Gesellschaft | 23.11.2009

Requiescat in pace, Asterix

Text von Claudio Herger | Bilder von Tink.ch
Asterix ist dieses Jahr 50 geworden. Ein halbes Jahrhundert lateinische Flüche, wache Anspielungen und ein Festmahl zum Schluss. Asterix und Obelix prägten so manche Kindheit. Als Texter Goscinny verstarb, verschwand aber auch der rote Faden der Geschichten um die Gallier. Eine Hommage und ein Streifzug durch die Comiclandschaft.
Im neusten Asterix-Band tauchen Ausserirdische auf.
Bild: Tink.ch

Asterix und Obelix. Diese beiden Namen rufen Erinnerungen hervor, wie ich als kleiner Junge zum Geburtstag ein Asterix-Heft geschenkt bekam und voller Freude darin zu lesen begann. Meist war dann alles um mich herum egal, die Welt der Gallier fesselte mich zu sehr. Und heute, da stehe ich am Kiosk und kaufe den 34. Band. Eine Hommage zum 50. Geburtstag, welchen der längst zum französischen Kulturgut erhobene Gallier dieses Jahr feiert.

 

Sorgfältige Zeichnungen

Irgendwie will nicht so recht Festlaune aufkommen. Mit den Asterix-Abenteuern verbinde ich seit Kindertagen unterhaltsame Geschichten, gespickt mit Anspielungen auf geschichtliche Ereignisse, mit lateinischen Ausdrücken, Flüchen und historischen Städtenamen sowie die französische Lebenskultur, mit viel Liebe zum Detail umgesetzt.

 

Leider fehlen jene Elemente fast gänzlich im letzten Asterix-Band, der vor vier Jahren erschien. Mit Schrecken muss ich feststellen, dass der Plot nicht mehr an früher anschliessen kann. Wobei Albert Uderzos Bilder wie immer von top Qualität sind. Der 82-jährige Zeichner bringt einem die Freude näher, die er beim Zeichnen verspürt.

 

Aber wo bleibt der Spannungsbogen, der einen Asterix-Band von der ersten bis zur letzten Seite umhüllt? Der einen durch die Geschichte treibt und es einem schwer macht, den Comic vor dem abschliessenden Festmahl wegzulegen? Und wo sind die so amüsanten, manchmal unauffälligen Pointen geblieben?

 

Schöpfer Uderzo und Goscinny

Bei vielen Comicliebhabern macht sich seit 1977 eine Unruhe breit: Damals verstarb der geniale Texter René Goscinny, die zweite Hälfte hinter den Asterix-Comics. Gemeinsam hatten Goscinny und Uderzo Asterix aus der Taufe gehoben. Das Zusammenspiel war perfekt: Goscinny sorgte für die Geschichten und Textelemente, während Uderzo die Zeichnungen anfertigte.

 

Angefangen zu Texten hatte Goscinny für Morris, Zeichner der Lucky Luke-Comics. Morris stand nach dem Ableben von Goscinny vor dem gleichen Problem wie Uderzo; ihm fehlte der Texter. Morris schaffte es aber, anders als Uderzo, mit jungen Schreibern das Werk weiterzufahren. Albert Uderzo hingegen, führt das gemeinsame Erbe alleine fort. Ohne einen neuen Schreiber an seiner Seite, produziert er die neusten Werke alleine.

 

Spannungsbogen ging verloren

Im Band „Der grosse Graben“ macht sich das Fehlen von Goscinny noch nicht in vollem Ausmass bemerkbar. In „Gallien in Gefahr“ blutet aber schon manchem Asterix-Fan das Herz. Von der Erzählung her sind nämlich die neusten Bände nicht mehr mit den Anfangsarbeiten vergleichbar. Die bekannten Elemente werden zeichnerisch aneinander gereiht, ein roter Faden ist schwer zu finden, und der Spannungsbogen ist gar nicht mehr vorhanden. Dafür gibt es Ausserirdische und andere Kreaturen, welche wahrscheinlich ein neues, jüngeres Publikum ansprechen sollen.

 

So verwundert es nicht, dass der neuste Band keine eigentliche Geschichte mehr enthält, sondern eine Jubiläumsausgabe ist. Uderzo wird wohl erkannt haben, dass er kein Meister des Erzählens ist und reiht deshalb mehrere Kurzgeschichten aneinander, verknüpft mit dem Titel des Bandes. „Asterix und Obelix feiern Geburtstag“ beinhaltet zahlreiche Anspielungen auf die heutige Zeit, welche auch bei einem Jubiläumsband irgendwann übertrieben wirken. Die Hommage an Franquin, den Schöpfer von Marsupilami und Bürotrottel Gaston, ist noch lieb gemeint, aber mit Graffiti, Vergnügungsparks und PopArt sind es doch zu viele Verweise.

 

Was wirklich zählt

Vielleicht hätte Uderzo Asterix mit einem Teil seiner Schöpfer zu Grabe tragen sollen, so wie es Charles M. Schulz mit seinen „Peanuts“ gemacht hat. Nach neusten Meldungen wird aber genau das Gegenteil passieren. Uderzo hat seine Anteile am Verlag unter Protest von Goscinnys Tochter, einer weiteren Teilhaberin, an einen französischen Verlag verkauft. Dieser darf, auch nach Uderzos Tod, weitere Asterix-Bänder produzieren.

 

So lege ich den neusten Asterix nach der Hälfte zur Seite und begebe mich in den Keller. In einer Kiste mit Kindheitserinnerungen finde ich die alten Comics. Beim Lesen entdecke ich wider Erwarten neue Details. Das ist es, was ich wirklich von Asterix und Obelix erwarte.