Kultur | 19.10.2009

Schön nach Drehbuch

Text von Swana Schlegel
Seit einigen Jahren tourt Seven mit seiner Band durch die Welt und arbeitet mit nationalen sowie internationalen Künstlern zusammen. Was bedeutet dies für ihn? Wie will er seine Karriere im Ausland ankurbeln und wie geht es zukünftig weiter mit Seven?
Seven im Gespräch mit Tink.ch. Fotos: Rahel Waltisperger Seven und seine Band traten vergangenen Samstag im Hotel Murten in Murten auf. "In zehn Jahren will ich mit möglichst denselben Leuten unterwegs sein".

Du hast im Juli die Single „Go Slow“ veröffentlicht. Wie war für dich die Zusammenarbeit mit dem internationalen Rapper Talib Kweli?

Seven alias Jan Dettwyler: Für mich war das ein absoluter Bubentraum. Er ist für mich, mit Mos Def, einer der kredibelsten und auch politisch aktivsten Rapper, die es in den Staaten gibt. Zudem kommt er von der Aussprache und dem Dialekt aus dem Ecken, der mir am meisten am Herzen liegt. Und dass Talib Kweli dann innert kürzester Zeit nicht nur gesagt hat „Ich bin dabei“, sondern auch, er könne stolz sein, dabei zu sein, war sehr speziell für mich. Es war sicher auch nicht unsere letzte Zusammenarbeit.

 

Spürtest du einen Unterschied zwischen ihm und der Zusammenarbeit mit nationalen Künstlern wie Stress, Tafs oder Baze?

Klar, es ist etwas anderes, wenn du einen Menschen zehn Jahre verfolgst, seine Platten kaufst und an Konzerte gehst. Dann hast du plötzlich die Idee, den richtigen Song und denkst: Komm, wir versuchen es einfach mal. Das ist natürlich noch ein grösseres Abenteuer. Es ist aber nicht weniger spannend, mit Künstlern zusammen zu arbeiten, die näher wohnen. Es ist auch mit Stress interessant, der aus einem anderen Ecken kommt, eine andere Kultur, sowie eine andere Muttersprache hat. Trotzdem verbindet uns der urbane Übertitel. Er rapt auf Französisch, ich singe auf Englisch, aber der Sinn und der Hintergrund sind ähnlich. Es ist schön, wenn man im Studio herausfinden kann, wie er arbeitet und wie er eine Aufnahme angeht. Diese Erfahrung macht Spass und ich möchte sie nicht missen.

Du bist eigentlich Soul-Künstler. Trotzdem hattest du schon mehrere Featurings mit Rap-Sängern. Was zieht dich immer wieder in diese Richtung?

Ich bin als Konsument ein „Rap-Kind“. In den letzten zwölf Jahren bin ich mit zu etwa 60% schwarzem Rap aufgewachsen und das hat mich natürlich auch sehr geprägt. Wenn man eine Geschichte spricht, ist es Rap und wenn man sie singt, ist es wieder Rhythm and Blues. Weil mein Medium das Singen ist, wurde daraus Rhythm and Blues, was man heute R’n’B nennt. Es verbindet mich viel mit der urbanen Einstellung, nämlich dass der Text im Vordergrund steht. Dass man etwas sagen möchte und Grenzen durchbricht. Das ist das, was mich mit dem Rap verbindet.

 

Was ist das Unangenehmste, was dir je auf der Bühne passiert ist?

Das würde den Rahmen wahrscheinlich sprengen, da könnte ich lange erzählen. (lacht) Ich bin jemand, der versucht, einen perfekten Plan zu erstellen. Sprich, jede Sekunde vom Konzert ist durchgeplant. Wie in einem Zirkus oder einem Film. Ich schreibe auch ein Drehbuch. Jeder Abend wird zwar etwas anders, aber wenn du ein gutes Drehbuch hast, kannst du auch mal daraus ausbrechen und wieder zurückgehen. Das Publikum kann dann gar nicht sagen, was geplant und was spontan war. Und das macht ein gutes Konzert aus. Wenn das Publikum merkt, dass es ein Teil vom Konzert ist. Du brauchst einfach einen Faden. Den musst du aber immer wieder ein wenig gehen lassen und anziehen. So lassen sich Peinlichkeiten gut einbauen. Wir waren vor ein paar Jahren in Baden und hatten während dem Konzert einen Stromausfall. Da die Leute wissen, dass ich immer etwas Lustiges ausprobiere, dachten viele erst, es sei geplant. Was machst du dann? Ich habe nach ein paar Sekunden gemerkt, dass der Strom so schnell nicht wieder kommt. Wir gingen also zu viert hinters Schlagzeug, schlugen irgendwie darauf herum und die Zuschauer grölten mit. Das Publikum fand es total lustig und ich denke, Peinlichkeiten musst du ausnützen. Das ist das, worüber die Leute im Nachhinein reden.

