Kultur | 02.11.2009

Exotische Sängerin mit gebrochenem Zeh

Text von Martin Sigrist | Bilder von Martin Sigrist
Der Donnerstag stand das Jazznojazz-Festival im Zeichen der Nordlichter. Mit Mari Boine und Nils Peter Molvaer traten gleich zwei Norweger im ewz-Unterwerk in Zürich Selnau auf.
Ungleiche Musiker aus Norwegen: Nils Petter Molvaer und Mari Boine.
Bild: Martin Sigrist

Nach dem Verstummen im Saal konnte die volle Konzentration auf den zweiten Abend des jazznojazz im EWZ Unterwerk Selnau gerichtet werden. Nils Petter Molvaer, Trompetenspieler, und Mari Boine, Sängerin, brachten den Norden Europas nach Zürich.

Keine leichte Kost

Nils Petter Molvaer mit seiner Trompete und seiner Stimme, oft digital verfremdet, eröffnete den Abend kühl und dunkel. Passend dazu das schwarz angezogene Publikum und der durchgehend schwarz dekorierte Saal. Molvaers Musik erklang  fein, lang gezogen und kreiste um ruhigen Elektro und kantigen Jazz. Keine leichte Kost: Schon während dem ersten Teil verliessen einzelne Zuschauer den Saal frühzeitig, weil sie wohl etwas anderes erwartet hatten.

Das Konzert wurde in zwei Teile von je 40 Minuten gesplittet. Nils Petters Trompete und sein Gesang durchs Trompetenmikrofon wurde begleitet von zwei Musikern mit Gitarre und Schlagzeug. Alles wurde unterschiedlich gesampelt und digital verfremdet. Es entstand ein Klangteppich, der sich immer wieder in elektrischen Gefilden bewegte. Molvaers Sound, der früher noch an Drum and Bass und Trip Hop erinnerte, hat den Fokus heute eher auf die ruhigen Seiten des Jazz gelegt.

Gebrochener Zeh

Mari Boine gab das zweite Konzert des Abends. Die ebenfalls aus Norwegen stammende Sängerin mischte traditionellen sämischen Gesang mit Elementen aus Jazz und Folk. Boine bestritt einen warmen Kontrast zur ersten Hälfte des Abends. Nun war das Publikum jünger, bunter und eher zum Tanzen aufgelegt. Boine verbreitete mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Trompete eine sehr gute Stimmung. Mit der auf Deutsch abgelesenen Erklärung, dass sie wegen eines gebrochenen Zehs mit ihren Tanzkünsten heuer geizen müsse, konnte sie das Publikum endgültig für sich gewinnen.

Die beiden Konzerte, so unterschiedlich sie waren, konnten jedes auf seine Art das Publikum begeistern. Aus dem nördlichen Ende Europas kommt eben doch nicht nur Kühle und Kälte, sondern auch warme Musik von Herzen.

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