Kultur | 02.11.2009

Nathan und seine Kinder

Text von Sebastian Burri | Bilder von beltz.de
Jerusalem zwischen zwei Kreuzzügen: Der Jude Nathan hat erkannt, dass keine der drei grossen Religionen die wahre ist. Mit dieser Einstellung gewinnt er mächtige Freunde, aber auch Feinde. Das Jugendbuch von Mirjam Pressler ist weniger konstruiert als das Original und erzählperspektivisch spannend.
Bild: beltz.de

Kaufmann Nathan ist auf einer Handelsreise, als in seinem Haus ein Feuer ausbricht. Alle können aus dem Haus fliehen, ausser Recha, seiner Tochter. Doch plötzlich taucht der Tempelritter Curd von Stauffen auf und rettet Recha aus den Flammen. Nathan will ihn unbedingt kennen lernen. Doch Curd ist misstrauisch, schliesslich ist Nathan ein Jude und er Christ. Es entsteht jedoch eine Freundschaft zwischen den beiden. Auch verlieben sich Curd und Recha.

Alles könnte glücklich enden, wenn nicht Sultan Saladin, der für seinen aufwändigen Lebensstil dringend Geld braucht, nach Nathan schickt. Er hat jedoch Skrupel, das Geld einfach zu nehmen, deshalb will er Nathan in eine Falle locken und fragt ihn nach der besten Religion. Nathan antwortet klug und listig mit der Ringparabel: Religionen sind wie wunderschöne Ringe, von denen man nicht sagen kann, welches der schönste, der echte Ring ist.

Mittlerweile ist der Sultan überzeugt, dass es sich bei Curd um einen Neffen handelt. Er erhält alle Privilegien eines Familienmitglieds der Herrscherfamilie. Als sein Freund wird Nathan erneut an den Hof Saladins geladen, wo er aber nicht nur Freunde hat. Auch der Patriarch von Jerusalem hat inzwischen von Nathans Einstellung zur Religion gehört und sieht in ihm eine Bedrohung. Auf dem Heimweg wird Nathan ermordet.

Weniger konstruiert als das Original

Dank der Einführung neuer Charakteren, beispielsweise Geschem, einem Angestellten Nathans und der abgeänderten Erzählung (die Geschichte ist nicht mit dem zweiten Besuch bei Saladin zu Ende) wirkt „Nathan und seine Kinder“ weniger konstruiert als „Nathan der Weise“, die Botschaft bleibt jedoch erhalten. Das Buch kann auch einfach als Roman gelesen werden, ich würde es dennoch erst ab 14 Jahren empfehlen, da das Verständnis der Ringparabel eine wichtige Voraussetzung zum Verständnis der Erzählung bildet.

Auch der ständige Wechsel der Erzählperspektiven wirkt erst verwirrend, bringt jedoch mehr Spannung in die Handlung, da der Leser und die Leserin die Gedanken der verschiedenen Akteure kennen lernt.


Mirjam Pressler, Nathan und seine Kinder. Beltz & Gelberg 2009. Ab 14 Jahren.

Links

  • Diese Buchkritik erschien erstmals bei Leporello , dem Kulturmagazin für Kinder und Jugendliche.