Neue alte Rollenbilder

Die mütterliche Anna (Nora Tschirner) räumt Ludos (Til Schweiger) Kleider weg und putzt die Wohnung, während er im Bett liegt und von einer selbstbewussten Anna mit ausgeprägten, weiblichen Reizen träumt. So gestaltet sich der Alltag des Paares. Plötzlich begegnet Ludo einer sichtlich attraktiven alten Freundin. Bei Anna läuten die Alarmglocken. Sie fragt ihre Freundinnen um Rat und schnüffelt in Ludos Handy herum. Dieser ist alles andere als begeistert und wünscht sich mehr Freiraum und Vertrauen. Daraufhin nimmt sich auch Anna ihre Freiheiten und lädt Ralf (Ken Duken), einen alten Freund, ein, vorübergehend bei ihnen zu wohnen.

Klischees witzig verpackt
Til Schweiger packt in seinen Film, in dem er selbst eine der Hauptrollen spielt, ziemlich alle Fettnäpfchen, in die ein Pärchen treten kann. So findet Ludo Annas Männertagebuch, in dem sie alle nötigen Details gemeinsamer Nächte ihrer Verflossenen festhält, beispielsweise jene von Ralf. Ausserdem entdeckt er ihren Dildo und erwacht nach einer durchzechten Nacht als Frau verkleidet neben einem alten Mann. Anna hingegen versucht ihre Arbeit im Kindergarten pflichtbewusst zu erledigen und geniesst es, von Ralf verwöhnt zu werden. Geschlechterspezifische Klischees werden am Band auf eine sehr amüsante Art und Weise in den Szenen verpackt. Ausserdem treten immer wieder Schauspieler aus Keinohrhase auf und verleihen dem ganzen Durcheinander einen moralischen Hintergrund, der die beiden Liebenden aufrüttelt.

Warten auf Teil drei
Moritz (Mathias Schweighöfer) sucht währenddessen verzweifelt nach einer Frau und lässt sich auf diverse Abenteuer ein. Nach unzähligen Fehlschlägen besucht er die Flirtakademie und holt sich angeblich gute Anmachtipps vom Fachmann. Mit diesen gerät er in eine äusserst komische Situation, aus der er nur mit der Hilfe seines Freundes Ludo wieder heraus kommt. Am Ende findet Moritz eine Frau, die ihm entspricht. Ob Ludo und Anna jedoch mit Nachwuchs auftreten oder ob die Scheidung das Ende der Beziehung bringt, erfährt man erst im dritten Teil.

Aus den Augen, aus dem Sinn

Eine Glasbox, drei Moderatoren, sechs Tage und sieben Millionen: “Jeder Rappen zählt” war ein Erfolg und spielte mehr als nur ein paar Rappen ein. Mit diesem Geld können tausende Malarianetze beschafft werden, die viele vor der tödlichen Krankheit bewahren können. Auf Facebook wurden zahlreiche Gruppen gegründet, die für jedes Mitglied einen Rappen spenden wollten. Gegenseitiges Schulterklopfen. Für einmal zeigten sich die Schweizer von der spendablen Seite.

Fehlender politischer Wille

Für einmal. Denn sobald die Nächstenliebe der Festtage vorüber ist, kehrt Afrika wieder dorthin zurück, wo es sich schon die ganze Zeit über befunden hat: Tausende Kilometer in den Süden, weit weg von unserem Horizont. Gerade in diesem Jahr zeigten die Industriestaaten ihren Unwillen, verbindliche Ziele zur Armuts- und Hungerbekämpfung festzulegen. Der Welternährungsgipfel in Rom, welcher im November stattfand, endete ohne konkrete Resultate, dafür aber mit vielen schön klingenden Bekräftigungen, man wolle endlich etwas gegen den Hunger auf dieser Welt tun.

Die Klimakonferenz in Kopenhagen endete mit einem faulen Kompromiss, der die Staaten zu nichts verpflichtet. Die Leidtragenden dieses Unwillens sind die Länder, die es sich nicht leisten können, milliardenteure Schutzdämme gegen den steigenden Meeresspiegel zu errichten, deren Landwirtschaft am stärksten vom erwarteten Temperaturanstieg getroffen wird. Es sind vor allem die afrikanischen Staaten.

