Kultur | 15.12.2009

Der Traum vom Durchschnit

Die Verfilmung von "Lila Lila", einem Roman des Schweizer Schriftstellers Martin Suter, ist leichtfüssig und ein wenig oberflächlich. Die Geschichte erzählt von Freundschaft, Liebe, Ruhm und der Schönheit von Normalität.
David Kerns (Daniel Brühl) unperfekte Art vorzulesen gefällt dem Publikum. Er hat sich in die Geschäftswelt der Schriftsteller geflunkert. Wie kommt er da nur wieder raus? Der wahre Autor Jacky (Henry Hübchen) will auch nur ein Quantum Ruhm.
Bild: Warner Bros. Pictures: «© 2009 Warner Bros. Pictures. All rights reserved.»

„Manchmal ist Durchschnitt gar nicht so schlecht“, sagt Marie zu David Kern, als sie ein Paar Eislaufschuhe in seiner durchschnittlichen Schuhgrösse findet. Im Anschluss tanzen die beiden auf der Eisbahn den Tanz der unbeholfenen Verliebten.

Unbeholfen sind wir alle in unserem Leben, das wir doch so interessant, individuell und erfolgreich wie nur möglich gestalten wollen oder meinen zu sollen. Nun, dieser Film sagt uns: „Kehrt zurück zum Durchschnitt, der ist schön genug. Ruhm ist bloss anstrengend“.  

Der falsche Autor

Daniel Brühl kommt uns erst gegen Ende des Filmes näher. Er spielt die Rolle des unscheinbaren Kellners David Kern, der verzweifelt versucht, die Aufmerksamkeit der schönen Literaturstudentin Marie zu erlangen. Da er das Gefühl hat, zu langweilig für sie zu sein, verstrickt er sich in einer Lüge: Er gibt ihr ein Manuskript zu lesen, welches er in einem alten Nachttisch gefunden hat und von dem er nun behauptet, es selbst geschrieben zu haben. Marie ist begeistert und spielt das Manuskript sofort einem Verlag zu. So nimmt alles seinen Lauf, David wird über Nacht zum Starautor.  

Und eigentlich ist alles gut, denn er und Marie sind nun ein Paar und somit hat er sein ursprüngliches Ziel erreicht. Wenn er bloss nicht immer aus diesem Skript vorlesen müsste, welches er doch gar nicht geschrieben hat. Seine unperfekte Art daraus vorzulesen, finden die zahlreichen Besucherinnen und Besucher der ausverkauften Vorlesungen jedoch überaus charmant. Auf komödiantische Art wird hier Einblick in das Buchbusiness geboten.  

Bloss ein Stück vom Kuchen haben

Bald jedoch taucht der wahre Autor des Buches auf, Jacky. Er lässt sich so leicht nicht mehr abschütteln und alles gerät ins Wanken. Henry Hübchen hinterlässt in der Rolle des Jacky Eindruck. Er verkörpert auf beinahe beängstigende Art die Armut, die im Gegensatz zu David Kerns Ruhm steht. Jacky will, so sagt er in einer entscheidenden Szene, bloss ein Stück vom Kuchen haben. Auch Hannah Herzsprung in der Rolle der Marie leistet gute Arbeit und wirkt glaubwürdig. Während Marie in Martin Suters Roman eher schlecht wegkommt, hat sie sich doch bloss in das Buch oder den Schriftsteller verliebt, den sie sich dahinter vorstellt, wird sie im Film als moderne, engagierte Frau mit einem grossen moralischen Gewissen dargestellt.  

Hochgestapelt

Im Roman findet man weniger Angaben zu Ort und Zeit der Geschichte und er erhält auf diese Weise einen etwas surrealistischen Beigeschmack. Die Geschichte auf der Leinwand wirkt jedoch aktuell und realistisch durch Details wie Hightech-Laptops oder Nebenrollen, die die heutigen Intellektuellen verkörpern. Trotzdem scheint vieles für den bequemen Zuschauer präpariert.

Teilweise hat man sogar den Eindruck, die Verfilmung ist ähnlich wie David Kern, der vorgibt, jemand zu sein, der er nicht ist. So ist nicht recht ersichtlich, ob es Regisseur Alain Gsponer tatsächlich um die Botschaft hinter der Geschichte geht oder mehr um den Effekt. Der Film gewährt uns zwar auf ästhetische Art Einblick in die Geschäftswelt der Verleger und Autoren, aber leider wird das Ganze nur wenig hinterfragt. Der Schluss mutet dann auch kitschig an und „Lila Lila“ bleibt streckenweise zu oberflächlich.