Vorschau: PinkPanorama 2009

Versteckte Sehnsüchte, grenzenlose Leidenschaft, unterdrückte Freiheiten, Auf- und Ausbrüche sowie Wechselbäder zwischen Lust und Frust. Das bietet das 8. LesBiSchwule Festival PinkPanorama mit seinen zwölf Filmen vom 12. bis 18. November 2009 im stattkino in Luzern. Der Fächer reicht von der Alltagsgeschichte über das opulente Kostümdrama bis hin zur dokumentarischen Oper.

Ein israelscher Film, der hierzulande garantiert noch für Diskussionsstoff sorgen wird, ist “Eyes wide open”. Aaron, ein verheirateter orthodoxer Jude und Vater von vier Kindern (Zohar Strauss), verliebt sich in Ezri (Ran Danker), einen 19-jährigen Talmudstudenten, und lässt diesen als Lehrling in seiner Metzgerei arbeiten. Dort entsteht zwischen den beiden eine enge Freundschaft, die sich schliesslich zu einer sexuellen Beziehung entwickelt. Beide sehen sich fortan mit dem absoluten Tabuthema der Homosexualität in der orthodoxen Welt wie auch mit dem eigenen inneren Kampf konfrontiert.

Eine geheimnisvolle Liebesgeschichte von Frauen zwischen zwei Kulturen und zwei Städten erzählt “Ghosted”. Der ungeklärte plötzliche Tod ihrer taiwanesischen Geliebten Ai-ling wirft die Hamburger Künstlerin Sophie Schmitt (Inga Busch) völlig aus der Bahn. Sie widmet ihr eine Videoinstallation, die auch in Taipeh gezeigt wird. Während der Eröffnung heftet sich Mei-li an ihre Fersen. Die geheimnisvolle Besucherin scheint von Ai-Lings Schicksal besessen, gleichzeitig aber umwirbt sie Sophie.

Eingebettet werden die Filme in ein vielfältiges Rahmenprogramm. So findet am Samstagabend zum ersten Mal ein Improvisationstheater mit den “Platzhirschen” statt. Und nach dem Film “Were the World Mine” steigt im Kinofoyer Bourbaki die Disco von Mona Lila mit DJ Glitzerhaus. Am Sonntagmorgen verfeinern “les Belles et les Femmes” den Brunch im Hotel-Restaurant Hofgarten mit musikalischen Leckerbissen. Der Chor besingt verschiedenste Lebenswelten von Frauen und untermalt diese mit szenischen Darstellungen. Am Sonntagabend gewährt der Dokumentarfilm “It’s Elementary” Einblick in amerikanische Schulstunden, in denen über Homosexualität gesprochen wird. Er dient als Einstimmung auf das anschliessende Podium, wo Fachleute wie Esther Schönberger, CVP-Kantonsrätin und Rektorin der kaufmännischen Berufsschule Luzern, und Ulrich Zimmermann, Leiter des Moduls Sexualpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz, über sexuelle Orientierung in der Schule diskutieren.

Auch die Homosexuellen Arbeitsgruppen Luzern (HALU) sind in ihrem Jubiläumsjahr am Festival präsent. Zu ihrem 30. Geburtstag runden sie ihre Jubiläumsfilmreihe am Dienstag mit dem Film «Soundless Wind Chime» und einem Apéro ab.

Unterstützt wird das Festival insbesondere von Network, Wybernet, AIDS-Hilfe Luzern, Gemeinnützige Gesellschaft der Stadt Luzern, Homosexuelle Arbeitsgruppen Luzern (HALU), Lesbenorganisation Schweiz (LOS), Pink Cross und Elterngruppe Schweiz (FELS).

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Das Verdrängen wird schwieriger

“als ob der Schnee auf alle Feindschaft, Begierde und Haß sinke und die Menschen einander annähern”

 

Wenn man die Treppe runtersteigt, in die Katakomben des Luzerner Theaters vordringt, verlässt man für eine Stunde und 45 Minuten den sicheren Boden einer harmlosen Schweizer Stadt. Dumpfes, blaues Licht und eine kühle, schlichte Kulisse erwarten einen wenn man den Vorführungsraum, die türkische Provinzstadt Kars, betritt. Bei dieser Vorstellung gab es keine Zuschauer, nur schuldige Beobachter. Die Stühle am Rand und rund um das Geschehen angeordnet, die Schauspieler, die sich immer wieder in die Reihen der Zuschauer setzten, und von dort aus agierten, zwangen das Publikum die ganze Zeit über in ängstlicher Spannung zu verharren, eine Position gegenüber dem Spiel in der Mitte einzunehmen. Denn plötzliche wurde man wieder in gleissendes Scheinwerferlicht getaucht und dadurch gezwungen, ein mimisches Urteil abzugeben.