Das heisst nicht, dass die Aktion auf dem Bundesplatz nichts gebracht hat. Die Schweizerinnen und Schweizer wissen heute sicher besser über die Malaria und ihre Auswirkungen Bescheid als noch vor zwei Wochen. Trotzdem darf sich Entwicklungshilfe nicht nur auf die Weihnachtszeit beschränken. Doch dafür braucht es ein anderes Afrikabild in unserem Land.

Veraltetes Afrikabild

Viele sehen in unserem südlichen Nachbarkontinent noch immer eine Region, die von unserem Mitleid und unseren Almosen abhängig ist, die wir ihnen in gönnerhafter Manier zukommen lassen. Kaum jemand sieht in den afrikanischen Staaten gleichberechtigte Partner, deren Förderung die Weltwirtschaft stärkt und die politische Lage stabilisiert. Die Probleme mit Hunger, Armut und sozialer Zerrissenheit sind nicht zuletzt auf westlichem Mist gewachsen. Während der Kolonialherrschaft wurden dem Kontinent eine neue Religion, Monokulturen und – in den 60er Jahren – schliesslich auch willkürliche Grenzen aufgedrängt, welche die Entwicklung langfristig beeinflussten. Im Kalten Krieg verwandelten sich viele Länder in Schlachtfelder, als Ost und West ihre Günstlinge mit Waffen überfluteten: Angola, Moçambique und Somalia wurden so zugrunde gerichtet.

Wichtige Partner

Doch unsere Unterstützung sollte nicht auf Schuldgefühlen und Mitleid beruhen, sondern auf dem Willen, auch die Menschen in Afrika als gleichberechtigte Partner zu behandeln, was auch uns zugute kommt. Das fängt bei den Schutzzöllen für unsere Landwirtschaft an, die endlich gesenkt werden müssen. Entwicklungshilfe wird immer dort schwierig umzusetzen, wenn sie eigenen nationalen Interessen im Wege steht. Dennoch lohnt sie sich auch für die Schweiz. Sie fördert das Wirtschaftswachstum auf der Welt, sie eröffnet neue Märkte und sie verringert die Zahl der Asylsuchenden hierzulande. Und im besten Fall führt sie dazu, dass in einigen Jahren keine Moderatoren mehr in Glasboxen gesteckt werden müssen, um für Malarianetze zu sammeln.

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Stiller Has in Hochform

Das Konzert war eine Geographiestunde der angenehmeren Art: Gestartet wurde “a de schöne Aare, immer der Aare na”, es folgten Abstecher ins österreichische Skigebiet hinter Klagenfurt oder nach Venedig. Und schliesslich gings doch noch nach Wallisellen, obwohl die Band sich vornehmlich auf Songs aus ihren neuesten zwei Alben beschränkte. Zum “Znüni näh” blieb denn auch keine Zeit. Reiseleiter Anaconda war jedoch in ausgezeichneter Stimmung, ruderte mit dem Mikrophonständer durch venezianische Grachten, schnitt Grimassen und sinnierte über die Freilassungen von Carli Hirschmann und Bär Finn.

Wie in Trance

Bei Berichten über den Stillen Hasen geht zu oft unter, dass die Band keine Ein-Mann-Show ist. Doch ohne Drummer Markus Fürst und Bassistin Salome Buser wäre da kein musikalisches Grundgerüst, auf dem Anaconda herumturnen könnte. Ihr präzises Spiel gefiel, ebenso wie Schifer Schafers Gitarreneinwürfe. Dieser selbst ging auch voll auf in seiner Musik: Während dem ganzen Konzert sah man ihn kaum mit offenen Augen. Die Trance befiel auch das Publikum, insbesondere bei Liedern wie “Chlyne Tod” oder “Venedig”. Es ist diese Mischung aus Witz, Blues und der Sehnsucht nach irgendwas, was irgendwie nicht da ist, die ein Hasenkonzert so unverkennbar macht.

