höhepunkt des Zibelemärits sei jedoch erst um 16:00 Uhr: «Da findet jeweils die grosse Konfettischlacht statt“, lachen sie. Auf die Frage, ob sie auch Zwiebeln gekauft haben, wird ebenfalls lachend geantwortet: „Ja, den Eltern habe ich versprochen, einen Zibelezopf mitzubringen.“

Weniger Besucher kaufen weniger

Da es sich viele Besucher nicht entgehen lassen, bereits zum offiziellen Beginn um fünf Uhr anzureisen, haben die SBB, die BLS und die Berner S-Bahnen zwanzig Spezialzüge eingesetzt, um die Frühaufsteher in die Hauptstadt zu fahren. Auch die Berner Trams und Busse haben ihren Fahrplan um eine Stunde nach vorne geschoben. Was auch mir als Besucherin auffiel: das Gedränge hielt sich in der morgendlichen Frühe in Grenzen. Trotz dem trockenem Wetter und den Temperaturen, die im Vergleich zum letzten Jahr um einiges wärmer waren, gingen die Besucherzahlen zurück. Auch verkaufsmässig wurden knapp 13 Tonnen weniger Zwiebeln angeboten als 2008.

„Wir hatten im Seeland lange mit der Trockenheit zu kämpfen, deshalb haben wir dieses Jahr weniger Zwiebeln zu verkaufen“, erklärt Herr Bucher, Landwirt aus dem Berner Seeland. Der Besucherrückgang kann er sich auch nicht erklären, schliesslich sei es dieses Jahr fast neun Grad wärmer als im Vorjahr. „Die hatten wohl Angst vor der Schweinegrippe“, schmunzelt er.