Gesellschaft | 21.09.2009

Workshops für Peacemaker

Text von Diana Berdnik | Bilder von Diana Berdnik
Vom 17. bis am 19. September fand in St. Gallen das erste Respect-Camp statt. Über tausend angemeldete Jugendliche und zahlreiche spontane Gäste besuchten das Zeltdorf auf dem Klosterplatz. Nicht selten entstanden dabei spannende Diskussionen.
Zum ersten Mal fand auf dem St.Galler Klosterplatz das Respect Camp statt. Die Religionen zeigten sich von ihrer besten Seite.
Bild: Diana Berdnik

Seit vier Jahren ist das Peace-Camp im Kanton Aargau unterwegs und verbreitet die Botschaft des gewaltfreien Zusammenlebens. Das erfolgreiche Projekt wurde leicht umbenannt und machte Halt in der Ostschweiz. Im Rahmen der interreligiösen Dialog- und Aktionswoche konnten sich diverse Jugendgruppen, Schulklassen und kirchliche Gemeinschaften mit Gewalt und Vorurteilen gegenüber anderen Religionen auseinandersetzten.

Frustabbau

Was gibt es Tolleres, wenn man wütend ist, als einen Teller gegen die Wand zu schmettern? Genau das durften die Teilnehmer am Respect-Camp zu Beginn machen. Mit einem dicken Stift wurde der Grund des Frustes auf das Porzellan gekritzelt, welches anschliessend mit einem riesigen Krach gegen die Wand donnerte. Für die Kids ein einmaliger Spass!

Etwas ruhiger ging es in den Zelten zu und her. Die Texte und Aussagen von Menschen verschiedener Kulturen stimmten die Jugendlichen nachdenklich. Sie notierten in ihrem Camp-Heft, was für sie Zufriedenheit bedeutete, welche Vorurteile sie haben und wann sie Streit schlichten oder Friede stiften konnten.

Kommunikation

Streit entsteht oft durch ein Missverständnis, das aus der Welt geschaffen werden könnte, wenn die Beteiligten miteinander sprechen würden. Kommunikation ist ein wichtiges Instrument für Peacemaker. Darum flimmerte in einem Zelt ein Fernseher und zeigte Gewaltszenen, die auch die unruhigsten Kinder aufhorchen liessen. Ein Junge wurde gefragt, ob er denn auch schon einmal Zuschauer einer Gewalttat war. „Ja klar, auf dem Pausenplatz oder nach dem Fussballspiel!“ Diese Antwort hörten die Helferinnen regelmässig. Es wurde immer heftig diskutiert, was man denn in einer solchen Situation tun solle, wie man die Streithähne auseinander bringe und wann man besser Hilfe hole. Zivilcourage hiess das meistgenannte Wort an diesem Posten. Doch nach dem Vorfall in München zeigten sich die Jugendlichen eher skeptisch. Wer will denn freiwillig sein Leben hergeben? Eine Herausforderung für die Postenleiter.

Suche den Fehler!

Christentum, Islam und Judentum vereint in einem Zelt. In den liebevoll gestalteten Schaufenstern waren einige Fehler eingebaut. Eifrig suchten die Besucher und fanden den jüdischen Grabstein im muslimischen Fenster und den siebten Zacken am Davidsstern. Viele bezeichneten den Muezzin auf der Kanzel einer christlichen Kirche als Gaddafi. Die Jugendlichen schienen gute Medienkenntnisse zu besitzen. Und doch gab es viele offene Fragen, die beantwortet oder diskutiert wurden und somit zu weniger Vorurteilen gegenüber anderen Religionen führten.

Chill-out

Mitten in der Zeltstadt konnten regelmässig Gedanken der Besucher auf dem Projektionsturm begutachtet werden. Sie luden ein zum offenen Diskutieren und Nachdenken. Auch Passanten drehten ihre Runde und machten vom Angebot Gebrauch. Die gute Stimmung wurde nur selten von primitiven Bemerkungen gestört. Vermutlich von genau solchen Menschen geäussert, die einen seriösen Besuch im Respect-Camp nötig gehabt hätten.

Trotzdem können die Organisatoren von einem Erfolg sprechen. Obwohl nicht jeder mit gleich vielen neuen Erfahrungen und weniger Vorurteilen nach Hause ging, wurde wieder ein Schritt zum friedlichen Zusammenleben gemacht. So jedenfalls hörte es sich an, wenn man die jungen Menschen im gemütlichen Chill-out-Tipi nach einem Feedback fragte.