Im Ohr bis nach Wil

Doch auch Endo hatte mal ein Ende, zumindest an diesem Abend, was gar nicht so schlecht war. Denn die Zugabe war etwas lange geraten, nach 150 Minuten fuhr die Musik eben nicht mehr so ein wie nach einer halben Stunde. Der laute Applaus war dennoch verdient. Die Band bewies einmal mehr ihre einzigartige Stellung in der Schweizer Musikszene. Der Blues der Band und der Singsang von Anaconda verstanden sich blendend und schwirrten noch lange im Ohr, auf der kurvigen Abfahrt von Kirchberg nach Wil.

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Die Kälte wegwippen

Insgesamt wurden auf der offiziellen Homepage von “Jeder Rappen zält” (siehe Link unten) rund 793 Aktionen aus der ganzen Schweiz gezählt. Mit dabei: das Collège Sainte-Croix in Fribourg. Eine deutschsprachige Maturaklasse verkaufte einen Tag lang in der Schule Tee und Backwaren. Anstelle von Kassen standen Spendeboxen auf den Tischen. Preise wurden keine festgelegt, alle konnten so viel zahlen wie sie wollten. “Umso mehr sind wir positiv überrascht von der Summe, die wir nun spenden dürfen”, sagt Corinne Wyssa, eine der Hauptorganisatorinnen der kurzfristig geplanten Aktion. Der gesamte Tageserlös – knapp 2140 Franken – hat die Klasse sofort der Glückskette überwiesen.

Weniger als eine Woche im Voraus hatte sie beschlossen, das Znüni zu lancieren. “Ich habe ‘Jeder Rappen zählt’ im Radio mitverfolgt und fand es eine tolle Sache”, so Corinne Wyssa.  

Auch bei ihren Mitschülerinnen und -schüler und der Lehrerschaft kam der Znüni-Stand gut an. “Ich finde es wichtig, gerade in der Weihnachtszeit nicht nur an sich selbst zu denken. Die ganze Aktion ist in den Medien wahnsinnig präsent und durch die Glückskette für mich auch vertrauenswürdig. Deshalb bin ich bereit, heute etwas mehr für ein Znüni zu zahlen”, sagte Sigrun Stulz, während sie den ganzen Münzinhalt ihres Portemonnaies in die Spendebox leerte. Eine andere Mitschülerin im Hintergrund schmunzelte: “Das einzige, was mich an ‘Jeder Rappen zählt’ nervt, ist der Titelsong der Aktion, der nonstop im Radio läuft. Ansonsten bin auch ich ein grosser Fan.”

Rogers Racket zum Ersten, zum Zweiten…

Aus einem Glasstudio vom Bundesplatz in Bern aus moderierten Mario Torriani, Judith Wernli und Nik Hartmann in der Woche vom 14. bis 19. Dezember während 24 Stunden am Tag live für DRS 3. Zeitweise wurde das Geschehen auch direkt im Schweizer Fernsehen übertragen. Spenden konnten bar bei der Glasbox auf dem Bundesplatz abgegeben werden oder in Form eines Musikwunsches, indem man einen freien Betrag spendete und dafür das gewünschte Lied im Radio lief. Zudem liefen verschiedene Auktionen, deren ganzer Ertrag ebenfalls der Aktion “Jeder Rappen zählt” zugute kam. So konnte man zum Beispiel einen Platz in der Show von Kurt Aeschbacher, eine original Brille von Gilbert Gress oder das original Tennisracket von Roger Federer ersteigern.  

“Jeder Rappen zählt” wurde mit diversen nationalen und internationalen Prominenten geschmückt, so waren etwa Bundesrat Hans-Rudolf Merz, Marathonläufer Viktor Röthlin, Mundartapper Bligg und das norwegische Popsternchen Marit Larsen in der Glasbox zu Gast. Der gesamte Erlös unterstützt Projekte der Glückskette zur Bekämpfung von Malaria. Mit den Geldern erhalten die betroffenen Länder und Menschen Moskitonetze zum Schutz vor Mücken und der Zugang zu Medikamenten für die Behandlung von Malaria wird verbessert.  

