Gesellschaft | 05.10.2009

„Ui nei, die ist bestimmt magersüchtig“

Text von Audrey Djouadi
Am letzten Samstag fand in Baden die "Birds of Paradise" - Modenschau statt. Die textile Exotik wurde in der Provinzstadt aber nicht von allen geschätzt.
Mit Ausdruckskraft: Model an der "Birds of Paradise" in Baden. Fotos: Anina Diem Eingepackt: Auch Mode für die kalte Jahreszeit wurde präsentiert. Männermode 2009: Schlapphosen und Printshirts.

Baden ist nicht der Hotspot der Modeszene, das bestreitet niemand. High-Heels ungeeigneter Pflastersteinboden, über zu gewagte Outfits lästernde Seniorinnen – nicht die besten Voraussetzungen um Fashionistas zu locken. Doch am Samstag, dem 3. Oktober zog eine Veranstaltung die Modeliebhaber an, wie das Licht die Motten. Frau Meise flog zum ersten Mal aus. In Zusammenarbeit mit Kimandra Vintage stellte die Cafébesitzerin eine Modenschau zusammen, in der Kreationen von Aleksandra Wisiniewska, Laend Phuengkit, Lillarosa, Adusum, Animo, Odem, Olivia Estermann, Andrea Steiger und feinste Vintagemode von Kimandra Vintage zu bestaunen waren.

Mit Stöckel über Stein 

Ein bisschen zu früh schlenderte ich mir meinen Weg von Bahnhof Baden bis zur alten Holzbrücke, wo die Schau stattfinden sollte. Scheinbar hatten alle anderen Gäste einen besseren Orientierungssinn als ich und mussten nicht 15 Minuten über Stock und Stein wandern. Doch trotz anfänglichen Strapazen auf dem Hinweg, versprach es ein exklusiver Abend zu werden.

Also fand ich mich nach ein bisschen Smalltalk und Küsschen-Links-Küsschen-Rechts auf meinem Platz ein. Die Musik ertönte und das erste Model schwebte auf den Laufsteg. Und von diesem Moment an wurde es besser und besser. Oversized Strickpullover, Taillenhosen und zarte Chiffon Kleider. Was da über den Laufsteg getragen wurde, liess jedes Modeherz höher schlagen. Besonders die Wintermäntel liessen ein allgemeines Raunen durch die Audienz fahren. Ob nun Vintage oder Eigenkreation – die Formen, Farben und Stoffe der Mäntel versichern einen stilsicheren Auftritt im Winter.

Ein weiteres Keypiece waren die schwarzen Lederhosen, die lässig hochgekrempelt wurden und sich zart an die gazellenhaften Beine des Models schmiegten. Und mir persönlich haben alle Entwürfe von Aleksandra Wisiniewska gefallen. Sie verarbeitet feinste Stoffe in dezenten Farben und verwandelt so jede Frau in ein elfenhaftes Wesen. Und auch die Männerkleidung liess nichts zu wünschen übrig. Ein bisschen zu grosse Anzugshosen, locker in der Taille zugeknotet, coole Printshirts oder wunderschöne Vintage Pullover. Umso besser war es, dass nach der Schau die Kleider auch sofort zum Verkauf gestellt wurden.

Miesmuscheln in Gesundheitsschuhen

Doch scheinbar wussten nicht alle Gäste die wunderschöne Mode so zu schätzen. Hinter mir mokierten sich drei minder gut angezogene Menschen über jedes einzelne der Outfits. „Da bleib ich lieber bei meinen Jeans“, „Das ist den Models bestimmt peinlich, so über de Laufsteg zu gehen“ oder „Ui nei, die ist bestimmt magersüchtig“. Also meine Lieben, Models sind dünn, ein Naturgesetz und wer in Gesundheitsschuhen zu einer Modenschau geht, soll lieber so wenig Aufsehen wie möglich erregen und stillschweigend warten, bis der Modenteufel kommt und die kleidertechnischen Fehltritte bestraft. Fertig.

Trotz der paar Miesmuscheln, die zu Gast waren, war die Birds Of Paradise ein voller Erfolg.

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