Gesellschaft | 11.10.2009

Polizisten und andere Verrückte

Text von Céline Graf
Ein Abend, so ironisch-trocken wie Whisky. Der Polizist und der Privatdetektiv lösten zwei Fälle in Bern mitsamt Wortduellen und Anspielungen auf das Weltgeschehen. Im Radio nicht sichtbar: Michael Schacht und Jodoc Seidel beherrschen hochstehenden Klamauk.
Jodoc Seidel liest den Polizisten und beherrscht die Kunst der Redepausen. Es darf auch gespasst werden in einem Krimi. Michael Schacht als Philip Maloney, gewohnt heiser. Fotos: konzertbilder.ch

Soso, dachten wohl viele, die sitzen also auch jeden Sonntag vor dem Radio. Mit dem Unterschied, dass niemand im eher jungen Publikum einen Pyjama trug. Gewöhnungsbedürftig, Maloney einmal nicht für sich allein zu haben, und interessant, die verschiedenen Reaktionen beobachten zu können. Eine kleine Enttäuschung zu Beginn: Die berühmte Anfangsmusik fehlte. Üble Sache, Maloney.

Spielraum genutzt

Dann standen sie vors Mikrofon, Michael Schacht in einem Trenchcoat – wenn klassischer Detektiv, dann richtig – und Jodoc Seidel als Polizist, stramm die Hosenträger. „Wir lösen die heutigen Fälle ‚Abseitsfalle‘ und ‚Klabautermann‘ Ohne Sponsoring der UBS“, stellten sie klar. Dies war die erste Anspielung auf die Finanzkrise, es sollten noch einige folgen. So hörte man ausserdem von Klimawandel und Medien, von Politik, Promis („Monk? Auf welchem Sender kocht der?“) und Bünzlitum („An den Vorgärten sollt ihr sie erkennen“). 

Jodoc Seidel und Michael Schacht nutzten den Spielraum zwischen und während den Fällen indem sie herumkasperten. Das konnten sie gut und dass sie sichtlich Spass an der Sache hatten, machte die beiden noch sympathischer. Ihre eigentlichen Hauptrollen traten zuweilen sogar in den Hintergrund. Alle Nebenfiguren sprachen Schacht und Seidel selbst. Gekonnt parodiert wurden hysterische Expartner, neurotische Kriegsveteranen, nachtwandelnde Schiffsfanatiker und andere Verrückte.

Der Besuch der kalten Made

Michael Schacht alias Philip Maloney schaute stets über den Brillenrand, eine Augenbraue hochgezogen, gab sich gewohnt heiser und knurrte die Satzenden nur so, dass Wörter wie „Papiertaschentuch“ zum Genuss wurden. Jodoc Seidel als lebenskluger Polizist  beherrschte die Kunst der Redepausen. Er zeigte sich zudem in den Wortgefechten als ebenbürtigen Gegenspieler des Privatdetektivs. Maloneys Humor, trocken wie sein geliebter Whisky, überhörte er und sinnierte stattdessen über Bildung und Kreuzworträtsel.

„Ich habe ein Buch gelesen“ – „Was ich befürchtet habe“, „Der Besuch der kalten Made“, „Flachbildfernseher oder altes Rohr?“. Zum Totlachen waren solche schlagfertigen Antworten, Anspielungen und Zweideutigkeiten. Manchmal wurden die Wortspiele gar absurd. Sinnbild dafür stellte der Tascheninhalt eines Klienten von Maloney dar: „Waffenschein, Impfausweis, Brillenrezept“.  

Schreibtisch oder Kreuzworträtsel

Am Ende des amüsanten Abends war nicht nur bekannt, das die Fussball-EM tödlich sein kann oder dass Boote eine Seele haben sollen, endlich kannte man auch die Gesichter zu den bekannten Stimmen. Zu jenen zwei Figuren, die schon längst zum Kult geworden sind und zwar über drei Generationen hinweg. 

Jaja, fragten sich jetzt vielleicht manche, ob nicht in uns allen ein unbequemer, mittelloser Detektiv steckt. Ob wir nicht auch unter dem Schreibtisch schlafen möchten, weil wir nichts Bindendes wie ein Bett kaufen wollen. Und ob wir auch ein wenig Polizist sind. Ein Polizist, der Kreuzworträtsel liebt, weil die immer aufgehen und einem so nie enttäuschen.

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