Politik | 15.11.2009

Nur die Spitze des Eisbergs

Text von Luiza Tschirky | Bilder von Matthias Rüby
Immer mehr Jugendliche in der Schweiz sind arbeitslos. Unter den Teilnehmenden der Jugendsession gibt es auch betroffene Jugendliche. Die meisten sind unzufrieden mit dem, was die Politik bisher gegen die Jugendarbeitslosigkeit unternommen hat.
Christoph Kläger (20) sieht seine einzige Chance in der Zweitlehre, die er nächsten Sommer beginnt.
Bild: Matthias Rüby

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 5.3% der Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren sind arbeitslos. Zwischen Juni und Juli ist die Zahl um 14.4% gestiegen. Aber das ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Denn man geht davon aus, dass nur jeder zweite Jugendliche, der arbeitslos ist, auch als solcher gemeldet ist. Viele werden von den Eltern unterstützt und brauchen sich daher nicht als arbeitslos zu melden. Aber auch die offizielle Zahl signalisiert, dass unbedingt etwas unternommen werden muss.

Vor allem Lehrabgänger betroffen

An der Jugendsession haben sich zwei Gruppen intensiv mit dem Thema Jugend und Krise befasst und nach Lösungsansätzen gesucht. Die Politik ist sich der schwierigen Wirtschaftslage bewusst und versucht deshalb, mit Konjunkturpaketen die Auswirkungen abzuschwächen. In diesen Konjunkturpaketen gehen die Jugendlichen nicht vergessen, auch ihnen wurde Geld zur Unterstützung zugesprochen.  

Die aktuelle Krise betrifft vor allem junge Leute, die bereits die Ausbildung abgeschlossen haben. Hochschulabsolventen und ehemalige Lehrlinge können zwar Berufserfahrung vorweisen, aber erfahrene Stellensuchende werden ihnen zurzeit vorgezogen. Der Bundesrat verdoppelt die Praktikumsplätze beim Bund und setzt sich damit auch aktiv für die Jugendlichen ein. Wobei es durchaus Stimmen gegen Praktika gibt. Kritiker befürchten, es könnte eine „Generation Praktikum“ entstehen, wie sie zum Beispiel bereits Deutschland kennt. Zudem gehöre schlechte Bezahlung und Betreuung noch immer zum Alltag vieler Praktikantinnen und Praktikanten.

Krise im Lehrbetrieb

Christoph Kläger aus dem Kanton Aarau ist Teilnehmer der Jugendsession und selbst von der Krise betroffen. Der 20-jährige findet, politisch hätte mehr unternommen werden müssen. „Das Parlament und der Bundesrat haben die Unternehmen zwar aufgerufen, mehr Praktikumsplätze zu schaffen, wirklich viel wurde aber nicht unternommen.“ Christoph gehört zu genau jener Gruppe, die nach Abschluss der Lehre nicht mehr weiter im Betrieb beschäftigt wird.

Noch im letzten halben Jahr seiner Lehre war die schwierige Lage des Betriebs zu spüren. „Wir haben in der Firma bemerkt, dass die Aufträge drastisch zurückgingen, teils wurden Aufträge von Firmen auch zurückgezogen. Die Geschäftsleitung beschloss dann im Februar Kurzarbeit einzuführen, was dann auch zu Entlassungen geführt hat.“

Finanzielle Anreize und Praktikumsplätze

Für sich sieht Christoph keine Möglichkeit mehr, als Kleingerätemonteur im Bereich Elektronik und Montage weiterzuarbeiten. Deswegen wird er nächsten Sommer eine zweite Lehre beginnen. Er kennt viele ehemalige Lehrlinge, die auf einem ähnlichen Beruf gearbeitet haben, die noch immer ohne neue Stelle sind.

In der Gruppe, in der Christoph mitgearbeitet hat, war Brigit Wyss, Nationalrätin der Grünen als Politikerin zur Diskussion eingeladen. Sie ist der Meinung, dass die Petition, die die Gruppe ausgearbeitet hat, am richtigen Punkt ansetzt. Die Jugendlichen fordern darin, finanzielle Anreize für Firmen zu schaffen, damit sie ihre Lehrlinge länger im Betrieb behalten. Zudem sollen mehr Praktikumsplätze geschaffen werden. Christoph ist zufrieden mit dem Entscheid seiner Gruppe und denkt durchaus, dass sich damit etwas für die Lehrabgänger verändern wird.