Kultur | 02.11.2009

Das Interesse am Gewinn

Text von Audrey Djouadi | Bilder von PD
Die Popularität von Mando Diao hat nicht nur Vorteile: Lange Wartezeiten, Fanartikel-Ausverkauf und Silvester-Ramba-Stimmung - das alles bot das Konzert am letzten Donnerstag in Winterthur.
Mögen den grossen Auftritt: Mando Diao.
Bild: PD

Wer sich am Donnerstagabend vor der Eishalle Deutweg umsah, erblickte unzählige Indiekiddies, hörte diverse „Oh, mein Gott, de Gustaf isch ja soooo herzig“ und roch Bratwürste und sonstige Fleischwaren. Meterlange Schlangen vor der Damentoilette und überteuertes Bier. Die lange Wartezeit konnte man nutzen, um sich mit anderen Konzertbesuchern zu unterhalten. Was sie sich vom Konzert erhofften? Eine gute Show, mitreissende Lieder und ordentlich Rock ‚n‘ Roll – natürlich.

Stolzer als ein Pfau

Als Vorband tänzelte die englische Band The Rumble Strips auf der Bühne rum. Sie boten einen eher mittelmässigen Mix aus Franz Ferdinand und The Cribs. Wer nach dem seichten Auftritt auf eine Überraschung der fünf Schweden von Mando Diao hoffte, wurde ebenfalls vor den Kopf gestossen. Nachdem die Herren sich nach einer satten Verspätung auf die Bühne genehmten, rühmten sie sich eher mit grossem Auftreten als mit grosser Liebe zur Musik. Ein Pfau, der seine Federn zeigt, wirkt gegen die zwei Frontmänner Björn Dixgård und Gustaf Norén bescheiden. Auch die grossen Hits vermochten nicht wirklich zu berühren, obwohl die Mädchen und Jungs in den ersten paar Reihen das Konzert in vollen Zügen genossen.

Wer Mando Diao schon länger als zu „Ode To Ochrasy“-Zeiten kennt, weiss, wie die Band früher spielte. Wild, mit Liebe zur Musik und kaum Interesse am Gewinn. Doch dies scheint sich in den letzten Jahren geändert zu haben. Noch bevor das Konzert überhaupt stattfand, konnte man schon völlig überteuerte USB-Sticks mit dem Konzert darauf kaufen. Doch trotz allem Erfolg, den die fünf Schweden zu verbuchen haben, eines haben sie sich bewahrt: Die Energie, mit der sie ihre Musik ans Publikum bringen. Auch wenn sich dies am Donnerstag mehr in einer Silvester-Gala-Manier zeigte als in einer guten Rockshow. Eine völlig übertriebene Lichtshow, unzählige Security-Männer und Glitzerkonfetti, der am Ende der Show endgültig die Sicht versperrte. Trotz Glitzerkonfetti und Selbstinszenierung: Mando Diao wahren noch immer eine Nähe zum Publikum und halten ihre Fans so bei der Stange.

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