Extra aus Solothurn angereist

Je nach Tageszeit besuchten hunderte Schaulustige das Glasstudio und verfolgten mit, wie der Inhalt der Spendekasse ständig wuchs. Einige von ihnen standen über zwei Stunden in der Kälte an, um zu spenden. So auch Familie Grossen, die dafür extra aus Solothurn angereist kam, und um die einzigartige Stimmung auf dem Bundesplatz mitzuerleben. Grossens: “Da wir zu Hause oft Radio hören, wurden wir auf die Aktion aufmerksam und verfolgten sie auch am Fernseher mit. Wir unterstützen ‘Jeder Rappen zählt’, da wir mit wenig Geld Menschenleben schützen können.”  

Andere Besucher tanzten im Schnee umher oder nickten taktvoll mit dem Kopf. Wieso das? Unhörbar für die Menschen draussen auf dem Bundesplatz, gaben Solokünstler und Bands im Glaskasten ein kurzes Konzert. Für zwanzig Franken konnte das Publikum Spezialkopfhörer mieten und mithören. Der Erlös floss in die Spendekasse. Eine Besucherin freute sich: “Ich habe bereits Geld an ‘Jeder Rappen zählt’ gespendet, da habe ich erfahren, dass The Baseballs hier live spielen. Ich finde ihre Musik toll und durch die Miete der Kopfhörer konnte ich mir sowohl ein kurzes live Konzert anhören wie auch die Aktion nochmals unterstützen. Ich finde das klasse!”

Auf den Menschenverstand vertrauen

Eine Kerze brennt auf dem Lehrerpult, die Fenster des Klassenzimmers sind mit gebastelten Sternen und Engeln dekoriert und die Klasse lauscht so konzentriert wie sonst nur selten der Stimme des Lehrers, welcher eine Weihnachtsgeschichte vorliest. Die Weihnachtszeit gehört für viele Kinder zur schönsten Zeit des Jahres.

In letzter Zeit gerieten aber religiöse Elemente im Unterricht in den Brennpunkt der Diskussion über den Glauben. Die Meinungen zum Thema könnten unterschiedlicher nicht sein: Die Juso fordert eine komplett religionsfreie Schule. Man diskutiert über Probleme in multikonfessionellen Schulklassen und konservative Kreise wünschen gar, das Christentum wieder zu stärken.

 

Mehr Religion in der Schule?

Konservative Christen wittern seit der Annahme des Bauverbots für Minarette Morgenluft. Sie stellen die Schweiz unter dem Label “christlich-abendländisch” als Land dar, in dem das Christentum eine zentrale Rolle einnimmt. Diese Anschauung ignoriert nicht nur, dass die Landeskirchen an Bedeutung verlieren. Sie blendet auch den langen Kampf aus, welcher in Europa geführt werden musste, um der Kirche die Macht zu entreissen und moderne politische Systeme und Wissenschaft im heutigen Sinne zu ermöglichen. Es befremdet deshalb, dass der christliche Glaube gerade in der Schweiz gestärkt werden soll, wo mit wachsender Bildung die Kluft zwischen Wissenschaft und Glaube besonders deutlich hervortritt.

 

Oder weniger?

Die Religion ganz aus der Schule verbannen will dagegen die Juso. Auf den ersten Blick ein einleuchtender Ansatz: dadurch würde nicht zuletzt die Bevorzugung des Christentums vor anderen Religionen wegfallen. Man könnte so einem grossen Teil der Debatte um Diskriminierung ausweichen. Bei näherem Hinschauen zeigen sich aber viele Probleme: Wo liegt die Grenze zwischen Religionen und Parareligionen? Gilt das Religionsverbot auch für Elemente älterer nordischer Religionen, wie Zwerge, Elfen und Trolle? Konsequent alle Religionen aus dem Unterricht auszuschliessen, dürfte in der Praxis schwieriger sein als es sich die Juso vorstellt. Sie hat beim Begriff Religion offenbar nur gerade die Weltreligionen im Blick. Märchenbücher nach religiösen Inhalten zu durchforsten und auszusortieren käme einer regelrechten Zensur gleich.

 

Pragmatik statt Ideologie

Mit der Verbots-Kultur der vergangenen Jahre scheint sich die Haltung verbreitet zu haben, auch auf Religion könne mit simplen Verboten Einfluss genommen werden. Dass dies schwierig ist, lehrt uns die Geschichte – selbst in einem totalitären System wie in der Sowjetunion konnte der Glaube nicht langfristig zurückgedrängt werden.

