Kultur | 30.11.2009

„In dieser Millisekunde passiert die ganze Geschichte“

Text von Diana Berdnik | Bilder von Gabriel Signer
Der Sänger von Plüsch ist derzeit auf einer erfolgreichen Solotournee. Auch neben der Bühne weiss Ritschi viel zu erzählen: Nach seinem Konzert in der Eintracht in Kirchberg SG verrät er Tink.ch, wie seine Songtexte entstehen.
"Meine Familie will nichts mehr zu Weihnachten, weil ich immer so schlechte Geschenke vergab!" Gesungen hat Ritschi auch noch in der Eintracht.
Bild: Gabriel Signer

Viele deiner Lieder sind mit Herzschmerz verbunden. Wie kommst du auf die Idee, solche Texte zu schreiben?

Ritschi: Ich habe einfach viele Freunde und Kollegen, die ich beobachte. Ich selbst bin seit 13 Jahren mit meiner Frau zusammen, vor einem Jahr haben wir geheiratet. Wenn du 30 minus 13 rechnest, erhältst du 17. Mit 17 hat man ja noch nicht so viel erlebt, vielleicht das eine oder andere „Schuelschätzi“ gehabt. Was ich singe, ist also das, was ich beobachtet habe und gut nachvollziehen kann. Aber wirklich selber erlebt habe ich das wenigste.

In dem Fall hast du auch die Frau im Zug vis à  vis aus deinem Lied nie selber gekannt?

Es ist nicht so, dass ich mich gerade in sie verliebt habe und mein ganzes Leben aufgegeben hätte für sie. Aber die Idee ist mir selbst gekommen. Vielleicht sassest du auch einmal im Bus uns sahst im Bus nebenan einen Typen, der dir gefällt. In dieser Millisekunde, in der du diesen Typ siehst, passiert eigentlich die ganze Geschichte. Es geht nicht darum, dass ich die ganze Geschichte wirklich erlebt habe, aber bestimmt kennt jeder die Situation, wenn der Bus dann abfährt und man den Typen dann nie mehr sieht. Das ist eben die Problematik in diesem Song. Die Geschichte im Lied basiert auf einer Idee, die ich erlebt habe.

Erklär bitte das Zweideutige an „probier mi doch mal us“!

Also wenn du das Gefühl hast, dass das zweideutig ist, musst du mir das erklären! (lacht) Nein, wenn du mein CD-Cover anschaust, dann bin ich einmal mit Milch, einmal mit Schokolade, einmal mit Sirup und einmal mit Honig übergossen. Es stehen eben nicht alle auf dasselbe, darum habe ich mich mit verschiedenen Dingen übergossen, um mich quasi anzubieten. Aber die Idee hinter dieser Tat ist natürlich, dass die Leute meine Musik ausprobieren sollen. Weil sie bis jetzt sieben Jahre Plüsch kannten und das entweder gut oder schlecht fanden. Das ging vor allem jene an, die sich das Album zuerst einmal anhören sollen, bevor sie zu „pfuttern“ beginnen.

Gibt es in Zukunft mehr Ritschi oder Plüsch?

Also momentan gibt es nur mich. Nächstes Jahr gibt es ein Musical, bei dem ich mitsinge. Es heisst „Die Patienten“ und tourt durch die ganze Schweiz. Dazu gibt es noch ein paar Ritschi-Shows nächstes Jahr und was danach kommt, weiss ich noch nicht.

Du bist sehr geschwätzig, kann man dich auch einmal ruhig erleben?

Ja, also wenn es so weitergeht, bin ich zwangsläufig ruhig, weil meine Stimmbänder dann endgültig am Arsch sind. Aber ich bin ein sehr ruhiger Mensch in der Freizeit. Ich habe einfach meinen Job und der fordert, dass ich extrovertiert bin. Das bin ich auch privat, aber nie auf diese Art und Weise wie ich es jetzt bin.

Du gehst während dem Konzert auf die Kinder im Publikum ein, magst du Kinder?

Ja, langsam bin ich auch in einem Alter, in dem man sich überlegt, selber welche zu haben. Ich mache das aber nicht. Ich freue mich ab denen im Publikum.

Was verschenkst du zu Weihnachten?

Ich schenke grundsätzlich nichts zu Weihnachten. Ausser meinem Göttibub, dem habe ich bereits Knete gekauft und ein Wallholz, damit er selber güätzele kann zu Weihnachten. (lacht) Ich werde ihm noch etwas mehr schenken zum Spielen, aber für mehr reicht das Geld nicht. (lacht) Nein, ich habe eigentlich alles, was ich brauche. Meine Freunde und ich haben abgemacht, dass wir uns nichts zu Weihnachten schenken. Wir beschenken uns lieber unterm Jahr einmal oder gar nicht. Aber meistens gehen wir fort und machen uns einen schönen Tag. Meine Frau bekommt kein Geschenk, sie hat ja das Geschenk mit mir und meine Familie will nichts mehr, weil ich immer so schlechte Geschenke vergab. Es ist einfach so, dass man irgendwann nicht mehr weiss, was schenken. Darum haben wir abgemacht, dass wir uns nichts mehr schenken, dafür gemeinsam Znacht essen gehen. Aber die Kleinsten in der Familie bekommen natürlich schon etwas. Also ich! (lacht)

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