 

Wir alle konnten miterleben, wie Ka, ein türkischer Intellektueller, seine inneren Konflikte, die gleichzeitig auch ein äusserlich und dadurch existentiell weren, austrägt. Hin- und hergerissen zwischen den Idealen der westlichen aufgeklärten Welt, den Traditionen seines Heimatlandes und der fundamentalen Auslegung des Islams. Dazu die Liebe einer Frau und dazwischen immer wieder der Schnee, der immer aber mit ihm kein Urteil fällt und die Politik, die Religion und das Machtstreben des Menschen als endlich und lächerlich erscheinen lässt.

 

Der Eindruck, den das Schauspielensembles hinterliess, war nachhaltig. Ihr Spiel war intensiv, drückend und bisweilen auch aggressiv.

 

Die Inszenierung war fordernd und progressiv zu kritisieren ist einzig, dass Zuschauer, die das Buch nicht gelesen haben, zeitweise Schwierigkeiten haben, dem chronologisch gebrochenen Ablauf zu folgen.

 

Nach einer Stunde und 45 Minuten Theater ist man froh, wieder die Treppe hinauf zu steigen, Kars zu verlassen und wieder in der Schweiz zu sein. Man kann das Gesehene verdrängen und das türkische Problem vergessen – aber es ist jetzt schwieriger als zuvor.

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Aus dem Lande des Lächelns

Nach einem indonesischen Apéro – gemeinsames Essen hat in Indonesien einen hohen Stellenwert – begrüssten Lina Schmidlin, die Präsidentin des Vereins Indonesia-Schweiz, und die indonesische Botschafterin die Gäste. Nach den Reden gab es auch visuelle Reize für die Anwesenden: Tänzer aus Paris und Wahnsinnsstimmen aus Indonesien. Ja, die Stimmen sind nicht visuell, aber Musik überschreitet die Sprachbarriere. Wohin man auch sah: Glückliche Gesichter, angeregte Unterhaltungen und herzliche Umarmungen. Die Mentalität, von der Helmut Brunel im vorhergegangenen Interview schwärmte, war definitiv zu spüren.

Interessant war ebenfalls, dass während der ganzen Zeit eine weihnachtliche Stimmung vorherrschte. Wie ein Kleinkind, das mit grossen Augen den Weihnachtsbaum anstarrte, schaute ich die Kollektion von Ananta& Brunel an. Das gross angekündigte “Modetheater” erfüllte meine Erwartungen zwar nicht ganz, aber die Stücke aus der Linie haben das wieder wett gemacht. Wunderschöne Entwürfe, detailverliebt verarbeitet und zu guter Letzt schritt auch noch ein Model in Brautkleid daher. Wie viele Meter Tüll und wie viele einzelne Perlen für dieses Kleid gebracht wurden, ist nicht bekannt, doch gelohnt hat es sich. Durch die Semitransparenz im Unterteil des Kleides verlieh das Duo ihrer Braut einen hauch erotischer Unschuld.

Das Motto “Hot In The City” hat das Designerduo modern umgesetzt, ein urbaner Chic, der vom Laufsteg direkt auf die Strasse getragen werden kann. Vorallem die Stücke aus der Herrenkollektion vereinen zwei Komponenten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Stil und Hip Hop. Und bevor ich mit empörten Kommentaren bombardiert werde, lass ich DEUTLICH verlauten, dass das nur meine Meinung ist. Ein kleines Fischen im Meinungsmeer sozusagen. Hip Hop mag vieles sein, es mag stylish und cool und bequem und krass und weiss ich nicht was sein – aber als stilsicheres Genre erschien es mir nie.

Die Farbe Braun dominierte eindeutig (meist mit Schwarz und Gold kombiniert- Daumen Hoch meinerseits), jedoch sah man auch viele orientalische Farben und Stoffe. Besonders ins Auge gestochen ist mir ein semitransparentes, schwarzes Kleid im Bondage Stil. Wenn schon weihnachtliche Stimmung vorherrschte, warum kommt dann nicht das Christkind und schenkt mir dieses Kleid? Am besten in Grösse 36?

Info


Die Designer Fashion Show fand am 24. Oktober 2009 im Rahmen des alljährlichen Herbstfestes des Vereins Indonesia-Schweiz (VIS) statt. Ziel des Vereins ist die Förderung der Sympathien zwischen Indonesien und der Schweiz auf kultureller und sozialer Ebene. An diesem Abend sammelte der VIS auch Spenden für die Krebsstiftung Indonesischer Kinder "Indonesian Childhood Cancer Foundation" in Jakarta.