 

Es ist also nicht wünschenswert, die Religion in der Schule zu stärken. Gleichzeitig ist es in der Praxis nicht umsetzbar, jegliche Religion aus der Schule zu verbannen. Da bleibt einem nach dem Scheitern der Ideologie nur noch eines: Pragmatismus – also Vertrauen auf den gesunden Menschenverstand statt wuchernde Vorschriften.

Dabei ist es aber wichtig, die Lehrerinnen und Lehrer nicht mit der Entscheidung über Religion im Unterricht alleine zu lassen und sie als Puffer zwischen verschiedenen religiösen und nicht-religiösen Ansprüchen aufzureiben. Es müssen in erster Linie nach Möglichkeiten gesucht werden, wie an Schulen das Verbindende zwischen den verschiedenen Standpunkten aufgezeigt werden kann. Denn dass Kinder Weihnachten sowieso auch in die Schule tragen, leuchtet ein. Schliesslich ist es ein Fest, das in grossen Teilen der Bevölkerung und in den Medien viel Raum einnimmt. Gerade zwischen Islam und Christentum sollte das eigentlich keine allzu grossen Schwierigkeiten bereiten: Engel sind im Koran und in der Bibel in etwa die selben Figuren, und Jesus ist auch für Muslime ein Prophet.

 

Gemeinsamkeiten suchen

Es geht nicht darum, eine Multikulti-Gesellschaft zu verherrlichen, in welcher sich alle bei der Hand nehmen und zusammen ein grosses Fest feiern. Tatsache ist aber: In unserer Gesellschaft gibt es verschiedene religiöse und nicht-religiöse Standpunkte. Menschen, welche verschiedene Ansichten vertreten, kommen zwangsläufig miteinander in Kontakt und müssen einen Weg finden, miteinander klarzukommen. Da hilft weder ein Minarettverbot noch eine absolute Trennung von Schule und Religion, wo Konflikte verdrängt werden anstatt sie zu diskutieren. Je früher Kinder lernen, Konflikte zu diskutieren, umso besser. Gerade ein Fest wie Weihnachten, welches fast die ganze Gesellschaft beschäftigt, kann als Einladung zur Begegnung und zur Suche nach Gemeinsamkeiten dienen, anstatt als Konfliktzone. Nicht zuletzt die Kinder selber hätten davon am meisten.

Kriech aus deinem Loch…

Die 34. Schweizer Jugendfilmtage bieten Jugendlichen bis 25 Jahren die Gelegenheit, ihr filmisches Können einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Noch bis zum 31. Dezember 2009 können Filme eingereicht werden.

Die Vergangenheit hat es gezeigt: Die Jugendfilmtage sind das Festival, wo aus Filmtalenten die Schweizer Regie-Stars von morgen hervorgehen: Bettina Oberli (Die Herbstzeitlosen, Tannöd) und Shootingstar Christoph Schaub (Giulias Verschwinden) gehören zu den ehemaligen Preisträgern.


Goldiges für die Vitrine

Doch nicht nur Ruhm und Ehre gibt es an den Schweizer Jugendfilmtagen zu gewinnen: In fünf verschiedenen Kategorien werden insgesamt Preise im Wert von mehr als CHF 10’000.- vergeben. Allen fünf Siegern der jeweiligen Kategorien winkt der prestigeträchtige Springende Panther, den sie sich nach dem Festival mit Stolz in die Vitrine stellen dürfen.

Alle Jugendlichen, die heimlich von einer Regiekarriere träumen, ihr Talent bisher aber nur auf der heimischen Mattscheide aufblitzen liessen: Die Abgabefrist für euer verborgenes Meisterwerk ist der 31. Dezember 2009.

Als mögliche Inspiration dient der Jugendfilmtage-Teaser von Tobias Kubli.

Das Anmeldeformular, Infos und Teilnahmebedingungen unter www.jugendfilmtage.ch.

