Politik | 16.11.2009

Korruption, Neutralität und Lügen

Es war die 21. Jugendsession, die am 14. November im Regierungsgebäude stattfand. 75 St.Galler Jugendliche beschäftigten sich mit Themen wie Jugendgewalt oder politische Bildung. Gemeinsam mit Xenia Artho führte ich eine Gruppe in die Welt der Medien ein.
Durchblick bewahren im Blätterwald!
Bild: pixelio.de/tommyS © Siepmann-gbr.de

Chemieunfall

„Glaubst du, was in diesem Artikel steht?“, fragte ich die Teilnehmenden zu Beginn des Medienworkshops. Es ging um die Berichterstattung von einem Chemieunfall an der Kanti St. Gallen. „Ja, der Bericht erschien im St. Galler Tagblatt und die Fakten klingen sachlich, seriös und logisch.“ An diesem Beispiel versuchten wir den Jugendlichen zu zeigen, dass man immer kritisch bleiben muss, wenn man sich mit Medien aller Art auseinandersetzt. Denn der Text enthielt kleine Fehler, die man erkennt, wenn man dabei war. Der angeblich verletzte Lehrer war eine Assistentin und die Unterrichtsvorbereitungen waren Putzarbeiten. Man kann es dem Autor nicht übel nehmen, denn es sind keine fatalen Lügen und er hat es bestimmt nicht erfunden. Doch man fragt sich dann, was am Inhalt wirklich noch wahr ist. Es gibt ein enormes Interpretationsspektrum, welches der kritische Leser einschränken muss.

Bundesrat Merz tritt zurück!

Dann ging es ans Ausprobieren. Nicht nur der Empfänger kann sich seine Meinung selber bilden und die Nachrichten dementsprechend interpretieren, sondern auch der Reporter. Also interviewten sich die Teilnehmer gegenseitig und versuchten die Schlagzeile „Merz tritt zurück!“ einmal als Befürworter und das zweite Mal als Ablehner zu erörtern. Entstanden sind gegensätzliche Hörbeispiele, die zeigen, wie Reporter und Interviewte ihre Meinung anderen aufdrängen können. Die Besucher waren sich einig, dass sie am liebsten neutrale und sachliche Berichte hören, sehen oder lesen. Also wurde das gleich auch ausprobiert und sie stellten fest, dass es nicht so einfach ist, die eigene Meinung wegzulassen.

Eigene Schwerpunkte setzen

Nicht nur im Radio, sondern auch in schriftlichen Medien erfährt der Leser nur das, was ihm angeboten wird. Informationen können auch absichtlich weggelassen werden. Entweder, um die Leserschaft zu manipulieren oder Beteiligte zu schützen. Manchmal auch einfach aus Platzgründen oder eigenen Interessen. Um dies selbst zu erfahren, schrieben die Teilnehmenden mit einer Medienmitteilung als Vorlage einen kurzen Bericht. Der anschliessende Vergleich der Texte zeigte klar, dass jeder seine eigenen Schwerpunkte setzte, je nach dem, was ihn wichtig dünkte. Trotzdem war keine der Zusammenfassungen besser oder schlechter.

Französischunterricht wird abgeschafft!

Zu dieser Schlagzeile schrieben zwei Mädchen ihre eigene Ansichten. Verschiedene Fakten wurden aufgelistet, Pro und Contra aufgezeigt und ein Fazit gezogen. Auch solche Stellungnahmen haben Platz in den Medien, man sollte sie dann aber als solche deklarieren und in der richtigen Sparte unterbringen. Anschliessend entstand eine Diskussion über die Wechselwirkung zwischen Politik und Medien, Pressefreiheit und Berlusconi. Ein Teilnehmer versuchte noch, über den Bundesrat Maurer zu sprechen, ohne etwas auszusagen und doch keine Pause zu machen. So verhalten sich nämlich viele Politiker, um zu Verhindern, dass ihre Sätze von den Radiomachern geschnitten werden können.

Nachdem wir diese Aspekte der Medien im Zusammenhang mit Politik gemeinsam angeschaut hatten, entliessen Xenia und ich die Teilnehmenden zum Mittagessen. Wir selbst machten uns auf die Jagd nach spannenden Gesprächen und erstellten kurze Beiträge für kantipark.ch. Das Programm ging weiter mit verschiedenen Diskussionen zu aktuellen Themen und wir machten uns auf den Heimweg.

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