Mit Kreativität und mehr Selbstbewusstsein

Am 21. November besteht für Mädchen bis 16 Jahre die Möglichkeit, sich kostenlos an einem der Workshops zu beteiligen. Die TeilnehmBild_Maperinnen können beispielsweise als DJanes Erfahrungen sammeln, sich im Streetdance zu rhythmischen Klängen bewegen, ihr Schauspieltalent entdecken oder ein eigenes T-Shirt schneidern. Auch Untypisches wird geboten: Im Workshop “Schweissen” können die Teilnehmerinnen Blech und Eisenstangen bearbeiten.

Kreativer Austausch über Gemeindegrenzen

Der Tag endet mit einem gemeinsamen Abendessen und einer offenen Bühne, die für eigene Beiträge genutzt werden kann. Gemäss den Organisatorinnen ist es das Ziel, Mädchen aus verschiedenen Regionen zum kreativen Austausch zusammenzubringen. Sie sollen neue Erfahrungen sammeln, gerade auch in Bereichen, die sie noch nicht so gut kennen. Organisiert wird das mäp von der Fachgruppe Arbeit mit Mädchen (FAM) in Zusammenarbeit mit der okaj zürich.

Mädchen Power-Tag (mäp) am 21. November 2009 im Jugendkulturhaus Dynamo (Wasserwerkstrasse 21, 8006 Zürich). 13 Uhr – 19.30 Uhr. Für alle Workshops sind noch Plätze frei.

Anmeldung bis am 6. November 2009 unter 044 922 72 44 oder jugendarbeit(at)uetikon.org

3000 Kilometer durch die glühende Einöde

Global Green Challenge. Wer bei diesem Namen an einen Wettstreit zwischen ambitionierten Hobbygärtnern denkt, täuscht sich. Die Global Green Challenge ist eines der härtesten Fahrzeugrennen der Welt. Eine Rallye, bei der sich die Teilnehmer nicht mit benzinbetriebener Motorenkraft, sondern mit purer Sonnenenergie konkurrieren. Das Rennen ist “Global”, weil 38 Teams aus 17 Ländern daran teilnehmen, es ist “Green”, weil ausschliesslich Solarmobile an den Start dürfen und es ist eine “Challenge”, weil derjenige gewinnt, der mit seinem Gefährt die 3000 Kilometer durch Australiens Einöde am schnellsten hinter sich bringt.

Seit letztem Sonntag ist es wieder so weit. Mit dabei ist Dominic de Vries mit seinem achtköpfigen Heliox Solar Team. Zum dritten Mal befährt der 43-Jährige den 3000 Kilometer langen Stuart Highway, der von der nördlichsten Stadt Darwin zur südlichsten Metropole Adelaide führt. Ein endlos scheinender Wüstenritt, der den Kontinent kompromisslos in zwei Hälften teilt. Der Wettkampf findet nur bei Tageslicht statt. Ein Renntag dauert jeweils von 8 Uhr morgens bis 17 Uhr. Dort, wo sich das Gefährt just zu diesem Zeitpunkt befindet, wird mit einem Kreidestrich markiert, wo es am nächsten Tag wieder weitergeht. Dazwischen wird im Wohnwagen campiert, irgendwo im Nirgendwo, zwischen Kängurus und Kakteen. Und immer mit dabei: Eine Überwachungsperson, die schaut, dass die Solarbatterie über Nacht nicht mit Strom aufgeladen wird, oder die Teams sich keine sonstigen Flunkereien erlauben.

Pilot mit Erfahrung

De Vries kennt die Gefahren, die entlang des legendären Stuart Highway auf die Fahrer lauern. Beim letzten Rennen 2007 hat es sein Auto von der Strasse gefegt – kleine, heimtückische Wirbelstürme sind entlang der Strecke eine unberechenbare Konstante. Der Basler und seine Crew hatten Glück: Das einzige, was dabei zu Schaden kam, war der Heliox 2007 – eine 100 Kilogramm leichte Konstruktion aus Aluminium, Pet-Kunststoffen, Holz und leistungsfähigen Solarzellen.

