Gesellschaft | 04.10.2009

Liebesgeflüster

Es ist mir schon klar, dass der Dunst der Gewässer wie auch das pittoreske Blättermeer den Herbst romantisch machen. Als ich heute jedoch mit meinem Fahrrad nichtsahnend der Aare entlangfahre, dreht sich mir der Magen um.
Traute Zweisamkeit unter dem Blätterdach?
Bild: knipseline / pixelio.de

Vierzehn verliebte Pärchen händchenhaltend in einer Kolonne. Pandabärchen & Knuffel, Hasi & Schatzi, Mausi & Tiger, Äffchen & Blümchen, Engelchen & Baby, Allerliebste & Biffifant, Captain & Puppe, Casanova & Darling, Erdbeerchen & Fröschlein, Käfer & Rehlein, Würmchen & Öhrchen, Knuddelwuddel & Tuktuk, Urmel & Zuckerschnute, Feelein & Wuschel. Alle sind sie da.  

Achtundzwanzig rosa Brillen starren mir entgegen. Abgelenkt von diesem doch eher grotesken Anblick, remple ich den Randstein und drohe zu fallen, glücklicherweise drückt mich der bereits dichtgewordene Liebesnebel sanft in meine Ausgangslage zurück und ermöglicht es mir, geradeaus weiterzufahren.  

Traumatisiert und überzeugt nie, nie, nie, niemals so zu enden, tauche ich in meine Gedankenwelt ein. Ich sehe mich in einem 50er-Jahre-Kleid, mit hochgesteckter Frisur, ich bereite gerade Klösse zu, während mein Mann von der Arbeit nach Hause kommt, mir einen Kuss auf die Stirn drückt und anschliessend im Garten Herbstlaub rechen geht. Ich schüttle den Kopf, kehre in die Realität zurück und geniesse die Zeit mit mir allein.