Gesellschaft | 26.10.2009

Engelin für Menschen mit Handicap

Text von Andrea Immler | Bilder von Andreas Renggli
Am Samstag hat im Berner Kursaal die erste Miss Handicap-Wahl der Schweiz stattgefunden. Eine Baselländerin ist zur Botschafterin gekürt worden und möchte nun in der Gesellschaft ein Zeichen setzen. Die Botschaft: Schönheit darf auch mit einer Behinderung gezeigt werden.
Corinne Parrat, die erste Miss Handicap.
Bild: Andreas Renggli

Unterschiedliche Behinderungsarten sind heute Abend vertreten. Die Devise dabei lautet, sich selbst zu sein, auch auf der Bühne. Nach langem Warten eröffnen Michelle Zimmermann, Eventmanagerin der Misswahl, und Ex-Mister Schweiz Tim Wielandt den Galaabend im Berner Kursaal. Das Publikum sorgt für gute Stimmung, Freunde, Familien und Fangemeinden sind angereist, um ihre schönsten Rollstuhlfahrerinnen zu unterstützen. Plakate mit Slogans wie „Du wirst es schaffen“ und „Viel Glück“ schmücken die Wände des Lokals.

Beflügelnd

Eine vierköpfige Jury mit bekannten Gesichtern, darunter auch Ex-Miss Schweiz Tanja Gutmann, beurteilt die Frauen, die mit Charme die neusten Kleider eines Modegeschäfts präsentieren. Es wird getuschelt, geschrieben und kritisch beobachtet. Als der Blick auf die Bühne zurückfällt, zeigen sich die Frauen in Abendkleidern, die an einen Schulabschlussball erinnern. Die Kandidatinnen haben denn auch eine Tanzchoreographie einstudiert, Tänzer dürfen dabei nicht fehlen. Darbietungen der Band Index und der Zauberkünstler Wundertäter umrahmen die Show und geben der Jury jeweils Zeit für Entscheidungen.

Während der Pause wird diskutiert, wer wohl gewinnen könnte. Die Wahl fällt auch dem Publikum nicht leicht. Von den zwölf Finalteilnehmerinnen steht schliesslich nur noch die Hälfte auf der Bühne. Tim Wielandt stellt den verbliebenen Kandidatinnen Fragen zu ihrem Leben. Vor der Krönung fordert die Mundartsängerin Natacha das Publikum mit ihrem Song „I fa die uf“ zum Mitsingen auf. Ein Hit, der an die dunklen Zeiten des Lebens mit einer Behinderung erinnert und trotzdem die Botschaft vermittelt, nie zu vergessen, Brücken zu bauen sowie Menschen mit einer Behinderung Flügel zu schenken, die einem über diese gebauten Brücken tragen.

Schönste kommt aus Baselland

Die Kandidatinnen werden jeweils vom kräftigen Applaus des Publikums „beflügelt“. Nach einer weiteren Ausscheidungsrunde sind nur noch zwei Frauen im Rennen: Corinne Parrat und Cindy Gadola. Im Saal ist es so still, dass man meinen könnte, selber gehörlos zu sein. Das erlösende Kuvert wird geöffnet, Siegerin ist Corinne Parat. Die 29-jährige Kauffrau kommt aus dem Kanton Baselland.

Die Schweiz hat nun eine erste Miss Handicap. Eine Engelin, die als erste über die Brücke laufen kann, um Menschen mit und ohne Behinderung auf ihre eigene Art und Weise zu verzaubern.

Links