De Vries gilt als einer der erfahrensten Solarmobilpiloten der Welt. In den 80er-Jahren, als die Schweiz in der Solartechnik noch eine Vorreiterrolle spielte, gehörte er zu den Pionieren. 1985 bestritt er die schweizerische Tour de Sol – das erste Solarmobilrennen der Welt. Auf der Strecke von Romanshorn nach Genf mussten sich die Teilnehmer an sämtliche Verkehrsregeln halten, weil das Rennen auf ungesperrten Strasse stattfand. Showgrössen wie Polo Hofer waren vor Ort und die Schweizer Illustrierte berichtete mit einem 20-seitigem Spezial. Seifenkistenförmige Vehikel, die leise durch Stadt und über Land surrten – für die Bevölkerung der 80er-Jahre ein futuristisches Ereignis.

Favoriten aus Holland

Die Euphorie und der Pioniergeist sind inzwischen etwas verflogen. Länder wie Holland, Deutschland oder die USA haben der Schweiz in der Solartechnik längst den Rang abgelaufen. Es ist kein Zufall, dass der Sieger des Global Green Challenge zuletzt viermal aus den Niederlanden kam. Die technischen Standards des Nuon Solar Race Teams von der Universität Delft seien “das Mass aller Dinge”, schwärmt de Vries. Das diesjährige Mobil zeige eindrücklich auf, welche Leistung heute allein durch Sonnenkraft erbracht werden kann: Eine Batterie speichert Energie für eine Strecke von 350 Kilometern, das Gefährt erreicht eine Spitze von 150 km/h. Eine kostspielige Angelegenheit: Eine einzige Solarzelle kostet um die eine Million Euro. “Da steckt mehr High Tech dahinter, als bei der Formel 1”, sagt de Vries über seine Konkurrenten, die vom Know-how und den Materialen der Europäischen Weltraumbehörde (ESA) profitieren.

Alternativenergie – alles andere ist idiotisch

Neid will bei De Vries trotzdem nicht aufkommen. Er und sein achtköpfiges Begleiterteam starten zwar mit Ehrgeiz, aber auch mit Realitätssinn ins Rennen: “Den Favoriten können wir den Sieg nicht streitig machen, das Ziel bleibt das Ziel”, sagt der Basler. Das Heliox Solar Team plant mit einem vergleichbar kleinen Budget von 50`000 Franken, wovon nur 20 Prozent durch Sponsoren gedeckt ist. Für De Vries ist klar: “Wir machen das aus Freude, Abenteuerlust und weil wir der Welt zeigen wollen, was mit Solarenergie heute alles möglich ist”. So wurde der Heliox 2009 ausschliesslich aus Materialien zusammengebaut, die im normalen Fachhandel erhältlich sind. “In zehn Jahren werden mehr Leute im Alternativsektor tätig sein, als in der Automobilbranche”, sagt de Vries, der sich selbst nicht als “grün”, sondern als Realist bezeichnet. “Die Uran- und Erdölvorrate halten nur noch eine begrenzte Zeit. Es ist schlichtweg idiotisch, noch weiter auf diese Rohstoffe zu setzen.”

Die Mission in Down Under scheint für das Heliox Solar Team klar. Nun kann sie nur noch ein unvohergesehnerer Defekt verhindern – oder schlechtes Wetter. Sollte ersteres eintreffen, kann man mit etwas Glück auf die Hilfsbereitschaft eines Konkurrenten zählen. Hoffnung spendet ein Ereignis aus dem letzten Jahr. Ein Team aus den USA spendete der venezuelanischen Mannschaft kurzerhand einen Ersatzmotor. Diese hatte ihren eigenen am Einreisezoll zurücklassen müssen. Grund: Verdacht auf Bombentransport.

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Engelin für Menschen mit Handicap

Unterschiedliche Behinderungsarten sind heute Abend vertreten. Die Devise dabei lautet, sich selbst zu sein, auch auf der Bühne. Nach langem Warten eröffnen Michelle Zimmermann, Eventmanagerin der Misswahl, und Ex-Mister Schweiz Tim Wielandt den Galaabend im Berner Kursaal. Das Publikum sorgt für gute Stimmung, Freunde, Familien und Fangemeinden sind angereist, um ihre schönsten Rollstuhlfahrerinnen zu unterstützen. Plakate mit Slogans wie “Du wirst es schaffen” und “Viel Glück” schmücken die Wände des Lokals.

Beflügelnd

Eine vierköpfige Jury mit bekannten Gesichtern, darunter auch Ex-Miss Schweiz Tanja Gutmann, beurteilt die Frauen, die mit Charme die neusten Kleider eines Modegeschäfts präsentieren. Es wird getuschelt, geschrieben und kritisch beobachtet. Als der Blick auf die Bühne zurückfällt, zeigen sich die Frauen in Abendkleidern, die an einen Schulabschlussball erinnern. Die Kandidatinnen haben denn auch eine Tanzchoreographie einstudiert, Tänzer dürfen dabei nicht fehlen. Darbietungen der Band Index und der Zauberkünstler Wundertäter umrahmen die Show und geben der Jury jeweils Zeit für Entscheidungen.

