Gesellschaft | 19.10.2009

„Bund“ trägt neues Kleid

Text von Julia Weiss | Bilder von Julia Weiss
Heute Donnerstag, 15. Oktober 2009 ist es so weit. Der neue «Bund« ist da. Mit klammen Fingern öffne ich den Briefkasten und da liegt er. Hilflos wie ein ausgesetztes Kind, noch ganz kalt von der herbstlichen Morgenluft.
Alt und neu.
Bild: Julia Weiss

Zusammen mit dieser herbstlichen Luft sind sie gekommen, die neuen Layouts der Zeitungen, die jetzt auch beinahe jeden Tag verzweifelt prophezeien, dass sie weiter existieren werden. Nur halt in einer anderen, bisher unbekannten Form, welche die Zeitungen in Zukunft retten soll. Der „TagesAnzeiger“ und der „Blick“ haben ein neues Kleidchen. Und jetzt also „Der Bund“.  

Zeitung in der Pubertät

Nun, da er in der warmen, nach Kaffee duftenden Küche liegt, kommt er mir nicht mehr wie ein ausgesetztes Kind vor, sondern eher wie ein Teenager, der noch nicht recht weiss, wohin mit sich selbst und seinem Körper. Wobei es wahrscheinlich auch mit den Kindern (ausgesetzt oder nicht ausgesetzt) so läuft: Sie werden Teenager, die sich neu „layouten“, um innerlich mit grossen seelischen Nöten ihre persönliche Note zu finden.    

Aber zurück zum Layout: Es scheint mir populärer gestaltet. Der (alte) „Bund“, den ich zum Vergleich daneben lege, macht mir einen unauffälligeren, weniger selbstbewussten und deshalb ein kleines Bisschen sympathischeren Eindruck. Neu sind es fünf Spalten statt deren sechs, was die Sache ein wenig übersichtlicher macht. Der Balken mit den wichtigen Headlines, die jetzt in grösserer Schrift erscheinen, ist ebenfalls in fünf Spalten geteilt und schwebt über dem Emblem, das jetzt grösser und dicker ist. Neu ist auch, dass es nicht nur samstags einen „kleinen Bund“ gibt, sondern gleich jeden Tag in abgespeckter Form. Eigentlich der Kulturteil der Zeitung.  

Drei Bären

An sich macht der neue „Bund“ keine schlechte Falle für eine Zeitung, die sich gut verkaufen will. Nur ist das neue Layout schon ungewohnt, sogar unpassend im ersten Augenblick, denn der alte „Bund“ kam irgendwie immer so typisch Bernerisch – daher: Ein wenig gelangweilt und eher bescheiden, langsam und unauffällig. Ein alter Bär zu dem sich jetzt noch zwei junge ausgesetzte russische Bärchen gesellen.  

Und jetzt? Jetzt ist der „Bund“ halt anders, aber immer noch eine Zeitung und kein ausgesetztes Kind. Viel wichtiger als das Layout, so scheint mir, ist der Inhalt einer Zeitung. Den führe ich mir jetzt zusammen mit einem Kaffee zu Gemüte.