Gesellschaft | 11.10.2009

Geheimsprache Mattenenglisch

Text von David Naef | Bilder von matte.ch
Letztes Wochenende feierte der Matteänglisch-Club sein 50-jähriges Bestehen. Die Geheimsprache Mattenenglisch, die der Klub pflegt, droht zu verschwinden. Es liegt in den Händen der jungen Generation, das Kulturgut aufrecht zu erhalten.
Das Wöschhüsi ist ein Haupttreffpunkt des Matteänglisch-Clubs.
Bild: matte.ch

„Itteme-Inglische igenpfle“ ist Mattenenglisch und lässt sich ins Deutsche mit „Mattenenglisch pflegen“ übersetzen. Genau solche Ausdrücke sollen auch in Zukunft noch existieren und nicht verloren gehen. Dafür sorgt seit 1959 der Matteänglisch-Club. Am letzten Wochenende feierte er mit einem Fest in der Matte ein halbes Jahrhundert Bestehen.  

Von Norddeutschland nach Bern  

Mattenenglisch entstand im Mittelalter, erklärt Peter Hafen, Präsident des Jubilars. Damals machte sich Bern, insbesondere das Matte-Quartier an der Aare, dank seinen guten Handwerkern einen Namen. Eisen- und Lederverarbeitung waren die Haupterwerbszweige. Doch alle produzierten Güter in der Stadt Bern zu vertreiben, war ein Ding der Unmöglichkeit. Also machten sich Handelsleute mit Schiffen von der Matte aus auf den Weg zu den grossen Märkten in Zurzach und im Elsass. Man nimmt an, dass Mattenenglisch über diesen Weg von Norddeutschland bis nach Bern gefunden hatte. Aufgrund der topografischen Lage des Mattenquartiers, welches sich an der Aare befindet, waren Mätteler hauptsächlich unter sich. Daher konnte sich das Mattenenglisch länger halten als die Geheimsprachen anderer Städte wie beispielsweise Zürich. „Die Sprache wurde aber nur dann gesprochen, wenn Drittpersonen nichts verstehen sollten“ fügt Peter Hafen an.  

Mattenenglisch vor dem Untergang  

Anfangs 20. Jahrundert kündigte ein Berner Professor das Verschwinden von Mattenenglisch an. Doch dem war nicht so. Nazideutschland brachte der Geheimsprache einen erneuten Aufschwung, da man sich von der deutschen Sprache und damit den Nazis abgrenzen wollte. Doch nach dem 2. Weltkrieg drohte das Mattenenglisch endgültig im Nichts zu versickern. Darum gründeten einige Sprachliebhaber vor 50. Jahren den Klub zur Erhaltung und Pflege der Sprache.  

Einfach zu lernen  

„Mattenenglisch gehört in die Kategorie der sogenannten Spielsprachen. Das heisst, die Silben der einzelnen Wörter werden vertauscht und Buchstaben ausgetauscht. Dieses Spielen ist leicht zu erlernen. Es müssen nur einige Grundregeln (siehe Crashkurs unten) und Ausnahmen begriffen werden, um Mattenenglisch zu sprechen.“ „Das Verstehen ist etwas anderes“, erzählt der Präsident weiter, „Zuhören und Verstehen ist schwierig. Man muss sich zuerst etwas ‚einwärmen‘, um richtig verstehen zu können. Und ohne Übung hat man sowieso keine Chance.“  

Junge zeigen Interesse  

Ob die Geheimsprache und zugleich Kulturleistung der Mätteler auch in Zukunft noch in dieser Form existieren kann, weiss Peter Hafen nicht. Aber Interesse in der jüngeren Generation ist durchaus vorhanden: „Es gibt immer wieder Gruppen junger Männer und Frauen, die einen Crashkurs verlangen. Und auch Arbeiten von Studenten und Maturanden tauchen immer wieder auf, die sich mit der Sprache befassen.“ Ausserdem gibt es tatsächlich noch Leute, die Mattenenglisch zu Hause sprechen. „Wir wissen von einer Familie, bei der Mattenenglisch noch gesprochen wird. Natürlich nicht am Mittagstisch, wenn man über Goethes Werke diskutiert, aber ab und zu.“  

Crashkurs  

Die Zukunft der Geheimsprache und des wertvollen Kulturgutes liegt also in den Händen der jungen Generation. Wer dazu einen Beitrag leisten will, kann sich für einen Crash- oder auch Intensivkurs anmelden. Hier als Vorgeschmack die vier Grundregeln des Mattenenglisch:  

1. Die erste Silbe bis einschliesslich erstem Vokal wird an den Schluss gestellt. 2. Fängt die erste Silbe mit einem Vokal an, wird ein h eingeschoben und dann die Silbe ans Ende gestellt.
3. An den Anfang wird ein i gestellt.
4. Der letzte Buchstabe (ein Vokal) wird durch e ersetzt.  

Itteme-Inglische isthe ichtne ierigschwe, iderhe?

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