Gesellschaft | 19.10.2009

Touristen jagen Tiere: Dekadenz und Existenz

Text von Tess Zürcher | Bilder von pixelio.de / olsc
Am 14. Oktober berichtete die SF-Sendung "Reporter" über Touristen, die sich gegen viel Geld das Patent zum Töten von Tieren erkaufen.
Was darfs denn sein? Eine Giraffe oder ein Zebra? Die Zebras wären günstiger.
Bild: pixelio.de / olsc

Ein kleines Mädchen steht hinter einem Gewehr. Es zielt, drückt ab und erlegt so ein Wildschwein. Der Vater, der sie jetzt lobt, hatte zuvor für das Tier bezahlt. In Limpopo, einer Republik in Südafrika, ist es inzwischen Gang und Gäbe, dass überwiegend Touristen aus der USA kommen, um in der Wüste zu jagen. Jedes Tier muss bezahlt werden: Ein Nashorn kostet zwischen 70’000 und 100’000 Franken, weil das Horn bei den Chinesen so gefragt ist. So ist es möglich, auch Wildtiere zu schiessen, die vom Ausstreben bedroht sind.

Züchten für die Jagd

Tiere werden teilweise ausschliesslich zur späteren Jagd gezüchtet. Die Züchter selber finden es zwar absurd, Tiere zu züchten und sie in Käfigen grosszuziehen, nur um sie für die Jagd freizulassen, dennoch ist es ihr täglich Brot. Hinterfragen tun sie nicht. Das Kamerateam vom Schweizer Fernsehen wurde nur unter strengen Bedingungen zugelassen, um hinter die Kullissen zu blicken. Auf eindrückliche Art zeigt es diese andere Seite einer Jagd.

Die Beteiligten befragt, finden sie es grundsätzlich in Ordnung, dass seltene Tiere geschossen werden. Sie sollen später als Trophäe in einem Wohnzimmer aufgehängt werden. Sie reden sich ein gutes Gewissen ein und behaupten, dass es gewisse ohne diese „präparierte Jagd“ gar nicht mehr geben würde. Das stimmt möglicherweise sogar, aber es ist auch so moralisch kaum einwandfrei, sie für die Touristen zum Abschuss freizugeben. Der Bestand wird auf diese Weise nie wirklich vergrössert, sondern auf unnatürliche Weise konstant gehalten. Gerade soviel wie es zum Abschuss braucht. Das streiten die Züchter vehement ab und sagen: Es sei eine andere Kultur in Afrika. Man habe nicht viel, aber an der Jagd verdiene man Geld!

Jagen wie im Erlebnispark
Gejagt werden die Tiere in einer teils künstlichen Landschaft. Der See wurde sogar extra angelegt, damit die Tiere angelockt werden, um Wasser zu trinken. So sind sie ein perfektes Ziel für den ausländischen Jäger, der für diesen Spass viel Geld hat liegen lassen und sich jetzt hinter dem unechten Termitenhaufen, der extra für die Jagd gebaut wurde, versteckt und und in aller Ruhe abdrückt. Ein Erlebnispark.

Es ist erschreckend, dass man heute dafür bezahlt, ein rares, gezüchtetes Tier in einer künstlichen Jagd erschiessen zu dürfen. Würde man weder jagen, noch dafür bezahlen, würde es solche Geschäfte gar nicht erst geben und die einheimischen Leute würden möglicherweise einem anderem, vielleicht weniger lukrativen Beruf nachgehen. Für sie geht es um die eigene Existenz, bei den anderen könnte man es als Dekadenz bezeichnen. Aber ohne das eine, würde das andere nicht existieren.