Gesellschaft | 28.09.2009

Wunderschönes Irland

Text von Alice Grosjean | Bilder von Alice Grosjean
Normalerweise fallen einem zum Stichwort «Irland« spontan Dinge wie Bier, Pubs, Wiesen mit Schafen, schlechtes Wetter oder Volksmusik ein. Das mag ja alles stimmen, aber hat schon jemand etwas von Hurling, der Sprache «Irisch« oder dem Arthur's Day gehört?
Hier wird noch jede(r) zum Bierliebhaber. Dublin kann auch ganz unscheinbar sein. Die Strassenmusiker sind nicht aus der Stadt wegzudenken. Irland, und es fällt kein Tropfen Regen!
Bild: Alice Grosjean

Ein bisschen eigenartig fand ich es ja schon, als ich das Flugzeug verliess und von strahlendem Sonnenschein begrüsst wurde, stand doch in der Reisebroschüre, man solle Regenjacke und -schirm, sowie wasserfeste Schuhe einpacken. Die Leute liefen in kurzen Hosen, Miniröcken und Flip Flops umher, obwohl die Temperatur kaum mehr als 18° C betrug. Ich hatte anscheinend einen der besonders schönen Tagen erwischt, die, der Hautfarbe der Leute nach zu beurteilen, wohl nicht sehr häufig sind. Schon am ersten Tag war ich von der Gastfreundschaft Irlands überzeugt. Die Familie, bei der ich wohnte, die Lehrer in der Sprachschule, fremde Leute auf der Strasse oder im Zug, alle waren stets sehr freundlich, höflich und erklärten einem, was man wissen wollte.

Verborgene Grossstadt

Der allererste Eindruck von Dublin ist vielleicht nicht gerade überwältigend: Man kommt in der Stadt an und hat irgendwie nicht das Gefühl in einer Grossstadt zu sein. Die Häuser sind niedrig, eher langweilig, die Zugbahnhöfe auch nicht gerade riesig und pulsierend. Wagt man sich aber weiter ins Getümmel vor, erkennt man die Lebendigkeit, die Farben und Vielfalt dieser Stadt. Die Strassen im Zentrum sind voll von Fussgängern, Strassenmusikern und anderen Artisten. Hat man die ersten Töne hinter sich gelassen, erklingen aus der nächsten Ecke schon wieder neue oder man entdeckt vor seinen Füssen die Simpsons mitten auf die Strasse gemalt. Die Iren sind sehr sportbegeistert, das Finalspiel der irischen Liga im «Gaelic Football« schauten sich rund 81’000 Menschen live im Stadion an. Auch die zweite irische Nationalsportart, das «Hurling«, eine sehr schnelle Ballsportart, die mit Holzstöcken und einem kleinen Ball gespielt wird, ist bei Jung und Alt sehr beliebt.

Gälisch und Guinness

Auf der Suche nach etwas wirklich Irischem schaut man sich am besten Strassenschilder an oder hört sich Lautsprecherdurchsagen an Bahnhöfen an. Sämtliche Informationen werden immer zweisprachig gegeben, in Englisch und Irisch, einer gälische Sprache. Das ist insofern witzig, weil es nicht die geringste Ähnlichkeit mit einer romanischen oder germanischen Sprache aufweist, also komplett unverständlich für Ausländer ist und noch nicht einmal von allen Iren fliessend gesprochen wird. Für etwas Abwechslung begibt man sich also in einen von aussen farbig angemalten Pub. In vielen ist schon tagsüber Live-Musik zu hören, da verkraftet man es schon einmal für ein Pint (= 0.568 Liter) Guinness etwas mehr als 5 Euro zu zahlen. Dieses dunklere Bier, sozusagen das Irische Nationalgetränk, muss in Dublin einfach von jedem probiert werden. Mit einigen Zusätzen wie zum Beispiel Cassis hat es sogar mich zur Biertrinkerin gemacht. Am letzten Donnerstag, den 24. September, wurde weltweit der Arthur’s Day, das 250-jährige Jubiläum, benannt nach dem Gründer Arthur Guinness, gefeiert. Ein riesiges Fest mit vielen Konzerten und einem Haufen Bier in der ganzen Stadt. Wer auch mit Guinness nichts anzufangen weiss, dem sei zu einem Glas Irish Coffee geraten. Heisser Kaffee,gemischt mit original Irischem Jameson-Whisky und serviert mit einer Schicht Schlagsahne oben drauf, danach ist jeder bei guter Laune.

Schrille Iren

Eine U-Bahn sucht man in Dublin umsonst, dafür gibt es unzählige gelbe Doppeldeckerbusse und eine Strassenbahn und Züge. Mehr ist auch gar nicht nötig; das Stadtzentrum ist nicht riesig, sondern schön übersichtlich und alles bequem zu Fuss erreichbar. Gleich neben der Grafton Street – einer der teuersten Einkaufsstrassen der Welt – liegt das Touristen- und Ausgangsviertel «Temple Bar«, mit seinen unzähligen Pubs, Bars, Restaurants und Clubs. An Samstagabenden sind die Strassen verstopft, man trifft hier alles und jeden: Iren, Italiener, Spanier, Asiaten, Deutsche, Engländer, sogar Schweizer sind keine Seltenheit. Die Iren von den Ausländern zu unterscheiden ist nicht schwierig, sie laufen entweder in Turnschuhen und Sportkleidern oder aber in total ausgeflippten, schrillbunten Outfits umher. An Freitag- oder Samstagabenden summiert sich das ganze dann noch einmal, modisch noch aufzufallen, ist nahezu unmöglich.

Erwischt man gutes Wetter, ist es wunderschön, die Umgebung von Dublin zu erkunden. Die Landschaft ist sehr ländlich, weite grüne Wiesen und Felder, vereinzelte ältere Häuser. Würde man die vielen Schafe durch Kühe ersetzen, könnte man sich schon fast heimisch fühlen. Ansonsten ist ein Ausflug ans Meer nie verkehrt, an den richtigen Orten und mit etwas Glück sind sogar Seelöwen zu sichten. Auch wer kein Wanderliebhaber ist, kommt auf seine Kosten: Steile Klippen, dunkelblaues Wasser und steinige Küsten sind eine willkommene Abwechslung zu sommerlichen Badeferien, obwohl manche Dubliner auch im September nichts gegen ein Bad im eiskalten Wasser haben.

Dublin ist keine Metropole, aber auf jeden Fall einen Besuch wert. Das bekannte Trinity College liegt mitten in der Stadt und trägt seinen Teil zum Flair der irischen Hauptstadt bei. Die Atmosphäre ist einzigartig, die vielen Studenten und Sprachschüler geben der Stadt ein jung gebliebenes und dynamisches Bild, eine einzige Ansammlung von Individuen. Jeder wird in Dublin etwas Passendes finden, die Stimmung ist international, kreativ, inspirierend, aber trotzdem sehr relaxed. Denn irgendwie ist man in Irland eben doch weit entfernt von der restlichen Welt, auf einer grünen Insel mitten im Meer.