Gesellschaft | 23.11.2009

„Geld ist in der Schweiz eigentlich nie ein Problem“

Text von Luzia Tschirky | Bilder von Luzia Tschirky
Der St.Galler Jugendprojektwettbewerb (JPW) stellt seit fünf Jahren die Ideen der Jugend einem breiteren Publikum vor. Mitgründer Richi Küttel sprach über Ziel und Inhalt des JPW.
"Der Wettbewerb ist auch dafür gedacht, laufende Projekte anzuspornen."
Bild: Luzia Tschirky

Für den JPW können sich grundsätzlich alle Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren anmelden, die bereits ein Projekt durchgeführt oder noch eines in Planung haben. Richi erklärt im Büro des Vereins Verstärker, dass die Ursprünge des Wettbewerbs eigentlich im Vorarlberg in Österreich liegen.

Drei Länder, ein Wettbewerb

Nachdem man die Idee eines Jugendprojektwettbewerbs nach St.Gallen mitgenommen hatte, machte man mit dem Fürstentum Liechtenstein und dem Vorarlberg gemeinsame Sache und führte in jahrelanger Arbeit einen Grenzen überschreitenden Wettbewerb ein. Diese Zusammenarbeit funktioniert gut, auch wenn auf der anderen Seite des Rheins eine Mentalität herrscht.  Im Vorarlberg wird mit begleitender Jugendarbeit gearbeitet, während St. Gallen offene Jugendarbeit betreibt. Wie der Name schon vermuten lässt, sind die Jugendprojekte in Österreich begleitet, das heisst die Jugendlichen werden während der meisten Zeit von einer Person betreut und bekommen so sehr viele Inputs von aussen. Richi findet das System in der Schweiz weniger starr und Ideen hinter den Projekten kämen so auch wirklich von den Jugendlichen selbst und nicht von aussen.

Vom Konzept her wird der Wettbewerb aber in allen drei Ländern gleich durchgeführt. Zuerst gibt es eine regionale Vorausscheidung. Die Gewinner dieser Vorausscheidung können dann am interregionalen Finale teilnehmen. Sowohl an der regionalen, als auch an interregionalen Prämierung werden Preisgelder im Wert von insgesamt 7-˜000 Franken vergeben. Dem Verein Verstärker war es wichtig, dass in der  regionalen Vorausscheidung im Kanton St. Gallen mehr auf die kulturellen Eigenheiten Rücksicht genommen werden kann. Dieses Jahr konnten deshalb zum ersten Mal auch Schulprojekte am regionalen Wettbewerb im Kanton St. Gallen mitmachen. Auch wenn diese Projekte zu den Gewinnern gehören, können sie nicht am interregionalen Finale teilnehmen, denn dort sind keine Schulprojekte zugelassen.

Surfen gegen den Filter

Die Palette der angemeldeten Projekte ist unvorstellbar breit. Von Studenten der Hochschule St. Gallen, Pfadfindergruppen über Kantonsschulklassen reichen sehr unterschiedliche Gruppen ihre umgesetzten Ideen ein. Für Richi Küttel ist es immer wieder eine Herausforderung, an die Jugendlichen heran zu kommen. Viele fänden über Vereine oder Schulen zum Wettbewerb, aber dies „filtere“ die Auswahl der Teilnehmenden schon stark. Um diesem Filter entgegen zu wirken lesen Richi und sein Kompagnon Lukas sehr oft Zeitung oder surfen, um auf laufende oder abgeschlossene Jugendprojekte aufmerksam zu werden.

Motivation zum Weitermachen

Der Wettbewerb ist nicht gedacht Projekte von Jugendlichen aufzugleisen, sondern laufende Projekte anzuspornen, oder bereits abgeschlossene zu prämieren. Schon oft sei der Verein Verstärker angefragt worden, ob er nicht ein Projekt mit Geld unterstützen könne, meint Richi. Man habe die Jugendlichen jedes Mal vertrösten müssen und auf andere Organisationen und Vereine aufmerksam gemacht. Ziel des Wettbewerbs sei es, den Jugendlichen und ihren Projekte die Aufmerksamkeit zu geben, die sie wirklich auch verdient hätten.

Es fehlen Informationen, nicht Geld

Eigene finanzielle Unterstützung erhält der Verein Verstärker von der Stadt St. Gallen und der Dietschweiler Stiftung. Wenn unter Jugendlichen das Gefühl aufkommt zu wenig von den Erwachsenen unterstützt zu werden, habe dies nichts damit zu tun, dass wirklich zu wenig für die Jugendlichen gemacht werde. Sondern, dass den Jugendlichen vielfach die Informationen fehlten, wo sie sich Unterstützung holen könnten, meint Richi. Was es brauche, damit ein Projekt zu Stande kommt, seien Zeit und Herzblut.  Das Geld sei bei uns in der Schweiz  ja nun wirklich kein Problem.

Links