Gesellschaft | 24.11.2009

Eine Moschee mit zwei Minaretten

Kurz vor der Abstimmung über die Minarettinitiative macht eine Basler Gymnasiastin von sich reden. Johanna Baumgartner entwirft und bauteine Moschee im Massstab 1:50. Eine Moschee, die nicht ein, sondern zwei Minarette hat. Im Interview mit Tink.ch erklärt Johanna, wie sie zu diesem Thema steht.
Bild: Christian Wyler "Am Ende entsteht etwas Schönes". Johanna Baumgartner

Deine Moschee hat nicht nur ein, sondern gleich zwei Minarette. Sehr gewagt, so kurz vor der Abstimmung.

Johanna: Viele Aussenstehende sehen die Idee meiner Maturaarbeit als deutliches Nein zur Minarettinitiative an. Dies ist inmitten der Diskussionen natürlich verständlich. Jedoch muss ich sagen, dass die Idee für die Maturaarbeit schon viel früher entstanden war, längst bevor das Thema rund um Minarette so heftig diskutiert wurde.

 

Die Initiative war also nicht der Grund für deinen Entscheid. Wie bist du denn auf die Idee gekommen?

Auf die Idee mit der Moschee kam ich, da ich schon in Jordanien und Ägypten gewesen war und mir Moscheen schon immer gefielen. Ausserdem wurde es recht knapp mit der Zeit, in der ich mich für das Maturaarbeitsthema entscheiden musste. Da ich gern bastle und auch die Religion sehr spannend finde, habe ich mich dann für dieses Thema entschieden. Für mich war auch schon von Anfang an klar, dass meine Moschee zwei Minarette haben wird.

 

Die Abstimmung ist am 29.November 2009. Du wirst kurz danach volljährig – wie stehst du zur Minarettinitiative?

Ich finde das Ganze ehrlich gesagt ein wenig sinnlos. Die Befürworter haben das Gefühl, dass dann jeden Morgen Gebete ausgerufen werden. Dabei geht es nur um den Bau der Minarette. Es braucht trotz allem eine Baugenehmigung und man kann immer noch Einspruch dagegen erheben, wenn die Anfrage gestellt wird, ein Minarett zu bauen. Ich bin also gegen die Minarettinitiative.

 

Was für Folgen hat es für die Schweiz, wenn die Initiative angenommen wird?

Was für genaue Folgen es haben könnte, kann ich nicht sagen. Dafür habe ich zu wenig politisches Know-How Ich denke, dass es die Beziehung zu den islamischen Ländern beeinträchtigen wird. Die Religionsfreiheit wird in Frage gestellt. Und trotzdem: Eine Moschee braucht im Prinzip kein Minarett.

 

Deine Moschee ist nur ein Modell. Wo würde sie in Basel einen Platz finden?

Das habe ich mir nie überlegt, wirklich. Es gibt einige, die denken, dass eine Moschee mit zwei Minaretten das Basler Panorama mit dem Münster zerstören würde. Es wäre einfach nur hässlich, ist ihre Meinung. Da muss ich einfach sagen: Na gut, ihr habt es ja noch gar nicht gesehen, ihr könnt es euch nur vorstellen. In einigen Fällen ist es schon extrem.

 

Wie sind die Reaktionen auf deine Arbeit?

Nebst derjenigen, die finden, dass es unnötig ist, sich mit diesem Thema zu beschäftigen – da Moscheen sowieso zu einer anderen Religion gehören – gibt es solche, die sich freuen, dass ich überhaupt auf so eine Idee gekommen bin. Sie finden es spannend, dass am Ende etwas Schönes entsteht. Die Reaktionen sind also sehr verschieden, meistens jedoch positiv.