Während der Pause wird diskutiert, wer wohl gewinnen könnte. Die Wahl fällt auch dem Publikum nicht leicht. Von den zwölf Finalteilnehmerinnen steht schliesslich nur noch die Hälfte auf der Bühne. Tim Wielandt stellt den verbliebenen Kandidatinnen Fragen zu ihrem Leben. Vor der Krönung fordert die Mundartsängerin Natacha das Publikum mit ihrem Song “I fa die uf” zum Mitsingen auf. Ein Hit, der an die dunklen Zeiten des Lebens mit einer Behinderung erinnert und trotzdem die Botschaft vermittelt, nie zu vergessen, Brücken zu bauen sowie Menschen mit einer Behinderung Flügel zu schenken, die einem über diese gebauten Brücken tragen.

Schönste kommt aus Baselland

Die Kandidatinnen werden jeweils vom kräftigen Applaus des Publikums “beflügelt”. Nach einer weiteren Ausscheidungsrunde sind nur noch zwei Frauen im Rennen: Corinne Parrat und Cindy Gadola. Im Saal ist es so still, dass man meinen könnte, selber gehörlos zu sein. Das erlösende Kuvert wird geöffnet, Siegerin ist Corinne Parat. Die 29-jährige Kauffrau kommt aus dem Kanton Baselland.

Die Schweiz hat nun eine erste Miss Handicap. Eine Engelin, die als erste über die Brücke laufen kann, um Menschen mit und ohne Behinderung auf ihre eigene Art und Weise zu verzaubern.

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Bologna – lesen Sie die Packungsbeilage

Was wird also häufiger konsumiert – Bier oder Anti-Depressiva?

Bologna und seine Nebenwirkungen

Was sicher ist: In nur fünf Jahren stiegen die Studentenzahlen stark an, auf zirka 200-˜000 Studenten im Herbst 2009. Eine höhere Erfolgsrate wurde ebenfalls bereits verzeichnet – Bologna wird bereits seit fünf Jahren in der Schweiz angewandt und scheint zu klappen; die Unis sind stolz.

Vieles hat sich verändert. “Langzeitstundent” war einmal, heute herrschen strikte Regeln – das wiederholte Nichtbestehen von Prüfungen kann zum Ausschluss aus der Fakultät führen. Die Uni wird zur Schule. Vorlesungssaal und Bibliothek sind überfüllt, in gewissen Studiengängen verdoppelt sich die Studierendenanzahl fast jährlich. Der träumerische, philosophierende Student von früher ist zum Inventar der Universitätsbibliothek geworden und greift auch mal zu Ritalin, um sich zu konzentrieren. Soviel zu den allseits bekannten Nebenwirkungen von Bologna.

Kaum Raum für persönliche Krisen

Doch, wie also sieht es mit der Psyche aus? Ist der Druck zu stark geworden oder können sich die Studenten gut in das System einfügen, wie das die Erfolgsquoten zu zeigen scheinen? Im Jahr 2008 wurden 1.98% der Studierenden der Hochschulen Zürich (ETH, UZH) im psychologischen Dienst beraten. Im Vorjahr waren es 1.87% – ein kleiner Anstieg. Die Dienste werden deutlich häufiger von Frauen beansprucht, wobei eine eindeutige Tendenz bei der Studienrichtung jedoch nicht abzulesen ist.

Ulrich Frischknecht, Leiter der psychologischen Beratungsstelle weiss: “Unsere Klienten (2%) sind ein gutes Abbild der Gesamtmenge der Studierenden.” Die Zahlen seien vergleichbar mit der Inanspruchnahme der psychologischen Dienstleistungen ausserhalb der Uni. Die Studenten haben also nicht mehr psychische Probleme als der Rest der Schweizer Bevölkerung.

Auf die Frage, ob das Bolognasystem häufiger Probleme hervorrufe als das alte System, erklärt Ulrich Frischknecht: “Wir haben nicht mehr Klienten wegen Bologna. Das aktuelle Studiensystem bevorzugt und benachteiligt ein anderes Segment der Studierenden als das vorherige. Studierende, die von Struktur profitieren, sind heute besser dran; die Selbstständigen fühlen sich eher eingeengt.”

