Gesellschaft | 05.10.2009

Wenn die Nacht zum Tag wird

Elf ausgesuchte Läden im Zürcher Oberdorf luden ein, ihr Angebot bei einem nächtlichen Rundgang durch das Quartier kennen zu lernen.
Ein sogenannter Conceptstore: Im Townhouse gibt es Pläuschhunde genauso wie japanischer Papierleim oder schmucke Notizbücher.
Bild: Pascal Grob Oberhalb des Limmatquais: Das Oberdorf hat einiges zu bieten.

Donnerstag, 1.Oktober. Ich, sozusagen eine Touristin im Zürcher Oberdorf (mein Herz gehört noch immer dem Kreis Vier, oder wie er auch liebevoll genannt wird: „Chreis Cheib“), lecke Blut und verliebe mich in dieses Gebiet in Zürich. Verkuppelt hat uns die Oberdorf Nacht. Für alle K1-Touristen: Die Oberdorf Nacht ist eine Veranstaltung, bei der  11 ausgesuchte Läden (Iselin, Steinhauer, Aesop, Blumenbinder, Bookbinders, Monsieur Dubois, Stefi Talman, Wink, Glam.in, Townhouse und 11/11) auf die Öffnungszeiten pfeifen und mit ihren Produkten und Cocktails locken. Und nicht irgendwelche Drinks, nein, gelockt wird mit einem jeweils auf den Laden abgestimmten Getränk, zusammengestellt vom Meister Peter Roth. Drinks und Konsummöglichkeit – also ein Spielplatz für Erwachsene.

Verwirrt stöckle ich mir meinen Weg zum ersten Zwischenstop, dem Brillengeschäft Iselin. Dort wurde uns ein „Kronenhalle Spezial“ serviert und die Möglichkeit geboten, seine Sehfähigkeit zu verbessern. Doch da ich als Kind meine Möhrchen artig aufgegessen hab, sehe ich scharf wie ein Adler.

Traum für Schuhsüchtige

Also schlenderten wir weiter, Richtung Monsieur Dubois. Dem wahrgewordenen Traum aller Schuhsüchtigen. Nachdem ich ein bisschen vor dem Schaufenster gesabbert hab, sind wir natürlich vornehm in den Laden gestürmt, steuerten die Bar an und nippten an einem „Dubleu“. Zwischen den Schuhen wurde mir die Zürcherbloggerin Neslihan vorgestellt, die mit Mi-Ji den Blog „Styleseeking Zurich“ betreibt. So langsam fiel auch mir ein Muster auf. Denn auch mein Begleiter, Pascal, ist ein Blogger. Der Saat des Verdachts ist also gesät.

Irgendwann fanden wir uns dann im Conceptstore Townhouse ein. Ein Laden, der wohl meine zukünftige Anlaufstelle in Geschenkfragen sein wird. Hauptsächlich Geschenke an mich selbst. Trendige Notizbücher, Schals aus feinster Baby-Alpaka-Wolle oder japanischer Papierleim. Townhouse bietet das, was Städter suchen. Vom Plüschhund, der meiner Meinung nach besser als das Original ist – kein Gebelle, dass Frau frühmorgens aus dem Bett jagt (Ja, ich spreche von meinem Hund), bis hin zu Boxershorts oder bezaubernden Glücksarmbändern. Nenn einen Gegenstand, den du schon ewig suchst und noch nicht gefunden hast – im Townhouse wird er zu finden sein. Und er wird mit Hundewelpen-Augenglanz poliert sein.

Welpen, die nicht nerven

Doch auch die schönste Begegnung endet irgendwann, und so verabschiedete ich mich vom neuen Lieblingsdrink „Orient Express“ und den Plüschwelpen und zog weiter. Immer der Nase nach, endeten wir in dem Kleiderladen Wink, wo ein weiterer Drink angeboten, von mir aber verschmäht wurde. Doch auch ohne Alkohol für lau lohnt es sich, in diesem Laden mal vorbeizuschauen.

Ein Highlight des Abends war eindeutig der Besuch im Frisörsalon 11/11, der ganz nebenbei auch noch wundervolle T-Shirts verkauft und weiter auch in Sachen Art, Make-up und Interior dienen kann. Wer einen herzlichen, warmen Empfang erleben möchte, dem sei 11/11 empfohlen. Doch irgendwann plagte uns die Sehnsucht nach dem Townhouse und, zugegeben, auch nach einem weiteren Orient Express. Also schwebten wir wieder zurück. Dort wurden wir dann von einer weiteren Bloggerin angesprochen. Nun ja, angesprochen ist falsch. Pascal wurde angesprochen, ich abschätzig abgestarrt. Da ich scheinbar als Nicht-Bloggerin ihrer nicht würdig war. Unbeeindruckt widmete ich mich also temporär den Wasabinüsschen, als ich einen hilfesuchenden Blick von Pascal bemerkte. Die Bloggerin hatte scheinbar noch zwei Freundinnen, die nicht mehr ganz nüchtern plapperten (oder auch lallten). Doch auch diesem Hindernis stellten wir uns wagemutig, und als sich die Oberdorf Nacht ihrem Ende näherte, machte ich mich auf den Heimweg. Und ich habe gelernt, dass ich meinem Misstrauen durchaus trauen kann. Die Invasion der Blogger wird kommen.

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