Gesellschaft | 05.10.2009

Wie man sich trotz Most-Rausch benimmt

Text von André Müller | Bilder von Julian Stiefel
Die OLMA-Bratwurst, das neue Rathaus oder der "Fladä": Es gibt viele Fettnäpfchen, in die ein Besucher aus der Restschweiz in St.Gallen treten kann. Aber keine Angst, diese Fehltritte lassen sich künftig vermeiden! Tink.ch präsentiert den St.Galler Knigge.
St.Gallen feiert. Durch höfliches Benehmen tragen Sie ihren Teil zum Fest bei!
Bild: Julian Stiefel

Bald ist OLMA. Wie jedes Jahr werden unzählige Gäste aus Zürich, Bern und Basel das herbstliche St.Gallen in Beschlag nehmen und mit den Einheimischen feuchtfröhliche Tage verbringen. Leider fallen einige dieser Zugereisten durch unflätiges und allzu unsanktgallerisches Benehmen auf, was vor allem auf ungenügende Kenntnis des lokalen Brauchtums zurückzuführen ist. Folgende Grundregeln lassen sich aber auch nach ausgiebigem Most- oder Schützengarten-Konsum noch beachten.

Senf

Das Wichtigste vorneweg: Bestellen Sie eine St.Galler OLMA-Bratwurst, dann werden Sie keinen Senf dazu erhalten. Finden Sie sich damit ab und fragen Sie keinesfalls nach, ob Sie etwas von der gelben Tunke bekommen könnten. Eine solche Anfrage beleidigt den Metzger, da sie ihm unterstellen, seine Meisterwurst sei nichts als ein industrielles Knorpelerzeugnis, wie man sie sich aus anderen Kantonen gewohnt ist.

Pantoffeln

Wenn Sie in einem Anfall von Kulturlust die Stiftsbibliothek besuchen, werden Sie Pantoffeln erhalten, welche Sie bitte anziehen. Diese dienen ausschliesslich dem Schutz des kostbaren Parkettbodens und sind nicht zu ihrer Unterhaltung da. Vermeiden Sie auch jegliche Bemerkungen betreffend des neu erstellten Globus à  la: „Der Globus in Zürich sieht aber viel echter aus als dieses Ding.“ Die St.Galler sind sich dieser Problematik sehr wohl bewusst und müssen nicht darauf hingewiesen werden.

Baustelle

Regen Sie sich nicht darüber auf, dass die Altstadt eine einzige Baustelle ist. Auch Sie wollten schon einmal Zürich mit dem Auto durchqueren, auch Sie haben schon weit Schlimmeres erlebt.

Dialekt

Vermeiden Sie es tunlichst, sich über den St.Galler Dialekt lustig zu machen, das wäre äusserst unanständig. Die Ostschweizer haben wirklich schon genug Probleme, sich mit ihren Landsleuten zu verständigen, als dass Sie noch Öl ins Feuer giessen müssten. Verziehen Sie daher keine Miene, wenn ihnen ein „Fladä“ angeboten wird. Der riecht und schmeckt besser, als er tönt.

Architektur

Wenn Sie die architektonischen Präferenzen Ihres Gegenübers nicht kennen, sollten Sie sich wenn möglich nicht auf eine Diskussion über das neue Rathaus einlassen. Es gibt Leute, die diesen Stil mögen und in dem Gebäude die postmoderne Kultur St.Gallens ausgedrückt sehen. Andere Stadtbewohner fragen sich beim Anblick des Bauwerks, wie viele ihrer Steuerfranken wohl in diesem überdimensionierten Spiegelklotz stecken mögen.

Zuletzt ein gutgemeinter Ratschlag seitens der Redaktion: Besuchen Sie St.Gallen auch einmal in den 354 olmafreien Tagen des Jahres! Sie werden erstaunt sein, aber in nüchternem Zustand werden Sie die vielen Eigenheiten und Sehenswürdigkeiten dieser Stadt noch viel besser zu schätzen lernen.