Politik | 07.12.2009

„Attacken aus dem Ausland sind zu erwarten“

Text von Elia Blülle | Bilder von Elia Blülle
Tink.ch traf die frisch gebackene Bundespräsidentin Doris Leuthard in Aarau und unterhielt sich mit ihr über ihre neue Stellung als Erste unter Gleichen.
Hat (noch) gut lachen: Für ein Jahr trägt Doris Leuthard das Amt der Schweizer Bundespräsidentin.
Bild: Elia Blülle

Doris Leuthard, wie fühlen Sie sich, als frisch gebackene Bundesratspräsidentin?

(lacht) Eigentlich immer noch gleich wie vorher. Ich habe die Festlichkeiten in meiner Heimatgemeinde Merenschwanden (AG) genossen und freue mich auf ein intensives Präsidialjahr.

Drei Frauen an der Spitze der Schweizer Regierung. Sind sie stolz auf dieses Ergebnis?

Ja sicher, das ist ein historischer Moment. So etwas hat es in der Schweizer Geschichte noch nie gegeben. Ich verstehe mich mit Pascal Bruderer und Erika Forster ausgezeichnet. Wir hoffen, dass die Akzeptanz der Frauen in der Politik irgendwann selbstverständlich wird.

Die Schweiz und die gesamte Welt befindet sich in einer Krise. Ein hartes Jahr steht vor der Tür. Was erwartet Sie?

Ich denke, es wird noch mehr Arbeit auf mich zukommen. Punkto Arbeitslosigkeit stehen wir vor einer Aufgabe von immensem Ausmass. Außerdem müssen wir bezüglich unseres Finanzplatzes über die Bücher gehen und auch mit weiteren Attacken aus dem Ausland sind zu rechnen. Diese wichtigen Aufgaben haben Priorität und sind unbedingt zu lösen.

Apropos Ausland, als Bundespräsidentin sind Sie auch für den repräsentativen Bereich zuständig. Freuen Sie sich auf diesen Job?

Auf jeden Fall. So habe ich beispielsweise das Vergnügen an den Eröffnungsfeierlichkeiten der Winterolympiade in Vancouver teilnehmen zu dürfen oder auch an die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika zu reisen. Das sind die schönen Seiten dieses Amtes. Aber es wird auch schwierige Dossiers geben, die uns in unseren Beziehungen mit dem Ausland fordern. Das braucht nicht nur viel Planungsarbeit, sondern auch grosses Verhandlungsgeschick. Aber für unser Land mache ich das sehr gerne.

Ihr Arbeitskollege Hans-Rudolf Merz ist im vergangenen Jahr in die Kritik geraten. Was hätten Sie anders gemacht?

Ich kritisiere meine Arbeitskollegen nicht. Er hat viel Gutes getan.

Was?

Er hat immerhin das UBS Paket wieder mit grossem Gewinn verkauft und der Bund hat so mehr Geld eingenommen, als je erwartet. Für die Steuerzahler bedeutet das zusätzliche Mittel in der Bundeskasse.

Sie haben einen Wunsch zur Verfügung. Wie würde dieser aussehen?

Ich wünschte mir, dass es den Unternehmen sofort wieder so gut geht, dass wir 100’000 Arbeitslose weniger zu beklagen hätten.