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Wir wohnen alle oberhalb einer Dönerbude

Am vergangenen Dienstag spielte Expatriate im Mascotte ein begeisterndes Konzert. Die in unseren Gefilden eher unbekannten vier Australier lieferten  eingehende Texte und packende Refrains. Zuvor traf Tink.ch den Schlagzeuger Chris Kollias und den Bassisten Dave Molland zum Interview. Die beiden Wahlberliner zeigten, dass sie ihren australischen Charme auch in der eisig-kalten Schweiz nicht so schnell verlieren.

Wie stark spürt ihr den Unterschied zwischen dem Touren in Australien, wo ihr bereits eine grosse Fanbase habt, und dem im für euch weniger erschlossenem Europa?

Chris Kollias: Es ist ein enormer Unterschied. Allein die Geografie, in Australien hatten wir nicht jeden Abend einen Auftritt, weil die Distanzen zwischen den Destinationen so gross sind, dass wir fast immer mit dem Flugzeug hinfliegen mussten, was immer eine gewissen Zeit in Anspruch nimmt. Hier in Europa sind wir nahezu jeden Abend am Spielen, da die Städte so nah beieinander liegen. Die verschiedenen Kulturen in Europa sind auch faszinierend und wir erleben sie bei den Auftritten immer wieder aufs neue. Das macht das Ganze erst richtig interessant.

Gibt es ein Land in Europa, das euch besonders gut gefällt um aufzutreten?

Dave Molland: In Frankreich hatten wir bisher die besten Erfahrungen gesammelt. Unsere Musik wurde super aufgenommen und es entstand eine tolle Verbindung zwischen uns und dem Publikum. Aber wer weiss, wir haben ja noch nie in Zürich gespielt, vielleicht werden wir uns heute noch für Zürich umentscheiden. (lacht)

Habt ihr schon mal in der Schweiz gespielt?

Chris: Ja, wir haben am Festival “Moon and Stars” gespielt, das war aber das einzige Mal.

Dave: Ich war neben dem Festival noch wegen einer Werbeveranstaltung in der Schweiz, danach gingen wir in ein australisches Restaurant und ich ass zum ersten mal Krokodil und Känguruh – und das in der Schweiz. (lacht)

Wieso nennt ihr euch Expatriate (Auswanderer)?

Chris: Ben suchte nach einem Bandnamen, der seine Erlebnisse am besten verkörpert. Da er als Kind immer zwischen Indonesien und Australien hin und her pendelte, sprich sich immer zwischen zwei Kulturen befand, schien ihm der Name passend. Da in meinen Adern griechisches Blut fliesst und ich auch immer zwischen der griechischen Kultur, die mir meine Eltern mit auf den Weg gaben, und der australischen stand, kann ich mich gut mit dem Namen identifizieren.

Nun lebt ihr seit 2008 alle in Berlin und seid echte “Expatriates”, wie geht ihr damit um?

Chris: Lange war es nur unser Bandname und nun leben wir ihn wirklich. Es ist sehr interessant und etwas Neues, Spannendes. Wir kamen gerade aus dem heissen Australien in den bitterkalten Winter Berlins – ein ziemlicher Schock. Auch die Kulturen sind verschieden, wir mussten uns zuerst dran gewöhnen, aber jetzt fühlen wir uns schon wie Zuhause. Das ganze Jahr in Berlin war einfach fantastisch, wir haben soviel Neues kennengelernt und konnten uns als Band weiterentwickeln. Wir wohnen alle gemeinsam in einer grossen Wohnung oberhalb einer Dönerbude, das ist sehr praktisch (lacht).

Habt ihr es je bereut, nach Berlin zu ziehen?

Dave: Nein, man sollte nie etwas bereuen, wenn man sich entschieden hat, muss man es auch durchziehen. Bei uns hat es auch super geklappt und als wir vor die Wahl gestellt wurden, entweder in Australien zu bleiben oder raus in die grosse weite Welt, war schnell klar, für was wir uns entscheiden werden.

Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Chris: Das war in Sydney, jeder von uns spielte in verschiedenen Bands und versuchte sich als Musiker durchs Leben zu bringen. Die Musikszene in Sydney war zu dieser Zeit noch nicht so weit und es war schwer, gute Auftritte zu bekommen. Ben und ich spielten zusammen in einer Band und ich hatte eine WG mit Damian. Ben wollte einige Songs aufnehmen und Damian hatte ein Studio zur Verfügung und so fügte sich alles zusammen. Wir brauchten jedoch noch einen Bassspieler. Wir veranstalteten also einen kleinen Wettbewerb in unserem Studio und als Dave reinkam und anfing zu spielen waren wir begeistert. So entstand “Expatriate”.

