Politik | 16.11.2009

„Ich weiss jetzt, was Schweizer Politik heisst“

Der St. Galler Sekundarschüler Severin Pfeffer fand den Weg zur Jugendsession durch die Schule. Und erlebte, wie die Jugendsession die Recherchearbeit für einen Schulvortrag interessant machen kann. Tink.ch schaute ihm beim Plenum über die Schulter.
Fotos: Raphael Hünerfauth Severin Pfeffer im Plenum.

Es gibt viele Wege an die Eidgenössische Jugendsession. Eine Schularbeit, genauer ein Vortrag über die schweizerische Politik war der Grund, wieso Severin Pfeffer drei Tage in Bern verbrachte.

Severin Pfeffer, der zurzeit die dritte Sekundarstufe in St. Gallen besucht, befasste sich in der Arbeitsgruppe „Neue Medien“ zwei Tage lang mit den Problemen, die neue Medienformen wie Facebook, Gratiszeitungen und Internet verursachen können. Im Raum stand die Frage, wie der Bund Internetsucht bekämpfen kann, und wie die „Medienkompetenz“ der Bevölkerung gesteigert werden kann.

Das Highlight der dreitägigen Session ist stets das Plenum am Sonntag. Weil es im Nationalratssaal stattfindet, und weil der oder die eine zum ersten Mal vor über 200 Jugendlichen Stellung beziehen kann. Gerüchteweise wurden die „Neuen“ an der Jugendsession davor gewarnt, dass die hitzigen Diskussionen im Plenum gegen den Nachmittag den Nationalratssaal auf 25 Grad Celsius erwärmen.

Severin ist müde, er hatte, wie Dutzende andere, eine kurze Nacht. Am Samstagabend wurde im Gaskessel der Politstar gewählt, danach noch bis spät gefeiert. Nach zwei Tagen Diskutieren und Debattieren ist es dann doch eine Frage der Zumutbarkeit, ob gerade die Nachtruhe auf den Sonntag bereits um 6.30 Uhr ihr Ende haben soll.

In einer kurzen Zwischenpause meint Severin, er kenne den Nationalratssaal bereits, jedoch sei es ein tolles Gefühl, ihn mit debattierenden Jugendlichen besetzt zu sehen. Severin gibt im Plenum keine Statements ab, er verfolgte jedoch aufmerksam die Diskussion. Auf dem Traktandum steht unter anderem die Forderung nach mehr finanzieller Unterstützung für Kultur durch den Bund, um alternative Kunst wie Poetryslam oder junge Sprayerkunst zu fördern.

Ein Jungparlamentarier erntet Buhrufe, als er das Anti-Minarett-Plakat in die Luft hält. Auch Severin regt sich auf: „Er hätte es nicht machen sollen. Einige Politiker denken nicht, bevor sie etwas tun.“

Der alljährliche Besuch des Bundesamtes für Gesundheit heizt den Nationalratssaal weiter auf, kurzerhand verwandelt es den Saal in einen Fitnessraum. Die Jugendlichen werden zu waghalsigen Turn- und Tanzübungen animiert. Das Jugendparlament, das davor teils müde, teils gelangweilt debattierte, wird zu einem choreographischen Trupp. „Wecken wir den Bundesrat auf!“, meint Severin, als er gerade eine Pirouette dreht und in die Hände klatscht. Nach diesem Bewegungstraktandum kommen weitere Resultate der Arbeitsgruppen zur Abstimmung, die Wachheit ist bald verflogen.

„Ich glaube, ich weiss jetzt, was schweizerische Politik heisst: Vorschläge ausarbeiten, Vorschläge ausdiskutieren, streiten, dann abstimmen und sich dann freuen oder genervt sein“, meint er am Schluss. Auf die Frage, ob er die schweizerische Politik nun verstehe und für Schulvortrag vorbereitet sei, lacht er nur und ergänzt: „Ich denke aber, dass ich nächstes Jahr wieder kommen werde.“