Der Leiter der Beratungsstelle weist darauf hin, dass sich die Nöte und Anliegen der Adoleszenten in unserer Gesellschaft nicht so rasch verändern wie man das vielleicht annehme. Das Bolognasystem sei ein sehr dichtes, etwas atemloses System, das persönlichen Krisen kaum Raum gewähre und adoleszenten Such- und Entscheidungsprozessen nicht förderlich sei. Dies sei jedoch eher der Gesellschaft zuzuschreiben, weniger der Uni.

Der Beratungsbedarf steigt in anderen Bereichen

Rita Raemy, Leiterin der Beratungsstelle Freiburg, bestätigt, dass Angst und Stress als Auslöser für eine Beratungsanfrage auch in Freiburg, trotz steigender Studierendenzahlen, zahlenmässig stabil geblieben seien. Jedoch steige die Anzahl der Anfragen auf der Grundlage von Zweifeln bezüglich Studienwahl.

“Die anderen beratenden Services der Uni erleben einen erhöhten Beratungsbedarf, weil viele administrative Fragen unklar oder übermässig geregelt sind”, meint Frischknecht abschliessend.

Wir stellen also fest – psychische Folgen hat Bologna nicht, auch wenn gewisse Administrativprobleme und die überfüllten Bibliotheken manchmal ziemlich nerven.

Rabatte für St.Galler Jugend

“Wer hät eigentli d Böxli?” “De Günti häts.” Doch Günti ist nicht da und die Breaker warten vergeblich auf die Beats, die ihre Show begleiten sollten. Ratlosigkeit macht sich breit unter den Mitgliedern von Black Shadowz. Einige schütteln sich die St.Galler Herbstkälte mit Stretching aus den Gliedern, andere versuchen, sich mit der Musik aus dem iPod in Stimmung zu bringen. Aber die Boxen bleiben weg.

Warum eigentlich dieser Auftritt im kalten St.Gallen? Es geht darum, die Infocard bekannt zu machen, die erste Rabattkarte für die Jugendlichen aus der Stadt St.Gallen. Dominique Bauer von Infoklick.ch Ostschweiz präzisiert: “Bislang haben sich rund 25 Anbieter aus den Bereichen Kultur, Mobilität, Sport und Bildung der Infocard angeschlossen. Wer eine Infocard bestellt, kommt günstiger ins Fitnesscenter, in die Tanzschule oder in die Grabenhalle.”

Gute Erfahrungen in Solothurn

Das Angebot von Infoklick.ch, der Kinder- und Jugendförderung Schweiz, richtet sich an alle 12 bis 26-jährigen aus der Stadt und kostet 10 Franken pro Jahr. In Solothurn läuft das Projekt bereits seit zwei Jahren und ist ziemlich beliebt: Über 3’000 Jugendliche haben sich dort eine Karte ergattert und nutzen das Angebot. In St.Gallen bestand bereits seit letztem Jahr der Wunsch, eine soche Rabattkarte einzuführen, mit Infoklick.ch wurde nun der richtige Partner gefunden. Bei einer Umfrage unter St.Galler Jugendlichen im letzten Jahr zur Frage, was sie sich von der Stadt wünschten, war eine solche Rabattkarte einer der meistgenannten Punkte.

Startwoche in Schulen

In dieser Woche besuchte Infoklick.ch daher die Schulen in St.Gallen und veranstaltete Wettbewerbe, bei denen es erste Karten zu gewinnen gab. Nachmittags war man jeweils in der Innenstadt unterwegs, um auf das neue Angebot aufmerksam zu machen. “Die ersten Reaktionen sind sehr positiv. Und wenn die Sache erst mal angelaufen ist, werden sich bestimmt weitere Anbieter melden. Wir sind jedenfalls laufend dabei, das Angebot zu erweitern”, so Bauer.

Mittlerweile haben die Breaker kurzerhand neue Boxen gekauft. Für die hat es zwar noch keine Rabatte gegeben, doch die Show läuft jetzt so richtig warm. Man muss eben flexibel sein.

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Gutes für die Zukunft

Hat eigentlich jemand den Leuten gesagt, dass der Abend um 19 Uhr beginnt? Die Band BluePearl hat jedenfalls schon vor ganz anderem Publikum gespielt als heute Freitag. Die Handvoll Leute, die sich bereits durch den Regen in den Talhof gekämpt haben, gefällt die Musik auf jeden Fall. Anscheinend lassen Schüler, Lehrer und andere Gäste die Studentenviertelstunde auch für sich gelten.