In Seattle habt ihr euer erstes Album “In the mist of this” aufgenommen, wo schon Grössen wie Nirvana gearbeitet haben, wie war das für euch?

Dave: Das war eine tolle Erfahrung. Wir dachten jedesmal wenn wir das Studio betraten: “Wow, hier spielten schon Nirvana und die Foo Fighters”. Echt beeindruckend. Zudem war das Studio in einer bilderbuchartigen Umgebung, die sehr inspirierend war. Wir wohnten zudem oberhalb des Studios und konnten uns voll und ganz auf das Aufnehmen des Albums konzentrieren.

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“Wieso nicht einfach eine Housewife sein?”

Sieben Gigs innerhalb von sechs Tagen. Wie überlebt ihr diesen Stress?

Muriel Rhyner: Nach sechs Tagen und sieben Gigs ist man schon sehr kaputt. Wir haben auch recht Party gemacht, da spürt man die Folgen natürlich. Aber das ist ja auch genau das, was wir wollen. Und für uns sind diese Tage fast schon wie Ferien.

Wie überbrückt ihr das Warten, also den stressfreien Teil der Tour?

Das besteht grösstenteils aus Reisen und Ausschlafen, da wir auch lange durch die Nacht feiern.

Ihr spielt auf dieser Tour in einer ganz neuen Formation. Ihr habt nun zwei Männer in der Band, wart früher noch drei Frauen. Wie ist es dazu gekommen?

Es hat sich einfach so ergeben. Unsere Band gibt es nun seit fünf Jahren und wir haben gemerkt, dass wir das Spielen und die Band wirklich wollen. Wir mussten uns nun unsere Leute suche. Es ist nicht einfach, Leute zu finden, die in die Band hineinpassen. Mit meinem Bruder zum Beispiel haben wir seit März eine geeignete Person gefunden. Und bis jetzt fühlen sich die Jungs recht wohl bei uns.

Nebst den Delilahs habt ihr noch diverse Nebenprojekte, wie die Single zu dem Projekt “Jeder Rappen zählt” oder eure Radiosendung auf Virus. Wollt ihr euch nicht zuerst auf die Delilahs als Band konzentrieren?

Das ganze Leben dreht sich um die Band! Auch die Virus Sendung, das macht ja auch Sinn. Perfekt wäre es natürlich, wenn sich unser ganzes Arbeiten auf die Band und die Musik auswirken könnte.

Bands, die als Vorband auftreten, haben oft den undankbaren Part eines Konzerts, Seht ihr das auch so?

Ich finde es einen recht dankbaren Job. Es gibt nichts Geileres als zum Beispiel mit einer Band wie The Bosshoss aufzutreten. Wir haben die Gelegenheit vor vielen Leuten zu spielen. In der Schweiz sind wir sonst ja immer alleine unterwegs und spielen als Hauptact. In Deutschland ist das schwierig, da sind wir schon froh, als Vorband zu spielen. Und die Reaktionen waren bis jetzt zum Glück auch meistens sehr gut.

Ein Song von euch heisst “I wanna be a housewife”. Wie passt dieser Titel zu einer Rockband? 

Wir arbeiten ja nebst der Musik. Die meisten Leute um uns herum studieren. Heutzutage wird erwartet, dass man bis 35 Jahren studiert und sich ausbildet. Wieso kann man nicht einfach auch eine Housewife sein?

Habt ihr euch auf der Bühne schon einmal völlig hilflos gefühlt?

Natürlich gibt es das. Auf der Bühne geschieht dies einfach. Es ist extrem schwierig, aber du darfst es dir einfach nicht anmerken lassen. Auf der Bühne bist du hilflos und ausgeliefert. Du stehst da und das Publikum erlebt deine Show. Du darfst es nicht ernst nehmen, wenn ein Fehler passiert. The Show must go on!

