Gesellschaft | 12.10.2009

Bauernregeln für schwierige Zeiten

Text von Julian Stiefel | Bilder von Julian Stiefel
Am Donnerstag 8. Oktober wurde die 67. OLMA Messe eröffnet. Die Schweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung hat noch bis Sonntag ihre Tore geöffnet. Tausende Besucher werden erwartet, als Erster kam Bundespräsident Merz
Der Bundespräsident hatte als erfahrener OLMA-Besucher keine Berührungsängste. Franco Panizza aus dem Trentino bei seiner Begrüssungsrede. Für musikalische Unterhaltung war gesorgt. Merz zeigte sein Geschick im Umgang mit der Landwirtschaft.
Bild: Julian Stiefel

Während elf Tagen präsentiert sich die Schweiz von ihrer landwirtschaftlichen Seite. Für Unterhaltung und Wissensvermittlung ist gesorgt. Informative Sonderschauen, Tierausstellungen, Degustationsmöglichkeiten und der OLMA-Umzug am Samstag, 10. Oktober sind nur einige Beispiele des attraktiven Angebotes.

Ehrengäste Südtirol und Trentino

Die Ehrengäste der diesjährigen OLMA sind die beiden autonomen italienischen Provinzen Südtirol und Trentino. Wie unsere Kantone haben sie ihre eigene Kultur, eigene Tradition und übernehmen politische Eigenverantwortung. Höhepunkt war der Festumzug durch die St.Galler Innenstadt und der Festakt in der Arena, bei denen sie ihre Tierarten, ihre kulturelle, kulinarische Vielfalt und den Tourismus vorstellten.

Eröffnung durch Bundespräsident Merz

Eröffnet wurde die OLMA am Donnerstag Morgen durch Bundespräsident Hans-Rudolf Merz im Stadttheater St.Gallen. Seine Rede lief unter dem Titel „Bauernregeln für schwierige Zeiten“. Dabei berief er sich auch immer wieder auf Bauernregeln, da nach ihm „da und dort mit einer Bauernregel manches leichter verständlich ist“. Eine Kostprobe:

Schaut im Oktober der Mä(e)rz herein

Wird es wohl wegen der OLMA sein

Er machte zudem darauf aufmerksam, dass die OLMA für ihn eine gute „Freundin“ sei. Er sei schon von Kind an mit ihr vertraut gewesen. Sie habe zudem den gleichen Jahrgang wie er.

Strukturwandel fordert Landwirtschaft

Insbesondere sprach Merz drei aktuelle Themen an: Den Agrarfreihandel, die Milchwirtschaft und die Mehrwertssteuer-Reform.

Hans- Rudolf Merz ist überzeugt, dass die Schweiz offene Märkte braucht. Dieser freie Zugang zu ausländischen Märkten gehöre zu den wichtigsten Voraussetzungen für Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand. Schlussendlich wird auch das Wirtschaftswachstum durch den Erwerb und Verkauf im Ausland gefördert.

Momentan erleben unsere Milchbauern schwierige Zeiten. Die weltweite Nachfrage ist durch die Wirtschaftskrise gesunken und somit entstand ein Preisdruck. Die Überproduktion lagert in Form von Butter und Milchpulver in den Regalen, zu einem Spottpreis. Die Rückkehr zur staatlichen Planwirtschaft sei trotzdem keine Option.

Letzter Punkt war die Mehrwertssteuer-Reform. Der erste Schritt sei schon getan. Der zweite momentan in Entwicklung. Es geht um einen Einheitssatz von etwa 6.1 Prozent, was in Sachen Vereinfachung eine Pioniertat sei. Die unverständlichen Abgrenzungsprobleme wären somit beseitigt. Das Projekt läuft beim Parlament übrigens unter dem Code-Namen OLMA, was „Ohne lästige Mehrwertssteuer-Ausnahmen“ bedeutet.

Begrüssung durch OLMA-Direktor

Auch Hanspeter Egli, Direktor OLMA Messen St.Gallen, trat auf die Bühne. Er begrüsste die zahlreichen prominenten Gäste und klärte nochmals darüber auf, welche Bedeutung die landwirtschaftlichen Produkte haben: „Die OLMA Messe für Landwirtschaft und Ernährung präsentiert diese Vielfalt landwirtschaftlicher Produkte, einerseits so original, wie sie uns die Natur schenkt, und andererseits fachkundig weiterverarbeitet zu vielen verschiedenen, feinen Lebensmittelspezialitäten. Obstbau ist nicht nur in der Ostschweiz für die Bauern ein wirtschaftlich wichtiger Erwerbszweig.“

Der Apfel als Botschafter

Speziell in diesem Jahr wurde der Apfel als Botschafter und Symbol der OLMA herausgegriffen: „Aus dieser immensen Fülle haben wir dieses Jahr als Botschafter der OLMA den Apfel herausgegriffen, eine Frucht, die als hochwertiges und gesundes Nahrungsmittel geschätzt wird und ohne Verarbeitung, also so, wie die Natur ihn uns schenkt, gegessen werden kann.“ Darum zieren die Apfel auch die diesjährigen Plakate.

Schwungvoller Landesrat

Nachdem Egli auf unsere Gastprovinzen angesprochen hatte, folgten zwei Reden durch die Landesräte Thomas Widmann (Bozen-Südtirol) und Franco Panizza (Trient). Besonders die schwungvolle Ausführung von Thomas Widmann erhielt zahlreiche Applause. Er betonte, dass ihnen die Schweizer Gäste die liebsten Gäste seien. Die Schweiz sei ihr Vorbild.

Berauschende Filmausschnitte

Etwas berauschend waren die beiden Filmausschnitte aus den Gastregionen. Die Musik rieselte auf das Publikum nieder, während wahre Traumlandschaften vorgeführt wurden. Der ideale Werbefilm für die Regionen.

Merz in Aktion

Anschliessend ging es mit einem kleinen Umzug vom Theater auf das Messegelände, wo Bundespräsident Merz eine aktive Tour durch die Ausstellung machte. Die Medien stürzten sich auf ihn, wie auch zahlreiche Besucher. Die Wege sind viel zu schmal für die vielen Medien. Die Securitas-Leute in der Front hatten viel zu tun, um den Weg frei zu machen. Zum Schluss genoss Merz ein Glas Wein in der Halle des Gastkantons. Das Blitzlichtgewitter beruhigte sich allmählich.

67. OLMA Messe

An der diesjährigen OLMA belegen 659 Aussteller eine Fläche von 27’383 m2. Die Gesamtfläche der Messe ist jedoch knapp doppelt so gross. Es gibt zudem 25 Sonderschauen. Doch auch ausserhalb des geschlossenen Messegeländes geht es munter zu und her. Der Jahrmarkt bietet wie jedes Jahr parallel zur OLMA zahlreiche Möglichkeiten, sich zu amüsieren.