Für Skater, St.Galler und Alte

Es folgt der Hauptteil des Abends: Die Jugendgruppen sollen sich und ihre umgesetzten Ideen in fünf Minuten präsentieren. Die Themen sind dabei so verschieden wie die Präsentationen selbst: Die Jugendlichen haben eine Theatergruppe, eine Skateboardfirma oder ein Festival auf die Beine gestellt. Andere Projekte kümmern sich um Musikliebhaber im Altersheim oder mit einer Kummerbox um die Sorgen der St.Galler Bewohner.

Auf der Bühne versuchen die Jugendlichen die Jury dabei mit Filmausschnitten, Theatereinlagen und guten Sprüchen für sich zu gewinnen. Vieles gelingt und gefällt, auch wenn über den ganzen Abend hinweg etwas viele Filmchen über die Leinwand flimmern.

Eine Pause und rund 20 Meter Sandwich später leitet eine Breakdance-Gruppe den letzten Teil des Abends ein. Auch die Sieger des letzten Jahres, das Jugendrotkreuz St.Gallen, kommen noch einmal auf die Bühne und präsentieren das Folgeprojekt “Spielnachmittag für Kinder im Asylzentrum”, welches dank dem Preisgeld des letzten Jahres realisiert werden konnte.

Vor der Siegerehrung betont die Moderation noch einmal, dass es an diesem Abend keine Verlierer gebe. Für einmal keine leere Floskel, denn jede Gruppe, die es in den Final geschafft hat, erhält einen garantierten Beitrag von 400 Franken ans Projekt.

Und der Gewinner ist…

Die Siegerprämie und das erste Ticket für den interregionalen Final in Vaduz darf die Theatergruppe “Irrenhaus oder nicht…?” in Empfang nehmen. Sie hat die Jury überzeugt durch den tiefen Altersdurchschnitt und den innovativen Charakter des Theaters. Weitere Pluspunkte gibt’s dafür, dass daraus auch ein längerfristiges Folgeprojekt entstanden ist. Ebenfalls in Vaduz vertreten sind die Veranstalter der Konzertnacht am Schönenbodensee in Wildhaus auf dem zweiten Platz. Ihre Theatereinlage mit einem urchigen Toggenburger Bauernpaar hat ihnen einige Lacher und Extrapunkte bei der Jury gebracht.

Auch Arniko Skateboards und das Team Entsorger, welches eine Sorgenbox in St.Gallen installiert hat, dürfen mit an den interregionalen Final. Sie belegen gemeinsam Rang vier. Auf den dritten Platz tanzt sich die Klasse 3SB von der Kanti Wattwil, welche als Schulprojekt nicht am Finale teilnehmen dürfen. Dennoch hat ihre Benefizveranstaltung für Bolivien mit Tanz, Theater und Gesang Jury und Publikum beeindruckt.

Der Anlass zeigt auf, dass unsere heutige Jugend viel mehr leistet, als von den Medien erkannt wird. Der Ideenreichtum und die konsequente Umsetzung der Ideen durch die Jugendlichen lassen Gutes für die Zukunft hoffen.

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“Es sind nicht mehr meine Geschichten”

Wie geht’s euch?

Joel: Gut, wir haben gerade einen schönen Spaziergang hier in Luzern hinter uns. Es ist unglaublich, wie schön es hier ist. Wir haben sehr viele Touristen gesehen, kein Wunder, kommen die alle hier her.

Ihr spielt hier in der Schüür, in einem sehr kleinen Club.

Tim: Wir mögen es so klein, wir haben schon in England solche Konzerte gespielt. Jetzt machen wir noch sechs Wochen Club Tour in Europa. Das ist toll für die Fans, die Band so nahe zu erleben. Die Musik steht damit im Mittelpunkt, es gibt keine grosse Lichtshow. Das ganze Theater würde nur von der Band ablenken. Es ist die Art, wie wir früher getourt sind und es war eine schöne Zeit. Und Plattenfirmen geben ja sowieso nicht mehr so viel Geld aus für Konzerte.

Sind nicht gerade die Konzerte der neue Weg, Geld zu verdienen?

Joel: Ja, sofern man vor genug Leuten spielen kann. Zumindest geht’s dann besser als mit CDs, denn wenn man nicht gerade Millionen davon verkauft, kann man damit ja nichts verdienen. Für uns ist’s einfach schön, unterwegs zu sein.

Joel, du hast über euer neues Album “Black Swan” gesagt, dass ihr eine gute Liveband seid, dies sei nun erstmalig auch auf CD zu hören.

Joel: Es gibt bei jeder Aufnahme immer Live-Elemente, aber bei unseren früheren Alben war diese rohe Energie nicht so richtig eingefangen. Vielleicht wollten wir das bis anhin gar nicht, denn es waren Studio-Alben. Bei diesem Album wollten wir aber den Moment aufnehmen, wenn etwas wirklich live passiert. So haben wir die Aufnahme gemacht, einfach fünf Leute in einem Raum, die Musik machen, ohne überhaupt an die Aufnahme zu denken.

