Gesellschaft | 05.10.2009

Volunteering in Taiwan (3)

Text von Malte Vogt | Bilder von Malte Vogt
Gewusst, dass es in Tainan auch chinesische und japanische Köstlichkeiten zu probieren gibt? Ein Tink.ch-Reporter hat sich zwischen Frischmarkt und Fastfood umgeschaut. Einiges an der taiwanesischen Esskultur erscheint ihm gewöhnungsbedürftig.
Taiwans Esskultur ist tief in der Tradition verwurzelt.
Bild: Malte Vogt

Dass man in Taiwan gut essen kann, hat sich schon herumgesprochen. Das beste Essen in Taiwan gibt es aber in Tainan. Egal zu welcher Tageszeit man sich auf den Weg macht, überall kriechen einem diese heimtückischen Gerüche in die Nase, die einen zum Kauf verleiten wollen. Wie eine Fliege, vom Duft angelockt, summe ich von einem Stand zum anderen. Doch hier ist Vorsicht geboten. Nicht alles, was gut riecht, schmeckt auch besonders gut und umgekehrt.  

„Alles ist essbar“

Das Essensangebot in Taiwan ist riesig. Neben original taiwanesischer Küche gibt es auch chinesische und japanische Köstlichkeiten. Dies hat weniger mit der Globalisierung zu tun, als mit der Geschichte Taiwans, war die Insel doch zwischenzeitlich unter Japanischer Kontrolle. Die Einwohner stammen jedoch zu einem grossen Teil vom Festland. Von „Stinky-Tofu“ über Nudelsuppen aller Art bis zu undefinierbaren Spiegelei-Muschel-Kreationen ist hier alles zu finden. Für den kleinen Hunger zwischendurch eignen sich besonders Dumblins, oder auch gerillter Tofu am Spiess.  

Wer es lieber etwas süsser mag, kann es mit Chinesischem Eis versuchen. Das ist nichts weiter, als mit braunem Zucker gesüsstes Wasser-Eis mit Früchten, Ei-Pudding, oder einer Art Gelly. Wem das noch nicht aufregend genug ist, sollte sich einmal ein wenig Zeit nehmen und einen traditionellen Markt besuchen. Hier gibt es, frisch geschlachtet, Hühner, Enten (oft auch schon gebraten) und Unmengen von Fischen, Schnecken, Shrimps, Krebsen und Tintenfischen. Grundsätzlich gilt in Taiwan: „Alles ist essbar“. So kommt es, dass Hühnerkopf, Entenzunge und Fischaugen als besondere Leckerbissen gehandelt werden.    

Essen ist für Kultur essenziell

Doch diese Welt des Essens ist am Verschwinden. Immer mehr Taiwanesen strömen in die mit viel Werbeaufwand eröffneten gelbroten Restaurants, oder ähnlichen Fastfood-Ketten. Dies ist nicht nur eine grosse Herausforderung für die Besitzer der unzähligen Strassenrestaurants, sondern zerstört auch einen essenziellen Teil der taiwanesischen Kultur, ist doch das gemeinsame Essen einer der wichtigsten Bestandteile der Gesellschaft hier. Besucht man eine Kollegin, einen Freund oder Verwandte, ist es durchaus nicht unhöflich, etwas Essbares mitzubringen, das man zuvor irgendwo auf der Strasse gekauft hat.  

Für uns Westler ist es häufig nicht einfach, Leckerbissen, die der Gastgeber auftischt, entsprechend zu würdigen. Fettränder und Fischaugen gehören einfach nicht zu den Dingen, die ich unbedingt haben muss. Interessant, dass trotz des guten Essens nur wenige junge Taiwanesen kochen können – dafür fehlt den Meisten die Zeit. Aber spätestens wenn geheiratet wird, sollten zumindest ein paar Grundkenntnisse erlernt werden. Im schlimmsten Fall schmeckt das Essen so, wie bei meiner Arbeit, der einzige Ort in Taiwan, an dem ich wirklich Mühe habe, das Essen auch nur zu probieren.