 

Wenn du nun selbst einen Auftrittsort bestimmen könntest, wo wäre dieser?

Es gibt extrem viele schöne Locations, in denen ich noch nicht gespielt habe, da wäre sicher die Stravinski Hall in Montreux! Ich könnte jetzt sagen: Madison Square Garden, New York; aber das wäre ziemlich hohl. Ich versuche immer, meinen Wunsch auf das zu konzentrieren, was möglich ist. Wir durften in Montreux schon im Jazz-Café spielen und das war spitze. Aber ein Abend mit Beverly und Talib in der Stravinski Hall, ja, ich glaube wenn ich mir etwas wünschen könnte, nähme ich das.

 

Wie wichtig ist dir der Erfolg im Ausland?

Der Erfolg im Ausland ist für mich sehr ausschlaggebend. Das wichtigste hast du bereits angesprochen, die Location. Es gibt noch so viele Orte, an denen ich gerne auftreten möchte. Wir versuchen mit jedem Album, noch ein paar neue Länder dazu zu bekommen. Unser Ziel ist es, dass wir irgendwann so viele Länder besuchen können, dass wir nach der Veröffentlichung eines Albums ein Jahr in der Schweiz und dann ein Jahr im Ausland auf Tournee gehen können. Es gibt einige Festivals auf der Welt, wo unsere Musik nicht nur Platz hat, sondern auch der Mittelpunkt ist. Es ist sicher einfacher, mit unserer Musik in solchen Ländern Erfolg zu haben als in der Schweiz. Für uns ist es ein Wunder, dass wir in der Schweiz so weit gekommen sind mit unserer „kulturlosen Musik“.

 

Was hast du zukünftig für Projekte in Planung?

Wir sind bis Mitte Dezember auf Club-Tour. Nächstes Jahr haben wir etwas Intimes in Planung, sprich eine Unplugged-Tour in ganz kleinem Rahmen. Da darf ich noch nicht zu viel sagen. Dann ist nächstes Jahr das Ausland wieder an der Reihe und parallel zum Ausland werden wir uns auch an eine neue Platte setzen, damit diese irgendwann im Herbst 2011 veröffentlicht werden kann.

 

Zum Schluss: Wo möchtest du in zehn Jahren stehen oder wo siehst du dich?

Ich glaube ich sehe das ein wenig Peter-Fox-mässig. In 40 Jahren Haus am See. (lacht) Diesen Text würde ich eins zu eins unterschreiben. 20 Kinder, zehn Enkel und so weiter.

 

Das ist aber viel Arbeit! (lacht)

(lacht) Ja, das stimmt, das ist auch Arbeit! Aber ich habe 40 Jahre gesagt, du zehn. (lacht) In zehn Jahren würde ich eigentlich am liebsten das machen, was ich jetzt mache. Wenn ich dann immer noch von meiner Musik leben und möglichst mit denselben Leuten unterwegs sein kann, wäre das spitze. Mein Traum ist ja jetzt schon hier, ich möchte ihn einfach so lange wie möglich halten. Das hängt auch stark von den Leuten ab. Mit meinem jetzigen Team fühle ich mich total wohl. Man kennt es aber immer, dass man irgendwann sagt: „Damals war’s so genial und es wird niemals wieder so werden.“ Ich bin im Moment gerade in diesem Damals (lacht) und hoffe, dass es nicht so schnell vorbei geht.

 

Seven – Like A Rocket Clubtour 2009


23. Oktober – Kofmehl, Solothurn*

24. Oktober – Stadthalle Chur

29. Oktober – Seewen Markt

31. Oktober – b’eat, Liechtenstein

06. November – Glashaus, Sirnach

07. November – Wäck, Oschwand*

13. November – Eintracht, Kirchberg

14. November – Kammgarn, Schaffhausen

20. November – Nordportal, Baden

21. November – Casino, Zug

28. November – Volkshaus, Basel

04. Dezember – Rampe Club, Bubikon

05. Dezember – Mühle Hunziken, Rubigen

 

 

* Für die Konzerte in Solothurn und Oschwand verlost Tink.ch je zwei Tickets. Wer gewinnen will, schreibt eine Mail an redaktion@tink.ch mit dem Ort als Betreff. Teilnahmeschluss ist am Freitag, 23. Oktober, 12.00 Uhr.

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