Tim: Das war das Aussergewöhnliche bei diesem Album. Das lag auch vor allem an unserem Produzenten Tom Rothrock. Früher haben wir uns im Studio viele Gedanken über technische Details gemacht. Diesmal vertrauten wir unserem Produzenten und gaben damit vieles aus der Hand. Wir durften uns keine Aufnahmen im Studio anhören.

Joel: Wir sind sehr zufrieden mit dem Resultat. Es war eine gute Erfahrung, so zu arbeiten. Wir konnten am Abend aus dem Studio laufen und es war einfach ein Genuss, Musik zu machen. So sollte es immer sein.


Ihr beschreibt euer neues Album als “alles, wo ihr durch seid; das gute, das schlechte, das hässliche”. Das könnte ja alles bedeuten. Was ist tatsächlich neu?

Joel: Musikalisch versuchen wir immer, weiter vorzudringen und Neues zu entdecken. Bei diesem Album wollten wir alles simpler machen. Wir wollten uns eher auf die Melodie und die Chords fokussieren. Wir haben mit ganz einfachen Demos angefangen. Dahinter sollten aber ehrliche Texte stehen. Wenn ich meine Erfahrungen damit verarbeiten kann, ist das für mich ab und zu therapeutisch. Der “Black Swan Song” handelt von meinem Grossvater, der vor vier Jahren gestorben ist, aus seiner Perspektive über seine Kämpfe, bis zum letzten Kampf als Abschied aus dieser Welt. Oder “The Unknown”, das ist ein gewinnender Song, in Angesicht der Anstrengungen im Leben, ohne zu wissen, was die Zukunft bringt. Wir waren damals ohne Label und es war unklar, woher das Geld für die Aufnahmen kommen sollte. Doch wir waren sehr zufrieden, denn wir haben den Moment einfach genossen und uns zurück gelehnt, denn ob’s im Leben schlussendlich hart kommt oder auch nicht, damit muss man sich abfinden.

Joel, hast du das Gefühl, dass du zu viel von deinem persönlichen Leben preis gibst? Deine Songs erzählen vom Tod und Leid in deiner Familie.

Joel: (lacht) Nein, überhaupt nicht. Für mich ist es etwas therapeutisch, gerade mit Songs wie “Wires” oder “Black Swan Song”. Wenn meine Songs mal draussen sind, dann sind sie nicht mehr meine Geschichten, dann gehören sie allen. Die Geschichte meiner Tochter im Krankenhaus in “Wires”. Diese Geschichte ist zwar sehr persönlich, aber ich kann den Song nur deswegen jeden Abend singen ohne in Tränen auszubrechen, weil es nun nicht mehr der Song über meine Tochter ist. Es ist nun die Geschichte aller, denn es gibt so viele Leute, die Gleiches erlebt haben.

Diese Veränderung passiert mit allen Songs. Teilen viele Leute ihre Geschichten mit dir?

Joel: Ja, es ist erstaunlich, wie viele Leute ähnliche Geschichten erlebt haben und ihnen hat dann einer der Songs geholfen. Das ist für mich am Ende jeden Tages so ermutigend. Ich möchte weiter Songs schreiben, die den Leuten etwas bedeuten. Ich möchte nicht einfach nette Pop-Songs schreiben, die zwar kurze Zeit gut am Radio laufen, aber eigentlich nichts bedeuten. Ich möchte lieber Songs schreiben, die Leute bewegen. Musik ist die Sprache der Seele, es sind die Dinge, die Leute nicht in Worte fassen können.

Tim: Es sind Situationen im Leben, wenn man beispielsweise in einem Taxi fährt und der Fahrer dir plötzlich seine Lebensgeschichte erzählt. Damit kann ein Song zum Soundtrack eines Momentes werden. Das sind sehr persönliche Erlebnisse. Wenn dies klappt, dann ist das wunderschön und wichtiger als alles andere. Wenn wir solche Momente erleben dürfen, dann ist es alle Mühe Wert.

In Ländern, die nicht englischsprachig sind, ist das nicht ganz einfach.

Joel: Du vertraust einfach darauf und hoffst, dass Seele und Energie, die du in diese Songs steckst, auch rüber kommen. Bands wie Mogwai oder Sigur Ros funktionieren auch ganz ohne Texte. Die Leute fühlen schon, was du sagen willst, auch ohne die Texte.

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