Verlosung


Tink.ch verlost drei Fan-Pakete mit CD’s, Autogrammkarten, Shirts und mehr von den Delilahs und The Bosshoss. Wer sich eines dieser Pakete ergattern will, schreibt eine Mail an laura.kissling(at)tink.ch. Gewünschte Grösse und Anschrift nicht vergessen. Die Shirts sind je einmal in den Grössen S (Girl), M (Boy) und XL (Boy) erhältlich.

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Geschichtsunterricht vor dem Fernseher

Neben mir brummt ein Ventilator sein monoton einschläferndes Lied, vor mir auf dem Tisch steht ein Pappbecher voll mit Wassermelonensaft und dahinter ein Flachbildfernsehgerät mit einem Durchmesser von gut einem Meter. Eine breit lächelnde Nachrichtensprecherin liest die News vor, dazu eindrückliche Bilder des Taifuns, der vor drei Wochen viele Teile Taiwans zerstört hat. Links und rechts im Bildschirm laufen unzählige Werbeanzeigen durchs Bild und lenken einen vom wesentlichen Inhalt der Nachrichtensendung ab, was aber nur halb so schlimm ist, da diese meistens über das gleiche Thema berichtet. Wenn nicht gerade ein Taifun in Taiwan für Gesprächsstoff sorgt, dann ist es der China-Taiwan-Konflikt, der in Taiwan immer wieder aufs neue analysiert, diskutiert und debattiert wird. Dies scheint bei der jüngeren Generation zu einem grossen Desinteresse am politischen Geschehen geführt zu haben.

Crash-Kurs in Geschichte

Nachdem meine Gastschwester von den Nachrichten auf irgendeine überdramatisierte Seifen-Oper umgeschaltet hat, frage ich meine Gastmutter nach den Einzelheiten der heutigen Nachrichten und bekomme als Antwort einen Crash-Kurs in Taiwanesischer Geschichte, die ich jetzt geschwind in einer Kurzfassung hier wiedergeben möchte: Shan Kai Shek flüchtet vor Mao nach Taiwan und errichtet dort seine Diktatur des “wahren China”. Natürlich demokratisch. In Wahrheit kann man allerdings erst seit circa 25 Jahren von einer Demokratie in Taiwan sprechen.

Mit Shan Kai Shek flohen auch unzählige Festlandchinesen nach Taiwan und machten es der einheimischen Bevölkerung nicht gerade leicht. So kommt es, dass die heutigen Parteien in Taiwan einerseits aus den National-Taiwanesen bestehen, die ein eigenständiges Taiwan mit eigener Sprache (Taiwanesisch anstelle von Chinesisch) und Kultur haben wollen. Auf der anderen Seite gibt es die Partei, die einst Shan Kai Shek gegründet hat, die darauf beharrt, das wahre China zu sein. Weder die eine noch die andere Partei ist allerdings bestrebt, Teil der Volksrepublik China zu werden, was jedoch ein Herzenswunsch des grossen Nachbarn wäre.

Sicht eines Europäers

Fest steht, dass trotz der Konflikte die wirtschaftlichen Beziehungen inzwischen so eng verwoben sind, dass der eine nicht ohne den anderen sein kann und möchte. So ist es meiner Meinung nach nicht wichtig, danach zu fragen, wohin Taiwan gehört, sondern ob man miteinander reden und Handel betreiben kann, denn das wird zu Zeiten der Globalisierung der entscheidendere Gesichtspunkt sein.

Da ich aber nicht nach Taiwan gekommen bin, um den Taiwanesen zu erklären, was sie tun oder lassen sollten (solche Westler gibt es hier leider mehr, als genug), behalte ich meine Meinung für mich. Der Ventilator brummt links neben mir und in meinem Kopf brummt die taiwanesische Geschichte. Jetzt, nachdem ich einen Teil kenne, habe ich noch viel mehr Fragen als zuvor. Aber halb so wild, wir wissen ja, was morgen in den Nachrichten kommt: Taifun und Taiwan-China-Konflikt.

Infos zum ICYE


Der ICYE (Internationaler Jugend- und Kulturaustausch) bietet Sozialeinsätze in über 30 Ländern auf der ganzen Welt an. Mehr Informationen auf www.icye.ch.

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