Gesellschaft | 21.12.2009

Die Kälte wegwippen

Auf dem Bundesplatz war was los in den letzten Tagen. Zusammen mit der Glückskette und dem Schweizer Fernsehen sammelte Radio DRS 3 Geld für den Kampf gegen Malaria. "Jeder Rappen zählt" war das Motto der Sammelaktion, bei welcher binnen sechs Tagen über sieben Millionen Franken zusammenkamen. Eine Klasse aus Fribourg stellte spontan einen Znüni-Verkauf auf die Beine.
Eine Gymnasialklasse aus Fribourg hat den Erlös ihres Znüniverkaufs gespendet. "Jeder Rappen zählt" auf dem Bundesplatz war eine Mischung aus Spendeaktion und Openairfestival.
Bild: Michelle Stirnimann

Insgesamt wurden auf der offiziellen Homepage von „Jeder Rappen zält“ (siehe Link unten) rund 793 Aktionen aus der ganzen Schweiz gezählt. Mit dabei: das Collège Sainte-Croix in Fribourg. Eine deutschsprachige Maturaklasse verkaufte einen Tag lang in der Schule Tee und Backwaren. Anstelle von Kassen standen Spendeboxen auf den Tischen. Preise wurden keine festgelegt, alle konnten so viel zahlen wie sie wollten. „Umso mehr sind wir positiv überrascht von der Summe, die wir nun spenden dürfen“, sagt Corinne Wyssa, eine der Hauptorganisatorinnen der kurzfristig geplanten Aktion. Der gesamte Tageserlös – knapp 2140 Franken – hat die Klasse sofort der Glückskette überwiesen.

Weniger als eine Woche im Voraus hatte sie beschlossen, das Znüni zu lancieren. „Ich habe ‚Jeder Rappen zählt‘ im Radio mitverfolgt und fand es eine tolle Sache“, so Corinne Wyssa.  

Auch bei ihren Mitschülerinnen und -schüler und der Lehrerschaft kam der Znüni-Stand gut an. „Ich finde es wichtig, gerade in der Weihnachtszeit nicht nur an sich selbst zu denken. Die ganze Aktion ist in den Medien wahnsinnig präsent und durch die Glückskette für mich auch vertrauenswürdig. Deshalb bin ich bereit, heute etwas mehr für ein Znüni zu zahlen“, sagte Sigrun Stulz, während sie den ganzen Münzinhalt ihres Portemonnaies in die Spendebox leerte. Eine andere Mitschülerin im Hintergrund schmunzelte: „Das einzige, was mich an ‚Jeder Rappen zählt‘ nervt, ist der Titelsong der Aktion, der nonstop im Radio läuft. Ansonsten bin auch ich ein grosser Fan.“

Rogers Racket zum Ersten, zum Zweiten…

Aus einem Glasstudio vom Bundesplatz in Bern aus moderierten Mario Torriani, Judith Wernli und Nik Hartmann in der Woche vom 14. bis 19. Dezember während 24 Stunden am Tag live für DRS 3. Zeitweise wurde das Geschehen auch direkt im Schweizer Fernsehen übertragen. Spenden konnten bar bei der Glasbox auf dem Bundesplatz abgegeben werden oder in Form eines Musikwunsches, indem man einen freien Betrag spendete und dafür das gewünschte Lied im Radio lief. Zudem liefen verschiedene Auktionen, deren ganzer Ertrag ebenfalls der Aktion „Jeder Rappen zählt“ zugute kam. So konnte man zum Beispiel einen Platz in der Show von Kurt Aeschbacher, eine original Brille von Gilbert Gress oder das original Tennisracket von Roger Federer ersteigern.  

„Jeder Rappen zählt“ wurde mit diversen nationalen und internationalen Prominenten geschmückt, so waren etwa Bundesrat Hans-Rudolf Merz, Marathonläufer Viktor Röthlin, Mundartapper Bligg und das norwegische Popsternchen Marit Larsen in der Glasbox zu Gast. Der gesamte Erlös unterstützt Projekte der Glückskette zur Bekämpfung von Malaria. Mit den Geldern erhalten die betroffenen Länder und Menschen Moskitonetze zum Schutz vor Mücken und der Zugang zu Medikamenten für die Behandlung von Malaria wird verbessert.  

Extra aus Solothurn angereist

Je nach Tageszeit besuchten hunderte Schaulustige das Glasstudio und verfolgten mit, wie der Inhalt der Spendekasse ständig wuchs. Einige von ihnen standen über zwei Stunden in der Kälte an, um zu spenden. So auch Familie Grossen, die dafür extra aus Solothurn angereist kam, und um die einzigartige Stimmung auf dem Bundesplatz mitzuerleben. Grossens: „Da wir zu Hause oft Radio hören, wurden wir auf die Aktion aufmerksam und verfolgten sie auch am Fernseher mit. Wir unterstützen ‚Jeder Rappen zählt‘, da wir mit wenig Geld Menschenleben schützen können.“  

Andere Besucher tanzten im Schnee umher oder nickten taktvoll mit dem Kopf. Wieso das? Unhörbar für die Menschen draussen auf dem Bundesplatz, gaben Solokünstler und Bands im Glaskasten ein kurzes Konzert. Für zwanzig Franken konnte das Publikum Spezialkopfhörer mieten und mithören. Der Erlös floss in die Spendekasse. Eine Besucherin freute sich: „Ich habe bereits Geld an ‚Jeder Rappen zählt‘ gespendet, da habe ich erfahren, dass The Baseballs hier live spielen. Ich finde ihre Musik toll und durch die Miete der Kopfhörer konnte ich mir sowohl ein kurzes live Konzert anhören wie auch die Aktion nochmals unterstützen. Ich finde das klasse!“