Kultur | 23.11.2009

Grüne Pfeile im Discolicht

An einem Filmfestival geht es nicht nur um Filme, sondern auch um Bier, Favoritenrollen und schlaue Besucher, die eigentlich Freunde der Filmschaffenden sind.
Der Siegerfilm "Nid hei cho".
Bild: Upcoming Film Makers Alles im grünen Bereich? Jonas Vollmer

Der schlaue Besucher holte sich das Bier an der Bar oben, weil es bei der Bar unten viel teurer war. Der schlaue Besucher war meist auch ein Fan, den ein Filmemacher aufgeboten hatte, um den Publikumspreis abzusahnen. So liefen Freunde, Eltern und auch ein paar unverwandte oder –bekannte Filmbegeisterte in den mit vielen grünen Pfeilen ausgestatteten Gängen umher. Die Pfeile, Tink.ch hatte 90 gezählt, wiesen in unbestimmte Richtungen. Es war das Logo des bereits zum achten Mal durchgeführten Festivals und sollte auch ein wenig die aufstrebenden Chancen eines Preisträgers markieren. So hatten heute schon bekannte Regisseure wie Michael Steiner («Mein Name ist Eugen»), Reto Caffi («Auf der Strecke») oder Ivan Engler («Cargo») ihre ersten Filme da eingereicht.

Mythische Preisvergabe

Nachdem alle Wettbewerbsblöcke, vier an der Zahl, den Zuschauern in den beiden Kinosälen vorgeführt worden waren, wartete man die Preisverleihung ab. Die dreiköpfige Jury, bestehend aus der Vorjahres-Gewinnerin Claudia Röthlin, dem Dokumentarfilmer Werner Schweizer und dem NZZ-Journalist Martin Walder, hatte schon länger entscheiden. Auch ein wenig nach den mythischen Regeln der Festivalpreise: Ein Film, der einmal einen Preis geholt hat, ist für das nächste Festival in der Favoritenrolle schon vorgerückt. Darum mag es auch nicht erstaunen, dass der Hauptpreis an den Dokumentarfilm «Nid hei cho«, ein Abschlussfilm der Hochschule Luzern, ging. Erst gerade hatte dessen Regisseurin Thaïs Odermatt den mit 18’000 Euro dotierten Babelsberger Medienpreis 2009 entgegen nehmen können. An diesem Abend strahlte sie mit dem Check von 1-˜500 Franken und einem MacBook wie bei ihrem ersten Preis. Der zweite Preis ging an Ivana Lalović mit ihrem Kurz-Drama «Zahn um Zahn» und der dritte heimste Eric Andrea mit einem Midlife-Crisis-Shorty namens «After now» ein. Neben dem Luzerner Nachwuchsfilmpreis wurden auch noch weitere Spezialpreise unter anderem für die beste dokumentarische Beobachtung oder die beste Schauspielführung verliehen.

Filmrissfreie Feier?

Der Organisator Philippe Renner schien sichtlich erleichtert, als die Preisverleihung vorüber war. „Viel zstier das Ganze“, sagte er zwischen zwei Schluck Bier. Zu unsüffig schienen die Wortwitze der Moderatorinnen, zu trocken die Begründungen der Jury. Im Publikum vereinten sich derweil Gewinner und Verlierer zu einer Tanzmasse. Eine, die beim Bier, vorzüglich beim Günstigeren, über Kameratechnik, -einstellungen und –fahrten redete. Und am nächsten Morgen hoffentlich keinen Filmriss zu beklagen hatte.