Kultur | 19.10.2009

Herr Frei hat selten frei

Text von Indre Jödicke
Probenbesuch bei Michael Frei. Er sitzt am Flügel, eine Tüte mit Knabbereien, Noten und Textbücher vor sich, locker bekleidet mit Hemd und Jeans. Michael Frei, 50, arbeitet seit 18 Jahren am Stadttheater Bern.
"Andorra" "Für Fremdsprachige" "Revolvertraum"

Von seinem Lehrer für Musik begeistert, wollte er ursprünglich Musiklehrer werden, blieb dann aber beim Staatstheater Kassel (Deutschland) „hängen“. Von dort aus ging es nach Krefeld, und als der dortige Theaterdirektor nach Bern zog, kam Michael mit, zusammen mit seiner Frau, die inzwischen ebenfalls am Theater arbeitet und seinem Sohn. Heute haben die Beiden ein zweites Kind.  

Ratsch, Bumm

Als Leiter der Schauspielmusik des Stadttheaters Bern dirigiert Michael z.B. bei manchen Vorstellungen das Orchester. Während der Proben übt er mit den Schauspielern die Lieder ein und ersetzt nur mit Stimme und Klavier das ganze Orchester, wie zum Beispiel heute bei den Proben für Sweet Charity. Während er die Grundmelodie auf dem Flügel spielt, imitiert er besondere Geräusche und Akzente mit „Ratsch“, „Bumm“, etc. Sind Sprechszenen an der Reihe, bleibt er hinter dem Flügel sitzen, nascht von seinen Knabbereien, summt leise ein paar Melodien, beobachtet die Darsteller bei ihrer Arbeit, lacht und scherzt mit ihnen oder überlegt bei Fragen von Bewegung, Tonfall und Wortwahl mit. Seine Arbeit beansprucht viel Zeit: Eine zwanzigminütige Minuten Pause zwischen zehn Uhr und halb drei muss genügen. Und wo bleibt dabei das Mittagessen? Das wird „zwischendurch kurz reingeschoben“, wie er selber sagt.  

Leidenschaften ausleben

Musik spielt nicht nur in der Oper und im Ballett, sondern im ganzen Theaterbetrieb eine grosse Rolle. So hat Michael Frei immer viel zu tun. Und wenn er doch einmal etwas mehr Zeit hat – dann übernimmt er einfach als Schauspieler eine Rolle im nächsten Theaterstück. Und was macht ein Theater-Profi in seiner Freizeit? Im Sommer hat Michael ein paar Wochen Urlaub. Dann verreist er nach Kreta oder nach London – und geht ins Theater! Auch ansonsten macht er in seinen freien Stunden oft einfach dasselbe wie im Beruf: Er hört Musik und besucht das Theater und spielt Klavier und Gitarre. „Ich probiere aber auch gerne ein anderes Instrument aus“, erzählt er mit seiner ruhigen Stimme, „beispielsweise Dudelsack oder Blockflöte“. Michael hat beim Berner Theater wirklich die Stelle gefunden, an der er seine Leidenschaften ausleben kann. Demnächst ist er als musikalischer Leiter des Musicals „Sweet Charity“ zu erleben.  

Über die Autorin


Von Rebekka Vögeli (16)  

Gross, dunkelhaarig, stets mit einem stillen Lächeln auf dem Gesicht und klugen Augen hinter einer randlosen Brille – so in etwa lautet die Kurzbeschreibung von Indre Jödickes Aussehen. Die belesene Gymnasiastin fällt schnell durch ihre Intelligenz auf. Ihr Wissen eignet sie sich aus Büchern aller möglichen Genres an. Am liebsten mag die 15-jährige Gedichte, aber auch Krimis, Fantasy- und historische Geschichten wehrt sie nicht ab. Wenn sie nicht im Köniz-Lebermatt-Gymnasium sitzt und Lernstoff büffeln muss, vertreibt sie sich ihre Zeit auch gerne mit Schwimmen. Bis vor kurzem war sie Mitglied in einem Schwimmklub. Ausserdem halten sie zuhause die jüngere Schwester Ilon und die Katzen Pia und Chicoletta auf Trab. Am liebsten würde sie ihr Leben grösstenteils lesend verbringen, und deswegen könnte sie sich vorstellen, später einmal Lektorin zu werden. Bei ihrer Berufswahl hat sie sich allerdings noch nicht definitiv festgelegt, denn Jura würde sie auch interessieren. Was sie allerdings weiss, ist, was sie gar nicht werden möchte: zum Beispiel Ärztin.  

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