Kultur | 23.11.2009

Intimes Konzert im Herzen von Bern

Text von Eva Hirschi | Bilder von marcozappa.ch
Der Tessiner Musiker Marco Zappa nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise der Begegnungen. Seine Lieder erzählen Geschichten aus der ganzen Welt. Zum Beispiel, wie man einen Grappa richtig trinkt oder wie sich ein einstiger Hippieort verändert hat. Zappa und seine Partnerin Renata Stavrakakis spielten vergangene Woche im kleinen Rahmen in Bern.
Das Künstlerpaar harmoniert perfekt und füllt den Raum mit Gefühlen. Marco Zappa im einstigen Hippieort Matala, den die Globalisierung erreicht hat.
Bild: marcozappa.ch

Eine kleine Kunstgalerie mitten in Bern. Auf einem grossen Teppich stehen an die 30 rote Holzstühle. Vorne zwei Scheinwerfer, zwei Barhocker und ein paar Instrumente. Die Leute sitzen, plaudern und bestaunen die Gemälde an den Wänden. Gegen neun Uhr treten Marco Zappa und seine Frau Renata Stavrakakis in die Kellergalerie ein, „Buonasera!“. Zappa nimmt sich eine Gitarre und stellt gleich klar: „Es fangt no nid a, i muess zersch no stimme“.  

Marco Zappa sieht man seine Herkunft und seine Leidenschaft an. Der Tessiner Musiker trägt die langen Haare im Nacken zusammen gebunden, eine runde Brille, ein Halstuch und eine Lederjacke. Er wurde 1949 in Locarno geboren und beschäftigte sich schon früh mit der Musik. Angefangen mit der Mundharmonika, reicht sein heutiges Können von Gitarre über Flöte, Mandola, Tsouras und Bouzouki weit hinaus. Er hat bereits über 25 Alben produziert. Seit 2004 musiziert er auch zusammen mit seiner Partnerin Renata Stavrakakis . 

„Ich bin Renatas Orchester, sie meines“

Heute präsentiert das Duo Ausschnitte aus der neusten CD „Ritratti. 1949-2009“. Ritratti (italienisch: Porträt) lautet auch das Thema des Abends. Vor jedem Stück erzählt Marco Zappa die Geschichte dazu. Es sind Geschichten aus der ganzen Welt. Dann greift er zur Gitarre, spielt und singt, Renata Stavrakakis begleitet ihn auf der Flöte, auf Percussionsinstrumenten, mit der Gitarre oder singend. Die beiden harmonieren perfekt. Zu zweit schaffen sie es, den Raum mit Musik, Liebe, Sehnsucht und Gefühlen zu füllen, dabei brauchen sie weder Mikrofone noch Verstärker. „Ich bin Renatas Orchester, sie meines“, sagt Zappa. Sie liesse ausserdem viele Kulturen in seine Musik einfliessen, Zürich, Kreta, das Tessin.  

So erzählt Zappa vom einstigen Hippieort Matala in Griechenland. Er fragt ganz unvermittelt, ob nicht irgendwo noch ein alter Hippie im Publikum sitze. Tatsächlich meldet sich einer – beziehungsweise seine Frau, die auf ihn zeigt. Auch das Musikerduo war schon dort. Sie sassen am Strand in einer Bar und sprachen mit einer älteren Griechin, welche das Gespräch jedoch ständig unterbrach, um „Hello, Ice cream? Coca Cola?“ zu rufen. Es stellte sich heraus, dass einstige Hippies Matala mit ihren Kindern besuchten, um ihnen zu zeigen, wie sie hier mal gelebt hatten. Die Kinder waren daran jedoch nicht sonderlich interessiert und die Griechin nutzte die aufkommende Globalisierung aus. Beim Refrain singt das Publikum begeistert mit.  

Schlückchen für Schlückchen geniessen

Und warum schrieb Marco Zappa ein Lied über Grappa ? Die Geschichte geht so: Zappa hatte dem bekannten Liedermacher Tinu Heiniger vor einiger Zeit einmal den Berner Geiger Budi Lehmann „gestohlen“, um mit ihm einige Konzerte zu spielen, worauf Tinu Heiniger ein paar Jahre lang sauer war auf Marco. Dieser Budi Lehmann – wie viele Deutschschweizer – trank Schnaps immer auf einen Schluck, selbst den italienischen Grappa, den Zappa einmal ins Studio mitgebrachte. Das konnte Zappa nicht mit ansehen und so schrieb er ihm ein Lied, in dem er erklärt, dass man Grappa Schlückchen für Schlückchen geniessen muss.  

Für das Lied „Io voglio vivere“ liess sich Zappa vom chilenischen Schriftsteller und Dichter Pablo Neruda inspirieren. Der mehrsprachige Song soll die Menschen ansprechen, bei denen immer alles gleich ist: „Sie haben immer die gleiche Arbeit, immer das gleiche Auto, immer die gleichen Kleider, sogar immer die gleiche Frau!“ Das Lied zeugt von Lebenskraft und Freude. Man merkt, dass Zappa viel erlebt hat, aber noch lange nicht müde ist.  

Fast auf die Füsse getreten

Mittlerweilen ist es fünf Minuten vor Zehn. Marco fragt das Publikum: „Wir sollten eine Stunde lang spielen – wie viel Zeit haben wir noch?“ Das Publikum schummelt: „Zehn Minuten. Mindestens!“. Man könnte ihnen stundenlang zuhören.  

Marco Zappa und Renata Stavrakakis stehen auf und machen einen Schritt nach vorne, wobei sie der vordersten Reihe fast auf die Füsse treten, so nahe durfte das Publikum den Künstlern sein. Sie verbeugen sich, der Applaus will kein Ende nehmen. Auch Zappa bedauert, dass es schon vorbei ist: „Ich hätte noch so viele schöne Lieder zum Vorspielen«.  

Bevor die Rotweinflasche und kleine, selbstgemachte Leckerein herumgegeben werden, räumen die Zuschauer noch ihre Stühle weg.

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