Gesellschaft | 25.10.2009

Generationenkollision anderer Art

Verschiedene Generationen, verschiedene Sitten. Dass sich alte Leute um die heutige Jugend sorgen, kennt man. Dass die jüngste Generation jedoch beginnt, den Jugendlichen Kopfzerbrechen zu bereiten, ist neu.
Komplizierter als Logarythmusfunktionen - über die Eigenarten der Generationen lernt man nie aus.
Bild: knipseline / pixelio.de

Um mal wieder etwas effizienter zu lernen, suche ich die Kornhausbibliothek auf, breite ziemlich frustriert meinen Mathekram auf einem der Tische aus und beginne, fade Zahlen in meinen Rechner einzutippen. Ein in der Nase popelnder Junge kommt auf mich zu und fragt mich, ohne seine Tätigkeit zu unterbrechen, was ich hier denn so treibe. Ich antworte ihm, dass ich für meine Abschlussprüfung Mathe lernen müsse. Er lacht lauthals los, ob ich lernschwach sei, will er wissen – Hallo? Lernschwach? Ein siebenjähriger Junge kennt doch das Wort „lernschwach“ nicht!  

Er erklärt mir mit gehobenem Finger, jenem der nicht in der Nase steckt, dass er total gut in Mathe sei und er sicherlich niemals lerne und dass ich wahrscheinlich einfach mal alles gut erklärt bekommen müsse und dann sei dies kein Problem mehr. Er zeige mir gerne, wie dies funktioniere und ach ja, ob ich eigentlich einen Freund habe und ob ich alleine wohne. „Ich finde das ziemlich komische Fragen für ein Kind. Möchtest du nicht wissen ob ich ein Haustier habe?“ Er schaut mich etwas verwundert an und meint nur trocken: „Soll ich dir jetzt helfen oder nicht?“ Ich erkläre ihm, dass ich es noch ein wenig selber versuchen werde, ich ihm aber mitteilen würde, falls ich auf Probleme stosse. Er nickt und verschwindet hinter dem Comicregal.  

Zwei Aufgaben später steht der Junge, nun den anderen Finger in der Nase, wieder vor meinem Tisch und seufzt: „Ich hab schon gemerkt, dass du lieber alleine arbeiten möchtest, das ist schade. Aber vielleicht sehen wir uns ein anderes Mal wieder. Ich muss gehen, Kleines.“ Er zwinkert kurz mit beiden Augen zu und verlässt die Bibliothek.

Meine Güte, sorgt euch nicht um unsere Jugend, der Knoten sitzt viel tiefer, beziehungsweise früher.