Gesellschaft | 09.11.2009

Weihnächtlicher Konsumzwang

Text von Seraina Manser | Bilder von Julian Stiefel
Die Adventskalender, Schokokläuse oder Weihnachtskugeln, die schon anfangs November in den Schaufenstern prangen, erinnern uns unaufhörlich an das baldige Fest der Liebe. Anstatt die besinnliche Adventszeit zu geniessen, stehen viele unter Stress, die passenden Präsente zu finden!
So selig ist sie selten, die Weihnachtszeit.
Bild: Julian Stiefel

Alle Weihnachtskaschmirpullover zum halben Preis? Verwöhnen Sie Ihren Liebsten mit einem neuen, edlen Seidenpyjama? Bei uns finden Sie alles, was Kinderherzen höher schlagen lässt, ob ferngesteuerter, knallroter Ferrari für den artigen Sohnemann oder Barbie-Prinzessinnenschloss inklusive Whirlpool aus hochwertigem Material (sprich: Plastik) für das Töchterchen!

Die Werbeslogans, um kauffreudige Kunden in die Warenhäuser, Boutiquen und Spielzeugläden zu locken, sind vor Weihnachten so zahlreich wie die abertausend, glitzernden Lichter, die in der Metzgergasse bis hin zur Spisergasse über den Passanten schweben. Eigentlich sollten diese Leuchtsterne Weihnachtsstimmung in die hektische Kauflust – oder den hektischen Kauffrust – bringen.

Aber macht es wirklich Freude, im Dezember Unmengen von Geschenken anzuhäufen, um die Liebsten, Familie, Freunde, Verwandte, Nachbarn und sogar Pöstler oder Milchmann zu beschenken, ganz abgesehen von dem damit verbundenem  ICH-MUSS-DAS-PASSENDE-GESCHENK-
FINDEN-UND-ZWAR-NOCH-VOR-
WEIHNACHTEN-Stress? 

Ein junges Problem

Noch zu Zeiten unserer Grosseltern war es das Hoch der Gefühle, wenn man unter dem Tannenbaum nicht nur ein Paar gestrickte Socken, sondern dazu auch noch eine Tafel Schokolade und vielleicht einen Fünfliber fand. Es war üblich, bereits im Oktober oder im November mit dem Basteln von Weihnachtsgeschenken zu beginnen.

Der Vater verschwand oft abends in der Werkstatt, aus der man dann dumpfes Hämmern und seltsam quietschendes Sägen vernehmen konnte. So fanden dann die schön frisierten und festlich gekleideten, freudig erregten Kinderlein unter dem mit Äpfeln behängten Tannenbäumchen Geschenke, die mit viel Liebe und Herzblut in zahlreichen Arbeitsstunden hergestellt wurden. Präsente, die wirklich passten und erst noch Unikate waren.

Und heute?

Man ist versucht, jeden noch so flüchtigen Bekannten mit Geschenken zu beglücken, obwohl man oft gar nicht weiss, was jener denn am liebsten hätte. So verbringt man zahlreiche Stunden auf der Suche nach dem perfekten Geschenk. Stunden, während denen man gemütlich vor dem Cheminée dösen oder einen romantischen Sparziergang durch das hoffentlich verschneite Quartier machen könnte.

Noch am letzten Tag vor Weihnachten kann man gestresste, mit allerlei Taschen bepackte Gestalten ausmachen, die von Geschäft zu Geschäft hetzen, unter dem Druck noch das passende Geschenk für den Coucousin oder den Primarschulfreund zu finden.

Es geht auch anders

Hier ein paar Lösungsvorschläge: sich für jede Person eine kreative Aufmerksamkeit überlegen, sie muss ja nicht unbedingt von materiellem Wert sein, denn eine Einladung zu einem Tanzstück oder einem Musical im Theater kann einen ebenso (wenn nicht sogar noch mehr) freuen, als langweilige H&M Ohrringe, die man niemals tragen wird.

Von Vorteil ist es, wirklich nur diese Personen zu beschenken, die einem wichtig sind und deren Seele es auch wirklich verdient, von einem so schönen Geschenk wie deinem erquickt zu werden.

Streiche also alle Personen von der Geschenkliste, die nicht wirklich ein Geschenk nötig haben und mache dich an das kreative Austüfteln der restlichen (wenigen), dafür umso passenderen Geschenken.

So bekommt auch jeder etwas, an dem er Freunde hat, und nicht ein pinkfarbenes Barbieschloss aus Plastik, dem noch vor Neujahr sein Balkon inklusive Whirlpool abbricht und das schon Ende Januar der Müllabfuhr übergeben werden muss.